Großwenkheim
Kultur

Weltoffene Improvisationskünstler

Der Stil von "Globalplayer" ist schwer zu beschreiben, doch die Band erreicht bei ihrem Konzert in Großwenkheim mit Eigenkompositionen das selbstgesteckte Ziel: Grenzen zu überschreiten.
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In Aktion: "Globalplayer" mit Martina Shana Haider, Alexander "Sascha" Vaymer (links), Michael Hilbel (Mitte) und Christian Back.  Foto: Björn Hein
In Aktion: "Globalplayer" mit Martina Shana Haider, Alexander "Sascha" Vaymer (links), Michael Hilbel (Mitte) und Christian Back. Foto: Björn Hein
Den Begriff "Globalplayer" verbindet die Mehrzahl der Menschen wohl mit Finanzgeschäften großer Firmen. Doch die "Globalplayer" rund um den Frontmann der gleichnamigen Band, Michael Hilbel, sind hiervon weit entfernt. Für sie steht die Musik im Zentrum des Schaffens. Dass sie dabei weltoffen sind und sich keinen Strömungen verschließen, darauf deutet schon das "global" im Bandnamen hin. Mit ihrem Konzert "Die friedvolle Revolution", das in Großwenkheim stattfand, begeisterten sie die Zuhörer in der Alten Schule.

Improvisation ist wichtig

"Aufgrund der Instrumentenpflege und der sonnigen Farbe haben wir uns ins sichere Trockene begeben", sagt Hilbel mit einem Schmunzeln, als feststand, dass die kühle Witterung dem "Chillkonzert mit Hängemattenfeeling" einen Strich durch die Rechnung gemacht hatte. Aber es ist ja gerade die Improvisationsgabe, die die vier Musiker von "Globalplayer" vereint. Da ist es noch das Geringste, einen Gig kurzfristig woanders stattfinden zu lassen.
Die Kombo spielt Eigenkompositionen mit deutschen Texten, wobei die Improvisation eine wichtige Rolle spielt. Die Bandmitglieder kommen aus den unterschiedlichsten musikalischen Richtungen. Klassik trifft auf Blasmusik, Rockmusik changiert mit den experimentellen Gesanginterpretationen im Stile Björks. Gerade dieses Experimentieren führt zu einem völligen neuen Stil, der die verschiedenen Richtungen absorbiert und so etwas ganz Neues schafft. Für das Gelingen ist auch der ganz besondere Charakter der vier Musiker verantwortlich. "Wir sind offen für alles und versuchen, die verschiedenen Stile zu integrieren", sagt Frontmann Hilbel.
Und dieses Offen-Sein spürte man auch beim Konzert in Großwenkheim. "Unser Motto ist: Grenzen einfach mal aufbrechen. Musikalisch ist das möglich - und warum auch nicht in anderen Bereichen?", meint Hilbel. Und die "Globalplayers" leisten ihren Beitrag dazu beim Konzert, das unter dem Thema "Die friedvolle Revolution" steht.
"Wir wollen einen Beitrag zu einer besseren Welt bieten: Frieden ist möglich, wenn jeder bei sich anfängt", erläutert Sängerin Haider das Motto. Sie bringt dabei auf den Punkt, was die Originalität der vier Musiker ausmacht: "Wir ahmen keinen nach, wir lassen unserer Kreativität einfach freien Lauf. Sich vom Moment inspirieren lassen - das ist unsere Art, uns musikalisch auszudrücken." Für ihre ganz besondere Musik haben sie auch schon einen Preis gewonnen. Beim "Kurz und Knapp Filmfestival" steuerten sie für den Kurzfilm "Der Turm" die musikalische Untermalung bei und erhielten für ihr gemeinsames Werk den Preis in der Kategorie "Bester Ton und Filmmusik".

Global - regional - original

Obwohl die "Globalplayers" sehr weltoffen sind, ist ihnen die Region sehr wichtig. "Wir kommen aus der Gegend und fühlen uns hier zu Hause. "Deshalb lautet unser Motto auch ,global - regional - original‘", meint Michael Hilbel. Dass diese Begriffe sich nicht ausschließen, hat auch mit der Musik zu tun: "Musik ist die Sprache, die weltweit verstanden wird", sagt Haider.
Beim Konzert in der Alten Schule in Großwenkheim platzten die Räumlichkeiten aus allen Nähten. Meisterhaft verstand es Alexander Vaymer, seinem Violoncello ungewöhnliche Weisen zu entlocken, Christian Back und Michael Hilbel woben eindrucksvoll am Klangteppich mit. Rockige Klänge wechselten mit psychedelischen Sounds ab, die selbstgeschriebenen Texte luden zum Nachdenken ein und wurden von Martina Haider gekonnt vorgetragen. Dass die vier auch gemeinsam neue Lieder improvisieren können, zeigten sie ganz zum Schluss. Haider ließ sich vier Begriffe vom Publikum geben, aus denen sie einen ganz neuen Songtext zauberte. Hilbel, Back und Vaymer unterlegten dies mit einem spontan kreierten Song, der die Zuhörer in den Bann schlug. "Globalplayer" hat einen unnachahmlichen Stil, der nur schwer zu beschreiben ist, jedoch formvollendet und äußerst harmonisch daherkam. Es gelang tatsächlich, Grenzen zu überschreiten.
Die Kombo besteht aus vier Mitgliedern. Martina Shana Haider ist für den medialen Gesang zuständig, Christian Back bedient die Drums, macht die Percussions und spielt Gitarre. Alexander "Sascha" Vaymer erweckt das Violoncello zum Leben, Michael Hilbel spielt an der Hybrid-Sitar und den Gitarren. Haider stammt vom Ammersee, Alexander Vaymer kommt eigentlich aus Sotschi in Russland, am Schwarzen Meer gelegen. Seit rund vier Jahren wohnt er in Bad Königshofen, das er mittlerweile als seine Heimat bezeichnet. Christian Back kommt aus Kleinwenkheim, Michael Hilbel wohnt in Großbardorf. Hilbel war oft auf Reisen, bevorzugt in Asien; sein Musikstil und das etwas außergewöhnliche Instrument, die Sitar, zeugen davon.
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