Münnerstadt

Geheimnishüter seit 50 Jahren

Otto Reuscher ist seit einem halben Jahrhundert Feld- geschworener. Der 91-Jährige kann sich noch gut an seine Vereidigung erinnern.
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Otto Reuscher, Konrad Unsleber und Josef Reichert (von links) betrachten die alte Flurkarte, dahinter Bürgermeister Helmut Blank.  Foto: Malz
Otto Reuscher, Konrad Unsleber und Josef Reichert (von links) betrachten die alte Flurkarte, dahinter Bürgermeister Helmut Blank. Foto: Malz
Das ist dem Leiter des Bad Kissinger Vermessungsamtes, Konrad Unsleber, auch noch nicht allzu oft passiert. "50 Jahre sind relativ selten", sagt er. Genau genommen ist es fast 51 Jahre her, als der Münnerstädter Otto Reuscher als Feldgeschworener vereidigt wurde. "Das war im Büro von Landrat Hofmann", erinnert er sich noch heute. Weil Feldgeschworene Voraussetzungen erfüllen müssen, die auch ein gewisses Alter beinhalten, sind solche Jubiläen eher selten. Und so überbrachte Konrad Unsleber eine Urkunde von Heimatminister Markus Söder. Bürgermeister Helmut Blank (CSU) hatte auch eine Urkunde und Geschenke mitgebracht.

Ehrenamt auf Lebenszeit

"Es ist ein Ehrenamt auf Lebenszeit", erläuterte Konrad Unsleber bei einer kleinen Feier im Seniorenzentrum St. Elisabeth. Es sei besonders zu würdigen, dass sich Otto Reuscher so lange für das Gemeinwohl eingesetzt habe. Die Geschichte der Grenzverwalter und Grenzhüter in Franken gehe auf das 15. Jahrhundert zurück. Und die Voraussetzungen von damals gelten noch heute: Ein Feldgeschworener muss einen einwandfreien Leumund haben, er darf nicht streitsüchtig sein und muss in der Gemeinde angesehen sein, damit er als Vermittler bei Streit unter Nachbarn auftreten kann. Als Geschenk hatte Konrad Unsleber noch die Nachbildung einer alten Flurkarte von Münnerstadt mitgebracht.
Bürgermeister Helmut Blank bedankte sich ebenso wie Kreisobmann Josef Reichert bei Otto Reuscher für die vielen Jahre ehrenamtliche Tätigkeit und Edith Kolb. Vorsitzende des Heimbeirates im St. Elisabeth, betonte, dass sie stolz auf so einen Mitbewohner sei. Die Auszeichnung habe er zu Recht bekommen.

Grenzstein verschwunden

Auf die Nachfrage unserer Zeitung, ob Otto Reuscher auch mal einen heftigen Streit zwischen Nachbarn schlichten musste, schüttelte er den Kopf. Gut in Erinnerung geblieben ist ihm aber beispielsweise ein Gang auf der Gemarkungsgrenze zwischen Münnerstadt und Poppenlauer, bei dem das Fehlen eines Grenzsteines festgestellt wurde, den die Feldgschworenen danach ersetzten. Durch Zufall haben sie den verschwundenen Stein ein Jahr später in einer Gaststätte wieder entdeckt. Wie Josef Reichert hinzufügte, sind besonders die alten Grenzsteine des Deutschen Ordens mit der entsprechenden Kennzeichnung oft in den Kofferräumen von Souvenir-Jägern verschwunden.
Besonders viel zu tun haben die Feldgeschworenen immer bei Flurneuordungen oder beispielsweise beim Ausweisen neuer Baugebiete.
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