Münnerstadt
Wirtschaft

Treffpunkt in der Mürschter Innenstadt

 Sonja Johannes expandiert mit ihrem RegioLaden in weitere Räume im "Fränkischen Hof". Es war bereits die zweite Geschäftserweiterung innerhalb von zwei Wochen in Münnerstadt.
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RegioLaden: Martin Kuchler kauft bei Sonja Johannes und Mitarbeiterin Caroline Schwarz ein. Foto: Kilian Trabert
RegioLaden: Martin Kuchler kauft bei Sonja Johannes und Mitarbeiterin Caroline Schwarz ein. Foto: Kilian Trabert
Der "Fränkische Hof" ist voll. Voll wie seit Monaten nicht mehr. Denn mit dem Einzug des RegioLadens erwacht das gesamte Erdgeschoss des frisch renovierten Gebäudes zu neuem Leben. Ein Bekannter bringt noch einen Kleiderständer vorbei: "Schau mal, den können wir noch gebrauchen". Die Angesprochene freut sich, schaut nach einem passenden Platz für die neue Errungenschaft, verteilt Sektgläser und kündigt mit dem Megafon die ersten Reden an.

Kupsch-Schließung als Impuls

Von Hektik ist bei Sonja Johannes keine Spur, im Gegenteil: sie nimmt sich Zeit für ihre Gäste, redet mit allen, lacht laut und herzlich. Und genau das ist es, was die Münnerstädter an ihrem neuen Geschäft sehr zu schätzen gelernt haben. "Der RegioLaden ist ein Ort von Begegnung und Kommunikation, einfach auch von Persönlichem", erklärt die Inhaberin.Dass dieser Ort seit Samstagmorgen bedeutend größer geworden ist, wird in Münnerstadt wohlwollend zur Kenntis genommen. Ist es doch nach der neuen Drogerie im Eisen-Krais bereits die zweite Geschäftserweiterung innerhalb von zwei Wochen.
Selbstverständlich sind solche Expansionen in dem Lauer-städtchen aber noch nicht. Der Impuls für den Laden - damals noch am Marktplatz - sei unter anderem die Schließung des Kupsch-Marktes gewesen, erinnert sich Sonja Johannes. Mit ihrem Geschäft will sie dem Aussterben der Innenstadt, in der die Bürger täglich aufeinandertreffen und sich unterhalten, entgegenwirken. "Die Menschen sollen wieder zueinander finden", erklärt sie ihre Beweggründe. "Dafür investiere ich gerne Energie, denn das ist Mürscht wert".

Schnell gewachsen

Dass dieses Anliegen auch vielen anderen Münnerstädtern wichtig ist - von den zahlreichen ehrenamtlichen Helfern bis hin zu den Mitgliedern von Kaufhaus Mürscht, die unter die Arme greifen - , bekommt die gelernte Ergotherapeutin immer wieder zu spüren. "Das Beispiel soll Schule machen, gemeinsam etwas anzupacken, was alleine unmöglich erscheint". Eine Einstellung, die anzukommen scheint. "Es ist erstaunlich, wie gut und wie schnell das Projekt gewachsen ist", freut sie sich. Das sei nur möglich, weil sich immer mehr Bürger ihrer Verantwortung gegenüber ihrer Stadt bewusst sind.
Dass das Engagement von Sonja Johannes keine Selbstverständlichkeit ist, weiß auch Bürgermeister Helmut Blank. "Für die Belebung der Altstadt ist es für mich so etwas wie ein Leuchtfeuer", sagt er und freut sich. Er selbst sei "Kunde der ersten Stunde", noch als der Laden am Marktplatz zu finden war, sagt Blank. Die Philosophie des RegioLadens sei, dass "mehrere miteinander anpacken, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen", erklärt der Bürgermeister. "Das ist der Wunsch, den wir auch im Stadtrat haben". Dieser gebe "jede Unterstützung, die in unserem Rahmen möglich ist".
Es sei wichtig, dass der Stadtrat solche Bestrebungen unterstützt, greift Wolfgang Joa, zweiter Vorsitzender des Gewerbevereins "Kaufhaus" Mürscht, den Faden auf. "Wir müssen wieder 500 Leute durch die Stadttore bringen, sonst sieht es düster aus", weiß Joa. Hat er doch die Studie des Marktforschungsinstituts GfK im Hinterkopf, die der Münnerstädter Innenstadt eine stark sinkende Kaufkraft prognostiziert. Nach dem Tiefpunkt Schlecker- und Kupsch-Schließung konnte mit der Drogerie und dem RegioLaden als sogenannte Magnet-Betriebe, die Kunden in die Stadt locken, ein Zeichen gegen den Trend gesetzt werden.
Über das Engagement vieler Helfer und "Kaufhaus" Mürscht freut sich auch Martin Kuchler, der selbst mit der Renovierung des Fränkischen Hofs einen Schritt ins Ungewisse gewagt hatte. Aus Erfahrung sagt er: "Man braucht eine Idee, Mut, Standvermögen und Unterstützung. Es war eine "glückliche Fügung", dass der RegioLaden eine neue Bleibe suchte, als sich kein Wirt als Pächter für das Gebäude finden ließ. "Je mehr wir geredet haben, desto begeisterter war ich von dem Konzept".
Wunschlos glücklich ist Sonja Johannes mit ihrem Laden aber noch nicht: "Das Allerschönste wäre, wenn ich den Mitarbeitern mal etwas Geld geben könnte".

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