Münnerstadt

In Münnerstadt den Organisten einmal von vorne sehen

Peter Rottmann berichtet über seinen ersten Auftritt, und wie er als Messdiener den Organisten vertrat. In einer evangelischen Kirche erhielt er Unterricht.
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Peter Rottmann hat als Organist einen Ruf weit über die Stadtgrenzen von Münnerstadt hinaus. Beim Erzählcafé im Seniorenzentrum St. Elisabeth lernten die Zuhörer hinter dem Kirchenmusiker auch den Menschen kennen.  Foto: Dieter Britz
Peter Rottmann hat als Organist einen Ruf weit über die Stadtgrenzen von Münnerstadt hinaus. Beim Erzählcafé im Seniorenzentrum St. Elisabeth lernten die Zuhörer hinter dem Kirchenmusiker auch den Menschen kennen. Foto: Dieter Britz
Konzerte mit Peter Rottmann an der Klais-Orgel in der Pfarrkirche St. Maria Magdalena zählen heute zu den kulturellen Höhepunkten in Münnerstadt und darüber hinaus. Doch sein Empfang in der Stadt im Jahr 1988 war mehr als frostig. Drei Jahre dauerte es, bis der von der Erzdiözese neu ernannte Regionalkantor auf der Orgelbank von St. Maria Magdalena Platz nehmen konnte und als Kantor für die Kirchenmusik verantwortlich zeichnete.

Nun konnte Baldur Kolb ihn als Gast im Erzählcafé des Seniorenzentrums St. Elisabeth begrüßen. Die Zuhörer erlebten ihn einmal Auge in Auge. Wenn er Orgel spielt, sehen ihn die Gottesdienst- oder Konzertbesucher gar nicht, und wenn er den Chor dirigiert, dann dreht er ihnen, wie jeder andere Dirigent auch, den Rücken zu.
"Man hört mich, das ist wichtiger. Ich mache Musik zur Ehre Gottes, das ist für mich gelebter Glaube", bekannte Rottmann gleich zu Beginn.

Geboren wurde er in Elversberg im Saarland. Als er neun Jahre alt war, kaufte der Vater ein altes, völlig verstimmtes und technisch unzulängliches Klavier aus einer Wirtschaft. "Ich habe das Klavier gesehen, die ersten Töne gespielt und wusste, das ist mein Instrument", schilderte er den Start seiner musikalischen Karriere. Ein Musikstudent gab ihm den ersten Klavierunterricht. Als nach drei Jahren das alte Instrument endgültig erledigt war, investierte sein Vater 3720 Deutsche Mark (DM), die eigentlich für ein neues Auto bestimmt waren, in ein neues Klavier: "Dafür bin ich ihm heute noch sehr dankbar."


Zitternd wie Epenlaub

Das Klavierspielen gefiel ihm so sehr, dass man ihn abends vom Instrument wegreißen musste. Schon mit zwölf Jahren gab er sein erstes öffentliches Klavierkonzert. "Ich ging zitternd wie Espenlaub auf die Bühne, doch dann fiel die Anspannung ab." Die Schule allerdings war eine Katastrophe für ihn, erfuhren seine Zuhörer. Sein Vater wollte ihn aufs Gymnasium schicken, doch der Klassenlehrer meinte, der Bub sei noch nicht dazu geeignet. Also machte er den Hauptschulabschluss und über den Umweg der Handelsschule, der höheren Handelsschule und des Wirtschaftsgymnasiums schaffte er dann doch das Abitur, das er als Eintrittskarte für das Musikstudium brauchte.

Im Kinderchor diente er sich hoch bis zum ersten Sopran. Mit 17 Jahren leitete er seinen ersten Männerchor und hatte 40 Männer voll im Griff. Nach sieben Jahren war Rottmann Ehrendirigent des Chores. Kirchennah aufgewachsen, war Peter Rottmann natürlich Messdiener. Er bewunderte den Organisten. Als der einmal wegen Krankheit ausfiel, musste er ihn vertreten, was allerdings nicht so recht klappte, denn er spielte das Lied "Danke für diesen guten Morgen" um einiges zu schnell, und der Pfarrer ermahnte ihn deshalb "Bitte drisch das Lied nit so unter." Rottmann ließ sich nicht entmutigen und wollte Orgelunterricht nehmen, doch der viel beschäftigte Regionalkantor hätte erst nach zwei Jahren Zeit für ihn gehabt.

Deshalb bekam er Unterricht in einer evangelischen Kirche und dort spielte er auch erstmals in einem Gottesdienst. In einer neu gebauten Kirche in einem Nachbarort konnte er an der Orgel üben, so oft er wollte - "in der eigenen Gemeinde war mir das verboten, da ich besser als der Organist war".

1980 bestand er gleich an mehreren Musikhochschulen die Aufnahmeprüfung. Er entschied sich für Saarbrücken, da das Elternhaus in der Nähe war und studierte an der Staatlichen Musikhochschule. Er beendete seine Ausbildung mit dem Staatsexamen im Hauptfach Klavier und dem A-Examen sowie der Konzertreifeprüfung im Fach Orgel.Sein Studium finanzierte er als Chorleiter und mit Unterricht. Nach einem neunmonatigen Aufenthalt in Paris stellte sich die Frage, wo er wirken sollte. Er hatte Angebote, nach Hamburg, München oder Unterfranken zu gehen.


Pfarrer schlägt Tür vor Nase zu

Beim Bewerbungsgespräch 1987 bekam er die Stelle als Regionalkantor und die Zusage "in Münnerstadt können Sie Orgel spielen und den Chor leiten". Er fuhr hierher, war überwältigt von der Kirche, die ihm wie ein Dom vorkam, begeistert vom Städtchen mit seinen Fachwerkhäusern. Und die Klais-Orgel "ist der absolute Traum." Die Ernüchterung folgte auf dem Fuße. Dass er Organist und Chorleiter in Münnerstadt werden sollte, hatte die Diözese nicht mit der Pfarrer abgesprochen. Der wusste von nichts und schlug ihm die Tür vor der Nase zu, als er am 1. April 1988 am Pfarrhaus klingelte. Doch am 1. Dezember 1991 konnte er zusammen mit Pater Edelbert den ersten Gottesdienst gestalten.

Er ist in all den Jahren "begeistert von den Menschen, von der Orgel, von der Stadt, von der Kirche" geblieben. Heute ist er nicht nur Regionalkantor und Verantwortlicher für die Kirchenmusik in St. Maria Magdalena, sondern Leiter des Regionalzentrums für Kirchenmusik in Bad Kissingen und Orgelsachverständiger. Er hat den "Bad Kissinger Orgelzyklus" gegründet und ist Organisator und künstlerischer Leiter der Konzertreihe "Klangraum Stadtpfarrkirche Münnerstadt" und des "Rhöner Orgelsommer."

Er hatte nach seinem Vortrag Zeit, Fragen zu beantworten. Was sein schönstes Orgel-Erlebnis war? Einmal hat er auf der größten Orgel der Welt im Passauer Dom gespielt und ein andermal "nachts um halb eins volle Kanne auf der Orgel in Notre-Dame in Paris 'gebrättert'."
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