Münnerstadt
Erzählcafé

Vom Klosterschüler zum Fernseh-Macher

Johannes Bloching amüsiert die Zuhörer mit Anekdoten aus seiner Kindheit und berichtet aus seiner Zeit als Fernseh-Macher.
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Im Erzählcafé: Johannes Bloching
Im Erzählcafé: Johannes Bloching
Draußen zeigte sich der Vor-Frühling von seiner allerschönsten Seite, drinnen im Saale des Hauses St. Michael hatten sich gut hundert Zuhörer eingefunden, und sie konnten geschlagene sechzig Minuten amüsante und interessante Lebenserinnerungen eines echten Mürschter Gewächses in Wort und Bild erleben. "Er war im Jahre 1958 mit mir gemeinsam als Klosterschüler in Fährbrück eingerückt ...", sagte Moderator Eugen Albert.
Bloching amüsierte mit Anekdoten aus seiner Kindheit und Jugendzeit. Etwa, dass er hier, wo sein Vater als Koch arbeitete, also in der ehemaligen Klosterküche, fast mehr zu finden war als zuhause. Dass er in seinem Elternhaus gleich gegenüber der Klosterkirche eine wohlbehütete Kindheit verbrachte und dass man ihm für alle Fälle noch den zweiten Vornamen Maria gegeben hatte. Er verheimlichte Bloching auch nicht dass er, obwohl er oft beim Rosenkranz vorbetete, wöchentlich zur Beichte gehen musste. Gerne erinnert er sich auch an viele deftige Predigten bekannter Patres: "Da ging aber die Post ab!"
Seine Erinnerungen an viele bekannte Ordensleute des Augustinerklosters unterlegte Bloching mit vielen Bild- und Tonaufnahmen aus längst vergangenen Zeiten, sehr zur Freude der Zuhörerschaft. Sein von frühester Kindheit an ausgeprägtes Interesse für Elektronik, Bild und Ton, ("Ich hab überall Leitungen verlegt und alles mögliche angezapft!) hatte sich verselbstständigt, als er mit 14 Jahren die erste Schmalfilm-Kamera bekam. Die Aufnahmen, auch aus seiner frühen Schaffenszeit als Filmemacher, sind noch alle vorhanden.
Bloching berichtete vom Leben in der Klosterkirche und drum herum, warf mit nur Ortsansässigen bekannten Familienbezeichnungen um sich und wusste von seiner Schulzeit nicht nur Gutes zu berichten. "Eigentlich war ich ja ein anständiger Kerl. Und meine Eltern meinten es gut, schickten mich nach Fährbrück (mit elf Jahren, Anm. d. Red.)." Ihre Absicht: "Vielleicht würde ich es ja doch zum Pfarrer bringen. Aber für mich war es ein Albtraum schlechthin." Wen wundert‘s, dass es sein größter Weihnachtswunsch war, nicht mehr dorthin zu müssen.
Nach einigen Jahren im Alten Gymnasium, ebenfalls gegenüber vom Elternhaus, ging's endlich in seinem Sinne weiter. "Ich machte ab 1961 eine Elektronikerlehre bei Siemens, sammelte Erfahrungen in verschiedenen Radio- und Fernseh-Reparaturwerkstätten und hatte auch dort viele heitere Erlebnisse."
Eine tragende Säule im Leben des Johannes Bloching stellt auch das Münnerstädter Heimatspiel dar, bei dem er seit seinem sechsten Lebensjahr aktiv mit dabei war - und gar vierzig Jahre lang als Sänger aus der Rhön auftrat. Auch musikalisch war Bloching aktiv und unterwegs, und zwar mit der eigenen Band "Sound Quintett 66".

Jüngster Absolvent in Bayern

Natürlich war da auch noch der erwählte Beruf: 1970 legte Bloching seine Meisterprüfung in Rundfunk- und Fernsehtechnik ab, als Jüngster in ganz Bayern. Zwei Jahre führte er selbstständig einen Betrieb in Münnerstadt, lernte dann seine spätere Ehefrau kennen, die ihn nach Schweinfurt entführte, wo er 17 Jahre in einem Fachbetrieb tätig war. Dann war er für eine Regionalzeitung in der neuen Sparte Regionalsender tätig, machte sich später erneut selbstständig und baute den Fernsehsender Schweinfurt TV 1 auf. Ein kleines aber feines Studio, hochinteressante Tätigkeiten, aber bald auch übermächtige Konkurrenz eines großen Konzerns. "Doch immerhin habe ich mich, haben wir uns, im Kampf David gegen Goliath 22 Jahre erfolgreich behauptet", meint Bloching.
1994 hatte der Regionalsender acht feste und zehn freie Mitarbeiter und feste Sendezeiten. Viele Künstler und illustre Gäste gehörten zur Kundschaft, auch der heute so populäre Michl Müller hatte laut Bloching sein Sprungbrett bei TV 1 stehen. Mehr als 3000 Produktionen wurden geschaffen, die ganze Familie war integriert: Die beiden Töchter Andrea und Sonja sind als Kamerafrauen tätig. Seit 2005 ist diese Ära bei Blochings vorbei, der Familienbetrieb gab die Sendelizenz zurück. "Und ich bin keineswegs traurig darüber", meint Erzähler Johannes. Man habe sich andere Standbeine geschaffen und Aufgabengebiete erschlossen, sei für Firmen, Universitäten, Kliniken und Kommunen tätig. Ein Veranstaltungsservice und spezieller Geräte-Verleih sorgen für Arbeit und Verdienst, Aufträge zu Image-Filmen seien ein vielfältiges Aufgabengebiet.
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