Münnerstadt
Stadtrat

Zermürbende Diskussionen ums Hallenbad dauern an

Der Stadtrat Münnerstadt findet keine Ruhe, auch wenn jetzt eine Mehrheit dem Bauantrag zum Hallenbad-Abbruch zugestimmt hat.
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Kritik gab es in der Stadtratssitzung, dass die Abrisskosten für das Hallenbad den Stadträten nicht schriftlich vorlagen. Foto: Heike Beudert
Kritik gab es in der Stadtratssitzung, dass die Abrisskosten für das Hallenbad den Stadträten nicht schriftlich vorlagen. Foto: Heike Beudert
Die nüchterne Faktenlage des Hallenbad-Abbruch-Konzeptes könnte fast den Eindruck vermitteln, die Zuschauer auf den hinteren Stühlen des Rathaus-Sitzungssaals wären dieses Mal um ihre Mürschter Montagabend-Soap herumgekommen. Doch das Hallenbad hat mittlerweile so zur Spaltung des Gremiums beigetragen, dass diese sich auch in der jüngsten Stadtratssitzung unaufhaltbar in einem verbalen Zermürbungskampf bemerkbar machte. Wie auf Knopfdruck ging es los.
Die Sitzung eröffnete mit dem am Sonntag eingegangenen Antrag von 3. Bürgermeister Axel Knauff (SPD), die Sitzung am Montag abzusagen, weil am Nachmittag auch Kreistagssitzung war und keine fristgebundenen Tagesordnungspunkte anstanden. Allerdings zog Knauff diesen Antrag zurück.
Leo Pfennig (CSU, fraktionslos) beantragte dann noch, die Baugenehmigung für den Hallenbad-Abbruch von der Tagesordnung zu nehmen. Man sollte mit der Entscheidung bis zu den Haushaltsberatungen warten, weil bislang die Kostenschätzungen gefehlt hatten, begründete er seinen Vorstoß. Dies sei vor allem vor dem Hintergrund zu sehen, dass sich die ursprünglich geschätzten Abbruchkosten von 180 000 Euro auf mittlerweile fast eine Million Euro erhöht hätten, es sich also um eine Vervierfachung handle. Der Antrag wurde abgelehnt - mit 9: 11 Stimmen. "Wie immer", brummelte daraufhin leise, aber doch gut vernehmbar eine Stimme aus den Zuhörerkreisen.


Fürs Protokoll

Wenig später ließ Pfennig im Protokoll festhalten, dass ein "maßgeblicher Beratungsmangel" vorliege, weil die Zahlen dem Stadtrat bis zur Sitzung bewusst vorenthalten worden seien. Nach der Abstimmung ließ er zudem protokollieren, dass "durch die Art der Präsentation keine sachgerechte Entscheidung möglich war".
Außerdem wollte Pfennig wissen, wie es zur Vervierfachung der Kosten gekommen sei. "Das Gutachten hat neue Erkenntnisse gebracht", stellte Bürgermeister Helmut Blank (CSU) dazu fest. Damit würden sich auch die Berechnungen zur Hallenbadsanierung von 3. Bürgermeister Axel Knauff verändern, wandte Blank ein. Anders als der Bürgermeister habe er aber seine Kalkulation öffentlich gemacht, der Bürgermeister nicht, entgegnete Knauff.
Für weiteren Unmut hatte die Präsentation der Abbruchkosten mittels Beamer gesorgt. Problem: Die Zahlen waren klein geschrieben und damit wirklich kaum zu lesen. Eine schriftliche Vorlage gab es nicht. Rosina Eckert bat darum, diese vor der Abstimmung zu erhalten. Sanierungsbeauftragter Dag Schröder reagierte sichtlich verstimmt auf Eckerts Einwurf: "Wie wollen Sie beurteilen, ob das (das Zahlenwerk) stimmt?"
Die Gegenseite im Stadtrat hatte anscheinend genug gesehen. "Wir können darüber entscheiden", bekundete Klaus Schebler (Neue Wege). Ihm gehe es darum, dass das Ding endlich vom Tisch sei. "Wart ihr alle beim Lasern", wunderte sich Rosina Eckert. "Alle Diskussionen gehen doch nur dahin, die Entscheidung hinauszuziehen", warf Schebler in Blickrichtung Opposition ein. Dagegen verwahrte sich Dieter Petsch (Forum aktiv): "Wir haben gar nichts verhindert". Es habe doch nur eindeutige Entscheidungen geben. "Wir machen etwas Unvernünftiges, um Zuschüsse zu bekommen", meinte Stadtrat Pfennig schließlich zum Hallenbad-Abbruch. Ob sich Helmut Blank später auch beim Lehrschwimmbad so sicher sein kann, dass eine wunschgemäße Entscheidung fällt, bezweifelte Pfennig: "Ich bin mal gespannt, ob Sie dann auch die Mehrheit bekommen", sagte er in Richtung Blank.
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