Maßbach
Naturerlebnis

Streifzug durch heimische Wälder

Die Kinder der Maßbacher Kita begleiteten einen Jäger ins Revier. Sie lernten viel über Rehe, Wildschweine, Waschbären - und ein untergegangenes Dorf.
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Am Lagerfeuer vor Berndt Newigers Jagdhütte endete für die Kinder der Waldkindertag, die sich nach dem über zweistündigen Marsch dort gern aufwärmten. Günter Theinert (rechts) erzählte die Geschichte des untergegangenen Dorfes Stündingshausen. Foto: Dieter Britz
Am Lagerfeuer vor Berndt Newigers Jagdhütte endete für die Kinder der Waldkindertag, die sich nach dem über zweistündigen Marsch dort gern aufwärmten. Günter Theinert (rechts) erzählte die Geschichte des untergegangenen Dorfes Stündingshausen. Foto: Dieter Britz
Sie sind die "schlauen Füchse", und seit Donnerstag sind sie noch ein wenig schlauer. Die Buben und Mädchen der evangelischen Kindertagesstätte Maßbach, die in wenigen Wochen Abschied nehmen und im September in die Grundschule wechseln, waren von Maßbacher Jägern zum schon traditionellen Waldkindertag eingeladen worden. Von Wind und Wetter ließen sie sich keinesfalls abhalten, alle waren mit regendichten Anoraks und mit Gummistiefeln bestens ausgerüstet.


Tour mehr als zwei Stunden lang

Über zwei Stunden lang führte Erich Schneider die Kinder durch den Wald am "Reitberg" und erklärte ihnen alles Wissenswerte. Eine Antwort auf die Frage, was ein Jäger ist, bekam er nicht. Also erklärte er, dass das Schießen das wenigste sei, was die Jäger machen. Im Frühjahr, bevor die Wiesen gemäht werden, holen sie zusammen mit den Bauern die Rehkitze aus dem hohen Gras. In strengen Wintern füttern sie die Rehe mit Apfeltrester und Getreide. Sie versuchen, Wildschäden zu vermeiden und legen so genannte Kirrplätze an, an denen Wildschweine mit Mais angelockt werden, um sie dort abzuschießen.

Auch Waschbären kommen an den Kirrplatz und werden dort abgeschossen, erklärte Erich Schneider. Die putzig aussehenden Tiere würden zum Beispiel Junghasen fressen, Vogelnester plündern und sogar vor Rehkitzen nicht zurückscheuen. Die Buben und Mädchen durften auch eine Kanzel besteigen und von dort auf einen Kirrplatz schauen. Im Wald oder auf Schautafeln zeigte Erich Schneider den Kindern auch Spuren und Fährten von Wildschweinen und Rehen oder Bäume, an denen sich die Wildsauen gewetzt haben.


Der Jäger bläst ins Horn

Nicht nur um die Tiere des Waldes ging es. Erich Schneider erklärte den Kindern die Bäume und betonte, dass die Hecken ein wichtiger Bestandteil des Lebensraumes Waldes sind. Als die Gruppe bei ihrem Rundgang an einigen Farnen vorbeikam, erinnerte er daran, dass diese uralten Pflanzen noch aus der Zeit stammen, als auf der Erde Dinosaurier lebten. Das beeindruckte die Kinder mächtig. "Wir wollen mit diesem Waldkindertag das Bewusstsein der Buben und Mädchen stärken und ihnen die Natur näher bringen, wir wollen ihnen den Lebensraum Wald erklären", sagt Erich Schneider.

"Der Kindern hat es sehr gefallen. Sie sind deshalb oft stehen geblieben, um etwas anzuschauen und sie haben sehr viele Fragen gestellt", ergänzte Carmen Ballnus, die Leiterin der Kindertagesstätte. Auf die Frage, wie es Ihnen gefallen hat, sagten die Kinder wie aus der Pistole geschossen "toll." Der mehr als zweistündige Streifzug durch den Wald endete schließlich an der Jagdhütte von Jagdpächter Berndt Newiger am Rand des Reitwaldes. So ein Marsch macht natürlich hungrig, und deshalb zog schon Bratwurstduft durch den Wald, als die Kinder dort ankamen und am hell lodernden Lagerfeuer konnten sie sich wärmen. Die Bratwürste, die übrigens vom Maßbacher Hofladen Dittmar gespendet wurden, schmeckten allen prima.


Reiter in Vollmondnächten

Nicht zu vergessen: Berndt Newiger hatte nicht nur Jagdhund Toni dabei, sondern auch sein Jagdhorn und blies für die Kinder die wichtigsten Signale von "Aufbruch zur Jagd" über "Sau tot" bis "zum Essen". Auch Günter Theinert war wieder mit von der Partie und erzählte die wahre Geschichte des Dorfes Stündingshausen, das man heute vergeblich auf der Landkarte sucht. Das Dorf lag in der Nähe von Volkershausen und hatte etwa 200 Einwohner. Die Quelle versiegte, die Pest kam, nur eine alte Frau blieb übrig, die das Dorf verkaufen wollte.

Durch Betrug kam Stündingshausen in den Besitz des Bürgermeisters von Ballingshausen. In einem Krieg wurde es völlig zerstört und nie wieder aufgebaut. Nach vielen Jahren kam der Sohn der alten Frau aus der Fremde zurück und suchte vergeblich seine Heimat. Auf der Suche ritt er mit seinem Pferd in der ganzen Gegend herum. Vor einigen Jahren hieß es, dass man den Reiter noch jetzt in Vollmondnächten dort sehen könne. Deshalb werde die Gegend dort "Reitberg", erzählte Günter Theinert den Kindern.

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