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Münnerstadt
Musik

Meisterhafte Orgel-Werke

Beim Orgelfestival werden Instrumente präsentiert, die den verschiedensten Epochen angehören. Und auch das Programm ist vielfältig.
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Markus Ritzel (links) und Hans-Bernhard Ruß wussten beim Eröffnungskonzert des 6. Rhöner Orgelsommers in Münnerstadt auf ganzer Linie zu überzeugen - und zwar mit Händen und Füßen.  Foto: Björn Hein
Markus Ritzel (links) und Hans-Bernhard Ruß wussten beim Eröffnungskonzert des 6. Rhöner Orgelsommers in Münnerstadt auf ganzer Linie zu überzeugen - und zwar mit Händen und Füßen. Foto: Björn Hein
Der Rhöner Orgelsommer hat sich in der Region fest etabliert, heuer geht er bereits in die sechste Runde. Er bietet eine Konzertreise zu den schönsten Kirchenorgeln in den Landkreisen Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld und kommt bei den Besuchern sehr gut an. Das Orgelfestival hat es sich zur Aufgabe gemacht, Instrumente zu präsentieren, die den verschiedensten Epochen angehören und in den unterschiedlichsten Kombinationen erklingen sollen. Der künstlerische Leiter des Rhöner Orgelsommers, Regionalkantor Peter Rottmann, hat bei der Auswahl der Instrumente darauf geachtet, dass möglichst viele Baustile und Größen von Orgeln vertreten sind.
Von der kleinen Dorforgel bis hin zur im Raum verteilten Großorgel sind die unterschiedlichsten Typen vertreten, die jedoch alle eines gemeinsam haben: die Klangschönheit. "Sämtliche Konzerte sind inhaltlich so konzipiert, dass sie sowohl den unterschiedlichen Kirchenräumen als auch den Instrumenten vollauf gerecht werden", so Peter Rottmann. Und dass die Programme abwechslungsreich und auch außergewöhnlich sind, zeigte bereits das Eröffnungskonzert des Orgelsommers, das in der Münnerstädter Stadtpfarrkirche zu hören war. Hans-Bernhard Ruß, Würzburger Meisterorganist und Markus Ritzel, Masterstudent der Würzburger Musikschule, brachten Stücke zu Gehör, die die zahlreich erschienen Besucher begeisterten.


Mit Händen und Füßen

Ungewöhnlich war schon die Tatsache, dass beide zur selben Zeit die Orgel spielten, woher auch der Titel des Konzertes "Mit vier Händen und vier Füßen" herrührte. Was den Zuhörern in der nun folgenden Stunde geboten wurde, war eine wahrlich meisterhafte Interpretation von Stücken, die man sonst nicht an der Orgel zu hören bekommt. Hier zeigte sich die Vorliebe des künstlerischen Leiters Peter Rottmann für außergewöhnliche Weisen sowie auch eine gewisse schelmische Freude daran, Stücke, die gar nicht für die Orgel geschrieben wurden, auf dieses Instrument zu bringen.
Und auch die altehrwürdige Klais-Orgel in der Stadtpfarrkirche dürfte nicht schlecht gestaunt haben, welch virtuose Weisen ihre Orgelpfeifen hervorbrachten. Sonst eher den meditativen Klängen zugeneigt, zeigte das altehrwürdige Instrument, dass es auch einmal liebend gerne über die Stränge schlägt und musikalischen Eskapaden nicht abgeneigt ist.
Die alte Dame machte keine schlechte Figur, als beim Bacchanale aus "Samson und Dalila" von Camille Saint-Saëns vier emsige Hände und ebenso viele Füße einen orientalischen Klangteppich in den Kirchenraum zauberten. Die kurze und schnelle Abfolge der Töne, die jedoch stets so lang waren, dass sie dem Klangraum Kirche Rechnung trugen zeigte, wie perfekt beide Organisten nicht nur harmonierten, sondern auch, wie meisterlich sie ihr Instrument beherrschten. Flötenähnliche Klänge wirkten in ihrer Exotik besonders reizvoll, die gefühlvoll gespielten Basstöne machten den ganzen Raum zum Klangkörper. Das ganze Stück zeugte von der Quirligkeit und Lebenslust des Orients und zeigte, welch große Klangvielfalt eine Orgel zu produzieren imstande ist.


Großer Kontrast

Einen großen Kontrast zur Agilität dieses Stückes bot dann "Der Schwan" aus "Der Karneval der Tiere". Majestätisch, fast schreitend war die Weise, die dennoch leicht war und auf der Orgel gespielt einen ganz besonderen Reiz entfaltete.
Die Nussknacker-Suite von Pjotr Iljitsch Tschaikowski ist wohl jedem ein Begriff - doch diese an der Orgel zu hören ist eine eher seltene Gelegenheit. Hans-Bernhard Ruß und Markus Ritzel verstanden es, diese dort ebenso elegant wie filigran zu interpretieren, was durch den Hall in der Kirche nicht leicht war. Mit ihrem großen Können umschifften beide Organisten allerdings solche klanglichen Untiefen und verstanden es, jeden Ton so sauber und präzise zu setzen, dass das Stück auch auf der Orgel ein echter Hörgenuss war und dem Original in nichts nachstand, auch nicht in seiner Filigranität.
Beim Tanz der Zuckerfee zeigten beide die ganze Bandbreite der Orgel, welche natürlich auch die glockenspielartigen Passagen perfekt zu interpretieren wusste. Vor Lebenslust nur so strotzend kam der Trepak, der russische Tanz daher, der Arabische Tanz erhielt durch das Spiel auf der altehrwürdigen Orgel neben seiner melancholischen Grundtendenz einen majestätischen Touch, so dass es gelang, dem Stück eine neue Nuance hinzuzufügen.


Erstaunliche Vielfalt

Witzig natürlich der Chinesische Tanz, ganz wie im Original, wo die hohen Töne von tiefen begleitenden Klängen vorwärts getrieben wurden - prädestiniert hierfür war selbstverständlich die Orgel. Überhaupt verstanden es die Organisten, die bereits unglaublich große Vielfalt des Originals um eigene Facetten zu erweitern. Der feierliche Abschluss der Suite kam mit dem "Blumenwalzer", was außergewöhnlich war - wann darf eine Kirchenorgel schon einmal einen Walzer spielen. Doch auch diese schien Spaß an dieser verschmitzten Weise zu haben.
Dass auch die Orgel Sambarhythmen nicht abgeneigt ist, zeigte der "Tico Tico Samba" von Liselotte Kunkel. Man musste schon etwas schmunzeln, wenn man überlegt, dass die Orgel sonst eher gesetzte Weisen spielt, wohingegen dieses Stück vor südamerikanischer Lebensfreude nur so strotzte.


Neue Facetten

Zum Abschluss wurde die "Carmen Ouverture" gespielt, dessen stark akzentuierten Töne das Publikum mitrissen. Tosender Applaus und stehende Ovationen zeigten, dass dieses "Experiment" dem Publikum außerordentlich gut gefallen hatte. Peter Rottmann hatte sich für das Eröffnungskonzert etwas ganz besonderes einfallen lassen, das die Orgelmusik um viele neue Facetten und Eindrücke erweiterte und zeigte. Natürlich durfte die Zugabe in Form des erneut gespielten Trepaks nicht fehlen, welcher ganz die Essenz dieses wunderbaren Konzerts atmete.


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