Reichenbach bei Münnerstadt
Bürgerversammlung

Quelle wird nicht versiegelt

Wasser war das beherrschende Thema in Reichenbach.
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Der Dorfbrunnen in Reichenbach wird auch weiterhin aus dem Wasser des ehemaligen Reichenbacher Trinkwasserbrunnens gespeist. Arnold Nöth und Gunda Tüchert wissen, dass das Brauchwasser gut fürs Gießen geeignet ist, weil es kalkarm ist. Foto: Heike Beudert
Der Dorfbrunnen in Reichenbach wird auch weiterhin aus dem Wasser des ehemaligen Reichenbacher Trinkwasserbrunnens gespeist. Arnold Nöth und Gunda Tüchert wissen, dass das Brauchwasser gut fürs Gießen geeignet ist, weil es kalkarm ist. Foto: Heike Beudert
Wenn Ortsbeauftragter Fabian Nöth (Neue Wege) die Hände wäscht oder unter die Dusche geht, dann kommt das dafür notwendige Wasser über den Berg aus Münnerstadt. Sollte es dort einmal Probleme geben, dann gibt es noch eine Not-Wasserleitung von Bad Kissingen nach Münnerstadt. Trotzdem sind größere Teile der Reichenbacher Gemarkung als Wasserschutzgebiet ausgewiesen - verbunden mit den entsprechenden gesetzlichen und behördlichen Vorschriften, Auflagen und Verboten. Deshalb soll das Wasserschutzgebiet nun aufgehoben werden, schlug Bürgermeister Helmut Blank (CSU) in der gut besuchten Bürgerversammlung im Bären-Saal vor.
"Wir sind hier, weil es Anfragen aus der Bevölkerung wegen geplanter baulicher Anlagen im Schutzgebiet gibt", sagte der Bürgermeister. Zwei Fachleute aus dem Wasserwirtschaftsamt Bad Kissingen, Carolin Schmidt und Bernhard Pitschka, waren nach Reichenbach gekommen, um Fragen zu beantworten. Ausführlich erläuterten Helmut Blank und die beiden Gäste aus dem Wasserwirtschaftsamt die Situation. Das Wasserschutzgebiet um die Quellen sei an der falschen Stelle ausgewiesen und nach heutigen Vorschriften viel zu klein. Das eigentliche Wasserentnahmerecht aus dem Jahr 1962 sei im Jahr 2001 ausgelaufen und müsste mit hohen Kosten neu ausgewiesen werden. Stadtrat Back habe schon 2002 beantragt, das Schutzgebiet aufzuheben, da Reichenbach an die zentrale Wasserversorgung angeschlossen sei.

Mischbarkeit ist problematisch

20 000 bis 22 000 m³ Wasser bekommt der Stadtteil pro Jahr aus Münnerstadt. Außerdem sei die Mischbarkeit des Münnerstädter und des Reichenbacher Wassers problematisch. Im Jahr 2007 empfahl der Finanzausschuss, das Schutzgebiet nicht aufzulassen, der Stadtrat stimmte dem zu. Blank wies darauf hin, dass bei Ausweisung einer neuen Schutzzone, die wesentlich größer als die jetzige werden müsste, auch Teile des Ortskerns einbezogen werden müssten mit entsprechenden Problemen und Auflagen für die Grundstücks- und Hauseigentümer. Zum Beispiel müssten Heizöltanks sehr gut gegen Auslaufen gesichert werden. "Nur wenn ich das Schutzgebiet auflöse, kann ich Bauten wie zum Beispiel Garagen zulassen", betonte der Bürgermeister.

Viele Auflagen im Schutzgebiet

Aus dem Publikum wurde die Verlegung des Brunnens, aus dem gar kein Wasser entnommen wird, in die Diskussion gebracht. "Wenn ich von 400 000 Euro Kosten dafür ausgehe, dann muss ich die auf die Wasserversorgung von Münnerstadt umlegen. Wenn ich dafür ein Schutzgebiet ausweisen muss, dann gibt es zum Beispiel neue Auflagen für die Keller", sagte Helmut Blank. "Warum sind Sie so erpicht darauf, das Wasserrecht zu erhalten? Die Leute im Schutzgebiet kriegen Auflagen auf Teufel komm raus. Das Wasser aus Münnerstadt ist billiger", meinte schließlich einer, und dem stimmt offenbar eine große Mehrheit im Saal zu. Die Angelegenheit dürfte deshalb in absehbarer Zeit den Stadtrat beschäftigen, der übrigens mit zahlreichen Mitgliedern einschließlich der beiden stellvertretenden Bürgermeister vertreten war. Blank versicherte noch, dass der Brunnen nicht versiegelt wird und dass Brauchwasser entnommen werden darf. Die Dorfbrunnen werden sowieso aus diesem ehemaligen Trinkwasser-Brunnen gespeist.
Nach dem Rückblick des Ortsbeauftragten Fabian Nöth konnten die Bürger ihren Ärger loswerden und Fragen stellen. Selbstverständlich, dass diverse Schlaglöcher ("hab ich schon voriges Jahr moniert, wurde aber nichts gemacht") und Straßenlaternen den Ärger der Bürger erregen. Beim Hochbehälter liegt ein Riesen-Bulldogreifen, und offenbar weiß niemand, wem er gehört. Zum Thema Breitbandausbau sagte Blank, dass das Thema am 23. Februar in den Stadtrat kommt. Auch das Thema Radweg nach Münnerstadt wurde angesprochen. Dazu müsse erst ein Gesamtkonzept erstellt werden, um die notwendige Förderung von 80 Prozent zu bekommen, sagte der Zweite Bürgermeister Michael Kastl. Es gehe hier allerdings um so genannte "Kernwirtschaftswege", die auch für die Landwirtschaft nutzbar sind. Sie sind 3,50 Meter breit und werden befestigt.

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