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Münnerstadt
Grenzöffnung

Freundschaft hält seit 25 Jahren

Die Familien Albert aus Münnerstadt und Pohland aus Untermaßfeld haben sich kurz nach Öffnung der innerdeutschen Grenze kennengelernt und treffen sich auch noch heute.
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Anneliese und Eugen Albert, Rolf und Elke Pohland (v.l.) schauen sich Fotos an, die ihre 25 Jahre währende Freundschaft dokumentieren.  Foto: Malz
Anneliese und Eugen Albert, Rolf und Elke Pohland (v.l.) schauen sich Fotos an, die ihre 25 Jahre währende Freundschaft dokumentieren. Foto: Malz
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Die Euphorie war groß. In den aufregenden Tagen nach Öffnung der Grenze haben sich Tausende Menschen aus Ost und West in den Armen gelegen, alte Kontakte erneuert oder neue Freundschaften geknüpft. Über die alte Beziehung zweier Gesangsvereine haben sich auch die Familie Albert aus Münnerstadt und die Familie Pohland aus Untermaßfeld kennen gelernt. Im Gegensatz zu manchen intensiv begonnenen Freundschaften, die es heute nicht mehr gibt, haben sich die beiden Familien immer nur zu besonderen Anlässen getroffen. "Wir wollten das nicht so eng, wie manche, die jedes Wochenende zusammen verbracht haben", sagt Anneliese Albert. "Dafür ist es jedes Mal ein Highlight." Und dafür hält die Freundschaft auch schon 25 Jahre.

Wo alles begann

Angefangen hat alles schon in der Mitte des 20. Jahrhunderts. Die Wege der gesangsfreudigen Brüder Rudi und Paul Wiesner trennten sich, Paul sang bei der Liedertafel Untermaßfeld, Rudi Wiesner bei der Liedertafel Münnerstadt. Die Chöre freundeten sich an, es gab gegenseitige Besuche, selbst dann noch, als der "Eiserne Vorhang" sich immer mehr zuzog. 1956 waren die Lauerstädter noch einmal zu Besuch an der Werra. "Der Gegenbesuch wurde nicht mehr erlaubt", sagt Rolf Pohland. "Es gab aber die ganzen Jahre briefliche Kontakte." Als dann im Jahr 1989 die Mauer fiel, kam ganz schnell die Frage auf: Wollen wir das Ganze nicht wieder aufleben lassen? Sie wollten - und so nahm die Geschichte ihren Lauf.
Für Anneliese und Eugen Albert beginnt sie am 21. Dezember 1989 in der Münnerstädter Gaststätte Hubert Mangold, wo vier Mitglieder der Liedertafel Untermaßfeld zu Gast waren. Eugen Albert - er war damals Rektor der Volksschule in Nüdlingen - ging hin, weil er die Untermaßfelder bitten wollte, Kontakte zu Lehrern aus Thüringen herzustellen. Den gewünschten Kontakt bekam er noch an diesem Tag. Denn der mitgereiste Untermaßfelder Karnevalspräsident Rolf Pohland war Lehrer in Obermaßfeld, noch heute unterrichtet er in Hessen.
Nur drei Tage später, am 24. Dezember 1989, statteten die Alberts mit allen drei Kindern im Gepäck den neuen Bekannten in Untermaßfeld einen Gegenbesuch ab. "Es war der erste Tag, an dem wir kein Visum brauchten und es hat in Strömen geregnet", erinnert sich Anneliese Albert. Sie waren einer Einladung gefolgt. "Wir haben doch Begrüßungsgeld bekommen und konnten nichts als Gegenleistung geben", begründet Rolf Pohland die Einladung. Deshalb haben die Untermaßfelder Geld gesammelt und die neuen Bekannten aus Unterfranken eingeladen zu Bratwurst, Kuchen und Getränken. Der Chor hat unter der Linde gesungen, sogar die Kirchenglocken haben geläutet. Ein unvergesslicher Tag.
Elke Pohland wird ihn auch nicht vergessen. Denn sie war nicht bei den Feierlichkeiten dabei, sie war daheim mit den Weihnachtsvorbereitungen beschäftigt und nicht gerade auf Gäste eingestellt, als Rolf Pohland die gesamte Familie Albert mit nachhause brachte.

Ein Spiel wird der Renner

Der Anfang war gemacht, es folgten Kontakte auf allen Ebenen, beruflich, familiär und bei den gemeinsamen Hobbys. Die Kinder der Alberts beispielsweise hatten das Spiel "Deutschlandreise" mit nach Untermaßfeld genommen. "Das war der Renner", erinnert sich Eugen Albert. Denn die thüringer Kinder kannten die Städte in Westdeutschland bis dahin kaum oder gar nicht.
Schon am 13. Januar 1990 kam eine Abordnung von 13 Lehrern der Schule in Obermaßfeld nach Münnerstadt, um an einer Veranstaltung des BLLV im Fränkischen Hof teilzunehmen. Eugen Albert und Rolf Pohland organisierten Spiele der Schulmannschaften aus Untermaßfeld und Nüdlingen und die einmal im Jahr stattfindenden Spiele der Alten Herrn Waldfenster (von dort stammt Eugen Albert und dort spielte er damals) und Untermaßfeld, wo Rolf Pohland kickte. "Die dritte Halbzeit war immer die längste", schwärmt er noch heute, womit natürlich das Treffen in der Gastwirtschaft nach dem Spiel gemeint ist.

Der Baum der Einheit

Am 2. Oktober 1990 (der 3. Oktober war erstmals Feiertag) pflanzten Schüler und Lehrer aus Nüdlingen und Untermaßfeld den "Baum der Einheit". Eugen Albert muss heute noch lächeln, wenn er sich daran erinnert, dass die Nüdlinger damals den Text des Deutschlandliedes kopiert und ausgeteilt haben, damit die Nationalhymne auch von den neuen Freunden aus Untermaßfeld mitgesungen werden kann.
Sechs Jahre später war Eugen Albert nicht mehr Rektor der Volksschule in Nüdlingen sondern Bürgermeister von Münnerstadt. Und was hat Rolf Pohland in dieser Zeit gemacht? Er war stellvertretender Bürgermeister von Untermaßfeld.
Die beiden Ehepaare könnten stundenlang von ihren gemeinsamen Erlebnissen erzählen. Der Stoff würde nicht ausgehen. Interessant ist vor allem, wie ähnlich sie sich in so vielen Bereichen sind.
Unvergessen sind die gemeinsamen Feiern. Bei runden Geburtstagen haben sie sich getroffen, aber auch bei Kommunion, Jugendweihe und Hochzeiten der Kinder.

Zur Hochzeit nach Franken

Besonders in Erinnerung geblieben ist die Hochzeit von Sven Pohland im Sommer 2006. Die gesamte Hochzeitsgesellschaft machte sich auf den Weg von Untermaßfeld nach Münnerstadt. "Es waren etliche Wagen", sagt Elke Pohland. Auf der Autobahn musste der Konvoi erst einmal einen Parkplatz ansteuern, weil sich der Blumenstrauß, der auf der Motorhaube des Brautpaares befestigt war, gelockert hatte. Glücklich in Münnerstadt angekommen, nahm Bürgermeister Eugen Albert die Trauung vor. Samt der Familie Albert ging es dann wieder zurück nach Untermaßfeld, wo die Hochzeit gefeiert wurde. "Es war sehr emotional und sehr warm", erinnert sich Eugen Albert an diesen Tag. Sven Pohland, der auch seine Metzgerlehre in Münnerstadt absolviert hat, lebt inzwischen mit seiner Frau in Kanada.

Treffen zum Jahreswechsel

Auch wenn es keine großen Feste gab - einmal pro Jahr haben sich die beiden Familien immer getroffen: Zwischen Weihnachten und Dreikönig. Und das tun sie noch immer. Geplant ist ein gemeinsamer Urlaub. Das ist aber derzeit nicht so einfach, weil die Pohlands noch berufstätig sind. Rolf Pohland arbeitet als Lehrer und Elke Pohland beim Landratsamt in in Benshein (Bergstraße). Aber bald gehen auch sie in den Ruhestand, in dem die Alberts schon sind. Dann wird es ganz sicher einmal eine gemeinsame Fahrt geben.
Auch wenn die Freundschaft weiter Bestand haben wird, schon jetzt ist klar, dass die beiden Familien ihren Beitrag zur Einheit geleistet haben.

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