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Münnerstadt
Stadtrat

Keine Bewegung beim Hallenbad

Unter großem öffentlichen Interesse trafen elf der Münnerstädter Stadträte erneut eine Entscheidung gegen eine Aussetzung des Abriss-Beschlusses und die Aufstellung eines Kostenvergleichs. Zehn Räte waren wieder dafür.
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Mehr als 40 Zuhörer verfolgten die Stadtratssitzung. Teilweise mussten sie stehen.  Foto: Thomas Malz
Mehr als 40 Zuhörer verfolgten die Stadtratssitzung. Teilweise mussten sie stehen. Foto: Thomas Malz
Alles umsonst. Mit zehn zu elf Stimmen hat die knappe Mehrheit des Stadtrats die Beschlussvorschläge aus einer eigens dafür anberaumten Bürgerversammlung abgeschmettert. Damit bleibt alles beim Alten. Es wird also keinen Kostenvergleich zwischen der Sanierung des Hallenbades und dessen Abriss mit Wiederherstellung des Geländes einschließlich Neubau eines Lehrschwimmbades geben. Der bereits gefällte Abrissbeschluss wird auch nicht ausgesetzt. Dabei ist es fraglich, ob der tatsächlich so schnell durchgeführt werden kann. Dem stehen steuerrechtliche Erwägungen bezüglich des möglichen Neubaus eines Lehrschwimmbades und vor allem die offensichtlich erheblichen Kosten wegen der Schadstoffbelastung entgegen.


Mehrere Anträge

Bürgermeister Helmut Blank (CSU) ging kurz auf die Bürgerversammlung zum Thema "Erhalt des Münnerstädter Hallenbades" ein, für deren Durchführung 942 gültige Stimmen abgegeben worden waren. Neben dem bei der Versammlung durch Wilhelm Schmitt abgegebenen Antrag auf Aussetzung des Abrisses und Aufstellung des Kostenvergleichs, hatte Dr. Diethard Alzheimer mehrere Anträge abgegeben, darunter die Generalsanierung als Doppelübungsstätte.
Der Bürgermeister erinnerte an das Haushaltskonsolidierungskonzept, das einstimmig beschlossen worden war und Einsparungen in Höhe von jährlich 170 000 Euro durch das Nichtbetreiben des Hallenbades vorsehe. "Sollten Sie heute zu einer anderen Entscheidung kommen, als das, was wir im Haushaltskonsolidierungskonzept beschlossen haben, dann wird unsere Haushaltskonsolidierung zu überarbeiten sein", mahnte er und erinnerte an die bereits geflossenen 1,3 Millionen Euro an Bedarfszuweisungen.
Leo Pfennig (fraktionslos/CSU) konnte sich nicht erinnern so einen Beschluss zum Hallenbad mit getragen zu haben. Helmut Blank gab zu, dass es sich um den Grundsatzbeschluss zum Haushaltskonsolidierungskonzept gehandelt habe, über die einzelnen Punkte sei nicht abgestimmt worden. Er habe einfach darauf hingewiesen, dass das Haushhaltskonsolidierungskonzept zu überarbeiten sein wird, meinte der Bürgermeister. Da gab ihm Dieter Petsch (Forum aktiv) zwar Recht, die Regierung sage aber eindeutig, dass Maßnahmen gegen die demografische Entwicklung getätigt werden können. Dazu gehöre das Hallenbad.


Satz abgebrochen

Leo Pfennig war noch mit der Aussage des Bürgermeisters zu dem Beschluss beschäftigt. "Sie haben uns falsch informiert, ich halte das für eine echte..." Mehr sagte er nicht, obwohl ihn der Bürgermeister dazu ermunterte.
Dieter Petsch appellierte an Helmut Blank, für die Gegenüberstellung der Kosten zwischen Sanierung und Abriss mit Neugestaltung sowie Lehrschwimmbad zu stimmen. Das unterstreiche doch seine Glaubwürdigkeit in punkto Lehrschwimmbad. "Das ist ein respektabler Versuch, mich auf die andere Seite zu ziehen", gestand der Bürgermeister ein. Aber er blieb dabei. Der Abriss des Hallenbades und der Neubau eines Lehrschwimmbades seien zwei verschiedene Sachen.
In Bezug auf ein vorgelegtes Gutachten und zur Schadstoffbelastung meinte Leo Pfennig: "Das ist doch alles unseriös." Er wunderte sich, dass der Sanierungsbeauftragte Dag Schröder zur Sitzung geladen war. Nur, um Fragen zu beantworten, versicherte Helmut Blank.


Blick nach Wildflecken

2. Bürgermeister Michael Kastl (CSU) trug vor, warum auch er gegen die Anträge stimmen werde. Die Entscheidung für den Abriss vor einem Jahr sei "hart und unbequem" gewesen. Für die Befürworter des Abrisses sei nicht entscheidend, was man sich wünscht, sondern was sich tatsächlich machen lässt. Michael Kastl zollte den Bürgern, die sich für das Hallenbad einsetzen, Respekt. Aber die Schadstoffbelastung spreche für den Abriss. Er blickte nach Wildflecken, wo der Abriss des dortigen Bades ebenfalls beschlossen ist. Es scheine durchaus wünschenswert, weiter ein Hallenbad am Karlsberg zu haben, aber die Aussicht auf Sanierung des über fünf Jahre leerstehenden Bades sei denkbar schlecht. "Die Entscheidung für den Abriss ist daher aufrecht zu erhalten und nunmehr zeitnah umzusetzen", betonte der 2. Bürgermeister. Auch Klaus Schebler (Neue Wege) kündigte an, dass seine Fraktion gegen die Anträge stimmen werde.
Leo Pfennig brachte das von Helmut Blank favorisierte Lehrschwimmbad noch einmal ins Gespräch. Es sei erfreulich, dass der Bürgermeister anerkenne, dass Münnerstadt ein Schwimmbad braucht, auch um den Schulstandort zu stärken. Jetzt brauche man doch einfach nur die beiden Varianten zu vergleichen und das könnten die Stadtratsmitglieder Axel Knauff (SPD) und Georg Heymann (CSU) tun, die in ihren jeweiligen Firmen Führungspositionen inne haben. "Können wir uns den Abriss überhaupt leisten?", stellte er in den Raum und fragte nach genauen Zahlen. Die bekomme er heute nicht, meinte der Bürgermeister. Bekannt ist allerdings bereits, dass die ursprüngliche Summe von rund 200 000 Euro nicht mehr aktuell ist. Inzwischen wird von 800 000 Euro und mehr ausgegangen. "Wir ergehen uns in Spekulationen", fand Rosina Eckert (Forum aktiv) und Andreas Trägner (Freie Wähler) appellierte noch einmal an die Stadtratskollegen, diesmal anders abzustimmen. Doch Georg Heymann CSU) gab die Linie bereits vor. Auch im Hinblick auf die laufenden Kosten könne sich die Stadt das Hallenbad einfach nicht leisten.


Ein letzter Trumpf

Einen Trumpf hatte Leo Pfennig noch im Ärmel: Wenn der Bürgermeister ein Lehrschwimmbad wolle, dann dürfe er aus steuerlichen Gründen das Hallenbad nicht abreißen, bevor mit dem neuen Bad zumindest begonnen wurde. Er werde doch wohl nicht noch mögliche steuerlicher Vorteile verschleudern. "Wenn Sie es ernst meinen, lassen Sie das Hallenbad stehen." Zum ersten Mal bekam Leo Pfennig bestätigt, dass er mit den steuerlichen Vorteilen Recht hat. Die Verwaltung werde das berücksichtigen, hieß es. Axel Knauff äußerte noch einmal erhebliche Zweifel an der Schadstoffbelastung, aber auch das brachte nichts mehr. Bei namentlicher Abstimmung wurden sämtliche Anträge mit zehn zu elf Stimmen abgeschmettert.

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