Münnerstadt
Haushalt

Parken ist nicht mehr kostenlos

Ab Donnerstag erhebt die Stadt Münnerstadt für rund 70 Parkplätze am Oberen Tor Gebühren. Maximal vier Euro werden pro Tag fällig.
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Bürgermeister Helmut Blank und Uschi Schorler vom Bürgerservice-Büro testen den neuen Parkscheinautomaten.  Foto: Thomas Malz
Bürgermeister Helmut Blank und Uschi Schorler vom Bürgerservice-Büro testen den neuen Parkscheinautomaten. Foto: Thomas Malz
Die Zeit des kostenlosen Parkens ist vorüber. Ab Donnerstag, 1. September, werden für 72 Stellplätze zwischen der Einfahrt zum Parkplatz am Oberen Tor und dem Toilettenhäuschen Gebühren fällig. "Das ist einer von vielen Punkten von Einsparungen der Stadt, damit die Stabilisierungshilfe dauerhaft gesichert ist", erläutert Bürgermeister Helmut Blank (CSU). "Ich bin sehr unglücklich darüber", sagt hingegen der Vorsitzende des Gewerbevereins "Kaufhaus" Mürscht, Arno Reuscher, dazu.


Schon 2015 beschlossen

Die Erhebung von Parkgebühren und die damit verbunden Aufstellung des Parkscheinautomaten geht auf einen Stadtratsbeschluss vom März letzten Jahres zurück, erinnert die Leiterin des Bürgerservice-Büros, Uschi Schorler. Dieser Beschluss beinhaltet auch, dass die restlichen 70 Parkplätze in diesem Bereich sowie alle anderen Parkplätze der Stadt weiterhin gebührenfrei zur Verfügung stehen. "Es war ein Kompromiss mit Kaufhaus Mürscht", meint Helmut Blank. Man habe auf Parkgebühren in der Innenstadt verzichtet, was finanziell für die Stadt weitaus lukrativer gewesen wäre.

Eine Parkgebührenverordnung ist inzwischen auch schon erlassen worden. Die ersten beiden Stunden kosten ein Euro, jede weitere angefangene Stunde ebenfalls ein Euro. Entgeltpflichtiger Benutzerzeitraum ist von Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr und Samstag von 8 bis 14 Uhr. Ein Tagesticket kostet in der Woche vier Euro, am Samstag 2,50 Euro.

Autofahrer, die den gebührenpflichtigen Parkplatz künftig nutzen wollen, sollten genügend Kleingeld einstecken. Denn Wechselgeld rausgeben kann der Automat nicht. Eine Bezahlung per EC-Karte, Kreditkarte oder Handy-Nummer ist ebenfalls nicht drin. Dafür waren die Anschaffungskosten für den solarbetriebenen Automaten mit rund 4400 Euro überschaubar. "Wir müssen erst einmal sehen, wie das angenommen wird", sagt Helmut Blank dazu. Sollte die Nachfrage groß sein, könne der Automat problemlos um weitere Funktionen aufgerüstet werden. Positiv: Der Automat beherrscht vier Sprachen, sodass auch ausländische Besucher der Stadt zurecht kommen.
Das Aufstellen eines Parkscheinautomaten ist eine Sache, die andere ist die Kontrolle. Uschi Schorler und Helmut Blank weisen schon jetzt darauf hin, dass die für den ruhenden Verkehr zuständige Angestellte der Stadt in den nächsten Wochen verstärkt kontrollieren wird. Das gilt sowohl für den neu ausgewiesenen kostenpflichtigen Parkplatz als auch für die Innenstadt, wo zwar gratis geparkt werden kann, die Dauer aber auf zwei Stunden bzw. eine Stunde (Marktplatz) beschränkt ist.


Teil eines Gesmatkonzeptes

Die Parkraumbewirtschaftung sei Teil eines Gesamtkonzeptes zur Haushaltskonsolidierung, erinnert Helmut Blank. Die technische Optimierung der Straßenbeleuchtung, sowie Überprüfungen im Bereich Wasser/Abwasser und eine Anhebung der Friedhofsgebühren gehören ebenfalls dazu. Hintergrund sei die Gewährung von Stabilisierungshilfe von inzwischen 1,3 Millionen Euro, die die Stadt natürlich nicht zurückzahlen möchte. "Wir wollen auch noch vor Oktober einen neuen Antrag auf die Bedarfszuweisung stellen", sagt Helmut Blank.
Ob es bei dem einen gebührenpflichtigen Parkplatz bleibt, lässt der Bürgermeister offen. Der Parkplatz "innere Lache" müsse demnächst ertüchtigt werden, außerdem seien 200 Stellplätze in der äußeren Lache geplant. Der Stadtrat müsse entscheiden, ob auch dort Gebühren erhoben werden.


Gebühr fürs Einkaufen?

Ganz und gar nicht glücklich über die Einführung von Parkgebühren ist Arno Reuscher. Er erinnert an die Kunden der Geschäfte, die sich gerne in dem jetzt kostenpflichtigen Bereich hingestellt haben, wenn sie etwas länger einkaufen wollten. "Die Frage ist, ob wir es uns leisten können, eine Gebühr fürs Einkaufen zu verlangen."

Außerdem werde der Parkplatz gerne von Arbeitnehmern genutzt. Rund 90 Euro müssten diese in Zukunft zahlen, wenn sie ihr Fahrzeug am Oberen Tor abstellen. Normalerweise liege die Gebühr für einen Stellplatz in Münnerstadt bei etwa 25 Euro pro Monat. Arno Reuscher hätte es lieber gesehen, wenn der Stadtrat einem Vorschlag von Klaus Schebler gefolgt wäre, der angeregt hatte, auch am Oberen Tor Stellplätze zum Festpreis anzubieten.



"Ich hoffe, dass es nur eine Testphase ist", sagt der Vorsitzende des Gewerbevereins. Sollte sich das Ganze nicht rechnen, könne der Stadtrat seine Entscheidung rückgängig machen. Es sei ja auch nichts Verwerfliches, wenn aus betriebswirtschaftlichen Gründen ein Beschluss revidiert wird. Er hat wie viele andere Münnerstädter erhebliche Zweifel, dass der gebührenpflichtige Parkplatz überhaupt angenommen wird. Dadurch verstärke sich nur der Parksuchverkehr in der Innenstadt.
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