Münnerstadt
Unglaublich

"Guerilla-Krieg" im Blumenbeet

Unbekannte werfen immer wieder Samen in die von den Bauhof- Mitarbeitern gepflegten Grünanlagen. Für Bürgermeister Helmut Blank ist das kein Spaß.
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Bauhofleiter Stefan Sluzar zeigt Erde eines Blumenbeetes, in das wieder einmal Samen geworfen wurde. Ein Spaß ist das weder für ihn noch für Bürgermeister Helmut Blank.  Foto: Thomas Malz
Bauhofleiter Stefan Sluzar zeigt Erde eines Blumenbeetes, in das wieder einmal Samen geworfen wurde. Ein Spaß ist das weder für ihn noch für Bürgermeister Helmut Blank. Foto: Thomas Malz
Ein Bürgermeister einer Kleinstadt mit elf Stadtteilen, einem großen Berg Schulden und noch größeren Aufgaben, die zu bewältigen sind, gibt es sicherlich wichtigeres zu tun, als sich um Blumenbeete zu kümmern. Deshalb stinkt die ganze Sache dem Stadtoberhaupt gewaltig. Seit Wochen finden sich immer wieder Samen (auch Vogelfutter) in großer Menge in den Blumenrabatten, die von den Bauhofmit arbeitern gepflegt werden. Die anwachsenden so genannten Unkräuter müssen dann wieder entfernt werden, was zusätzliche Arbeit macht. Und eigentlich sind nur zwei der Bauhofmitarbeiter für die Pflege der Beetflächen zuständig. Sie kommen kaum noch rum. "Wenn jemand meint, unsere Leute arbeiten zu wenig, dem kann ich versichern, unser Bautrupp ist mehr als überlastet", betont der Bürgermeister, der wenig Verständnis für solcherlei "Späße" hat.

Neuer Samen nach Erdaustausch

"In regelmäßigen Abständen sollte ein Bodenaustausch erfolgen", erklärt Bauhofleiter Stefan Sluzar. Das haben die Mitarbeiter Oliver Büttner und Anatolij Syrovatski in den Blumenbeeten auch vor einiger Zeit getan. "Dadurch ist es erst einmal richtig aufgefallen", so der Bauhofleiter. "Zwei, drei Tage später war alles voll Samen." Das dürfte dann auch der Grund für ein Problem gewesen sein, dass es schon vorher gab: Übermäßiges Wachstum von Unkräutern.

Spritzen geht nicht

Inzwischen hat sich die Lage verschärft: "Seit letztem Jahr dürfen wir nicht mehr spritzen", erklärt Stefan Sluzar. Weil ein entsprechender Vertrag ausgelaufen ist, können die Bauhofmitarbeiter kein Gift mehr zur Unkrautbekämpfung einsetzen. Das muss nun aufwändig mit der Hand entfernt werden. Wenn dann noch zusätzlich Unkraut-Samen in die Beete geworfen wird, müssen die Bauhofarbeiter aller 14 Tage ran. Eigentlich ist das nicht mehr zu leisten. Und wenn dann doch das Unkraut sprießt, gibt es Beschwerden, weiß der Bürgermeister zu berichten. "Wir haben wenige Helfer aber viele Kontrolleure", betont er.
Stefan Sluzar nennt noch ein Beispiel, wo sich das Spritzverbot negativ auswirkt. Der Stadtmauerweg sei früher ein ordentlicher Kiesweg gewesen. Inzwischen müssen die Bauhofarbeiter dem an den Seiten wachsenden Gras mit dem Rasenmäher zu Leibe rücken. Ans Entfernen des Grases ist aus Zeitgründen gar nicht zu denken.

Es fehlt an Technik

Und so bleibt Bürgermeister Helmut Blank nur der Appell an die Vernunft der Bürger, die den Samen ausgebracht haben. Der Bauhof habe wirklich genug zu tun. "Vor allem, weil wegen der finanziellen Lage der Stadt die technische Ausstattung sehr ungenügend ist", so der Bürgermeister, der Stefan Sluzar ein ganz besonderes Lob ausspricht. "Mit dem Wenigen was er hat machen er und seine Mannschaft eine hervorragende Arbeit."
Mit Blick auf die Blumenbeete gibt der Bauhofleiter dieses Lob gerne an die beiden Gärtner Oliver Büttner und Anatolij Syrovatski weiter. Die Unkräuter sind nur ein Problem, mit dem die beiden zu kämpfen haben. Trotz der aufgestellten Hundestationen greifen die beiden Männer immer wieder einmal in Hundekot. Zigarettenkippen, Müll und ausgerissene Blumen machen ihre Arbeit auch nicht leichter.
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