Münnerstadt

Schmuckstück am Marktplatz

 Renate und Thomas Kersten haben alte Bausubstanz bewahrt und dafür den "Mürschter Nagel" erhalten. Das Anwesen ist nicht nur von außen ein Blickfang, sondern hat auch innere Werte zu bieten.
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Die Fassade des Fachwerkhauses von Thomas und Renate Kersten.Dieter Britz
Die Fassade des Fachwerkhauses von Thomas und Renate Kersten.Dieter Britz
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Das schmucke Haus am Marktplatz mit der Hausnummer 20 war am Sonntagnachmittag nicht nur mit Blumenkästen, sondern auch mit weißblauen Bayernfahnen besonders schön herausgeputzt. Grund war die Verleihung des "Mürschter Nagels" samt der dazugehörenden Urkunde durch Vertreter des Altstadtvereins an die Hauseigentümer Thomas und Renate Kersten. Sie haben in den vergangenen Jahren aus dem Gebäude, das viele ältere Mürschter noch als Metzgerei Trautner oder später als Metzgerei Kersten kennen, ein wahres Schmuckstück gemacht. Auf der Urkunde heißt es denn auch treffend: "Verliehen als Anerkennung um die Erhaltung und Bewahrung bestehender Bausubstanz".

1740 erstmals erwähnt

Peter Braun, einer der drei Vorsitzenden des Altstadtvereins, freute sich bei der Verleihung des zwölften Mürschter Nagels sehr, dass dieses Haus den ganzen Platz aufwertet. Er merkte aber auch an: "Ich wäre froh, wenn der Marktplatz endlich Marktplatz und kein Parkplatz mehr wäre".
Wann das Haus Marktplatz 20 errichtet wurde, wusste Thomas Kersten nicht zu sagen. In einer Chronik wird es im Jahr 1740 erstmals erwähnt, es dürfte allerdings viel älter sein. Seit 1993 ist es im Besitz von Thomas und Renate Kersten. Drei Jahre später ließen sie erstmals die Fassade renovieren. Jetzt bekam sie nochmals neue Farbe. Erhalten geblieben ist auf der Straßenseite im Erdgeschoss das Schaufenster der ehemaligen Metzgerei mit den hölzernen, gut gepflegten Rahmen.

Nicht unter Denkmalschutz

Heute sind dort allerdings nicht mehr Metzgereiprodukte ausgestellt, sondern es werden Bilder eines Fotoateliers aus Althausen gezeigt. Im Inneren des Hauses waren natürlich viele Umbau- und Sanierungsarbeiten erforderlich, bis aus einer Metzgerei mit ihren Nebenräumen Wohnungen wurden. Im Erdgeschoss wohnen nun auf 120 m² Thomas und Renate Kersten, im Obergeschoss ist eine kleinere Wohnung vermietet. Der Hausherr erwähnte eher am Rande, dass er gar nicht traurig ist, dass das Haus nicht unter Denkmalschutz steht. Das bietet mehr Freiheit bei den Bauarbeiten. Dieses schmucke Haus ist nicht nur eine Zierde für den Marktplatz, es hat auch, ganz wörtlich genommen, viele innere Werte.
In diesem Fall ist es der geräumige Innenhof, den Thomas und Renate Kersten zu einem wahren Refugium ausgebaut haben, mit sehr viel Grün, einem Feigenbaum im Mittelpunkt, Tomatenstöcken an den Hauswänden. Man spürt noch immer, dass auch dieser Teil des Hauses einst Teil eines Handwerksbetriebs war, auch wenn manches, die Wurstküche zum Beispiel, abgerissen wurde und der Freifläche weichen musste.

Elf Kamine

Thomas Kersten sagte, dass der Gebäudekomplex beim Kauf im Jahr 1993 nicht weniger als elf Kamine hatte, von denen jetzt noch sieben erhalten sind. Die Arbeiten an so einem Haus gehen nie zu Ende.
Beim Hinausgehen öffnet Thomas Kersten noch schnell eine Tür zu einem leeren Raum: "Hier war der Kühlraum der Metzgerei. Der muss noch ausgebaut werden, was da reinkommt, weiß ich aber noch nicht."

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