Maßbach
Kultur

"Werthers Leiden" einmal anders

 Im "Theater im Pferdestall" hatte das Stück "Wertherschlachten" Premiere. Die Gemeinschaftsproduktion mit dem Möööp Theater Frankfurt soll Jugendliche ansprechen.
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Carsten Stier in "Wertherschlachten" Fotos: Gisela Hoffmann
Carsten Stier in "Wertherschlachten" Fotos: Gisela Hoffmann
Eine im wahrsten Sinne des Wortes ungewöhnliche Theaterpremiere gab es am Mittwoch im "Theater im Pferdestall" des Fränkischen Theaters Schloss Maßbach. "Wertherschlachten", eine Gemeinschaftsproduktion mit dem Möööp Theater Frankfurt, ist eine Geburtstagsparty für eines der bekanntesten Stücke von Goethe, "Die Leiden des jungen Werther". Dieser Briefroman erschien im September 1774 zur Leipziger Buchmesse, also vor 240 Jahren, und machte seinen Autor über Nacht in Deutschland und darüber hinaus berühmt.
Der Inhalt kann zumindest in groben Zügen als bekannt vorausgesetzt werden: Werther verliebt sich unsterblich in die schöne Lotte. Als er erfährt, dass sie bereits mit einem anderen so gut wie verlobt ist, steigert sich der junge Rechtspraktikant immer mehr in seine Schwärmerei, bis er nur den Ausweg im Freitod sieht und sich erschießt.
Als der Roman erschien, gab es eine Welle von Selbstmorden unglücklich verliebter junger Leute in Deutschland, und deshalb war er auch längere Zeit verboten als "Lockspeise des Satans". Später entstanden daraus unzählige Filme und Dramen.

Ständiger Rollenwechsel

Zur Premiere in Maßbach waren Schüler des Gymnasiums Bad Brückenau gekommen. Carsten Stier führte sie, mal als Außenstehender, mal direkt in der Rolle des Werther, durch das Stück. Bei den "Top Ten" der besten Romane der Weltgeschichte landete, wen wundert es, "Die Leiden des jungen Werther" auf Platz eins. "Egal, welchen Roman ich auch lese, keiner kommt an den heran", meinte Stier. Ersten, noch zögerlichen Beifall gab es, als er fortfuhr: "Heute hast du 240. Geburtstag. Happy Birthday, alter Junge, wir haben dich lieb."
Gerade dieser ständige und oft schnelle Wechsel zwischen beiden Rollen, Erzähler und Schauspieler, macht die Aufführung so interessant und bietet Möglichkeiten, auch Informationen über Goethe und Werther einzustreuen, die sonst nicht zum Tragen kommen könnten. Zum Beispiel, dass das Stück durchaus autobiografische Züge hat. Schließlich war Goethe in eine bereits verlobte Frau verliebt, und ein Freund erschoss sich, weil er in ein e verheiratete Frau verliebt war.

Eine Frage bleibt offen

Nein, die Aufführung in Maßbach ist keine abgespeckte Fassung des Werther. Hier wird mit vielfältigen Elementen gearbeitet, mit Rock, Pop und Rap, Tanz, mit Video-, Ton- und Beleuchtungseffekten - mit Formen also, die Jugendliche ansprechen können und sollen. Und da 240 Jahre seit dem Erscheinen vergangen sind, tauchen auch seinerzeit unbekannte Stichworte wie "Freundschaftsanfragen" und Raumfahrt auf. Wer sich allerdings nach dem Besuch der Aufführung in Maßbach die Mühe macht, einmal im Originaltext von "Die Leiden des jungen Werther" zu blättern, der stellt fest, dass der rote Faden und auch die Form des von Goethe gewählten Briefromans voll erhalten geblieben sind. Die Problematik, unerfüllte Liebe, ist damals wie heute dieselbe.
Nur eine Frage blieb letztlich unbeantwortet: Warum muss das Stück eigentlich "Wertherschlachten" heißen?




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