Rannungen
Tradition

Wegmarken-Schild als Erinnerung

 Der Stammtisch in der Traube wäre einer von vielen, gäbe es nicht John Melin. Der US-Amerikaner war schon in den 1970er Jahren als Soldat in Deutschland. Richtig heimisch gefühlt hat sich er aber erst ab 2010 in Ranunngen.
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John und Cathy Melin  Foto: Björn Hein
John und Cathy Melin  Foto: Björn Hein
Stammtische sind in Franken etwas ganz Normales. Hier trifft man sich in fröhlicher Runde, diskutiert auch mal ernste Themen und hat vor allem eines - viel Spaß an der Gemeinschaft. Auch in Rannungen hat dies Tradition. Bei Bernhard Herbig im Gasthof zur Traube trifft man sich regelmäßig. Meist sind es natürlich Einheimische, die zusammenkommen.
Dieser Stammtisch hat allerdings eine Besonderheit: Der US-Amerikaner John Melin ist mit von der Partie, und das seit mittlerweile vier Jahren. "Freitags bieten wir seitdem auch einen Deutschkurs an", meint Jürgen Nöth, einer der Stammtischbrüder mit einem Schmunzeln. Er erinnert sich genau zurück: 2010 war es, als der frisch gebackene Rannunger Ortsbürger John Melin zum ersten Mal zum Stammtisch ging - und gleich freundschaftlich empfangen wurde. Von da an war er voll in die Gemeinschaft integriert. Er half fleißig bei Festen mit und war natürlich auch bei den feucht-fröhlichen Ausflügen immer mit von der Partie.

Viele Stationen

John Melin kennt Deutschland schon recht lange: Von 1976 bis 1979 war er als Soldat bei der US-Army in Bad Hersfeld stationiert, 1980 bis 1982 in Stuttgart. Beim Golfkrieg diente er 2005 im Irak und war auch an unterschiedlichen Militärbasen in den USA, in Afghanistan und vielen weiteren Orten stationiert. Bereits in den 70er Jahren lernte er Deutsch, auch durch seine erste Ehefrau. Allerdings sorgten die Standortwechsel immer dafür, dass es schwer war, hier heimisch zu werden. "Wir wurden eigentlich auf der ganzen Welt herumgeschickt", erinnert sich Melin zurück.

Arbeitsplatz in Schweinfurt

Als er 2010 jedoch aus der Armee entlassen wurde, um als Ausbilder und somit als Zivilist weiter für die US-Army zu arbeiten, fand er in Schweinfurt einen Arbeitsplatz. Hier trainierte er Soldaten in einem Fahrzeugsimulator und konnte dabei sein Wissen weitergeben, das er sich über die Jahre angeeignet hatte. Es war notwendig, möglichst ortsnah zu wohnen. Dabei stieß er auf Rannungen, 2010 war das.
"Für mich war es klar, dass ich mich in das Dorfleben integrieren will", sagt Melin. Deshalb besuchte er auch die örtlichen Feste, wo er bald ein gern gesehener Gast war. Denn er integrierte sich auch gleich in die Vereine. "John hat immer mitgeholfen. Ob beim Bratwurstgrillen oder beim Gläserspülen - John war immer mit von der Partie", erinnert sich Hermann Metz zurück. Beim Seefest war es gewesen, als John Melin erstmals in Kontakt mit der Dorfbevölkerung trat. Er half sogar bei der Kartoffel- und Maisernte im Dorf mit und besuchte mit seinen Stammtischbrüdern auch das Oktoberfest, den Cannstatter Wasen und weitere, typisch deutsche Volksfeste. Und auch bei den Terminen im Dorf war er fest integrierter Bürger. Sowohl bei Hochzeiten als auch bei Trauerfeiern war er dabei.
John hat es in Deutschland immer gefallen. Doch mittlerweile hat er seinen Hauptwohnsitz wieder in den USA, genauer gesagt in Florida bei Fort McCoy. "Ich würde gern weiter in Rannungen wohnen, aber in den USA sind meine Frau Cathy und meine Enkel", sagt Melin. Aber das hielt in nicht davon ab, jetzt mit seiner Frau wieder nach Rannungen zu fahren. Dort wurde ihm im Gasthaus Bernhard Herbig ein großer Empfang bereitet. Viele Rannunger waren vor Ort, um bei typisch deutschen Gerichten wie Schweinehaxen und Jägerschnitzel "ihren" John hochleben zu lassen. In ausgelassener Atmosphäre bekam Melin ein Schild mit den großen "Wegmarken", die er in der Region absolviert hat: Vom Faschingsverein, der "Gückerelf" bis hin zum Seefest und der Schlachtschüssel, die John besonders mochte. Nicht vergessen wurde natürlich der "Deutschkurs" am Stammtisch.
"Ich fühle mich zwar in den USA sehr wohl, genieße es aber auch, wieder nach Rannungen zu kommen", sagt Melin. Wenn man so will, hat er jetzt zwei "Heimaten". Allerdings - das deutsche Bier schmeckt ihm sehr viel besser. "Wenn man das deutsche Bier mit in die USA nimmt, kann man die Sehnsucht nach "Good Old Germany" einigermaßen im Griff halten", sagt Melin mit einem Schmunzeln.
Die Mentalitäten mögen in Deutschland und in den USA zwar verschieden sein, aber John Melin bringt es so auf den Punkt: "Menschen sind Menschen. Egal, wo man ist - man kann überall Freunde finden." Und dass John Melin und seine Frau Cathy in Rannungen sehr viele Freunde gefunden haben, zeigte das große Hallo und die vielen herzlichen Gespräche im Gasthof zur Traube in Rannungen.
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