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Reichenbach bei Münnerstadt
Glaube

Eine kleine Feier mit Gott

Seit drei Jahren bietet der Reichenbacher Pfarrgemeinderatsvorsitzende Claus Schmitt die Berg-Zeit in der Kirchenruine Michelsberg an.
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Claus und Agnes Schmitt bei einer der ersten Berg-Zeiten vor drei Jahren. Foto: Archiv/Heike Beudert
Claus und Agnes Schmitt bei einer der ersten Berg-Zeiten vor drei Jahren. Foto: Archiv/Heike Beudert
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70, 80 Leute sind immer da. "Es waren auch schon über 120", sagt der Reichenbacher Pfarrgemeinderatsvorsitzende Claus Schmitt. Die Besucher kommen auch nicht nur aus den umliegenden Dörfern auf den Michelsberg. Selbst aus Hammelburg reisen sie zur "Berg-Zeit" in der Kirchenruine auf dem Michelsberg an. Am kommenden Sonntag, 18. Juni, werden Menschen mit und ohne Behinderungen von der Werkstatt der Lebenshilfe Nüdlingen die Andacht gestalten. Mit dabei die Veehharfengruppe, dessen Mitglieder sich intensiv vorbereitet haben.


Immer größere Pfarreien

Claus Schmitt verweist auf die Pastoral 2030, nachdem es im Altlandkreis Bad Kissingen am Ende nur noch drei Pfarreien geben soll. Er hat erhebliche Zweifel, dass der Pfarrer dann überhaupt noch jedes Mitglied seiner Gemeinde kennt. "Die Jugend fühlt sich nicht angesprochen", meint er. Viele finden sich wieder, deshalb sei die Kirche, wie sie ist ja auch richtig. Aber es sind eben nicht alle und den anderen möchten er und seine Mitstreiter bewusst etwas anderes anbieten. Das sind die sechs Berg-Zeiten, die es jedes Jahr auf dem Michelsberg gibt.


"Du bist einmalig"

"Jedes Jahr wird ein großes Thema festgelegt", erläutert der Pfarrgemeinderatsvorsitzende. Heuer sind es Persönlichkeiten aus der Bibel, weshalb das Jahresthema "Du bist einmalig" heißt. Bewusst wird auf Predigt und Eucharistiefeier und auch auf die Anwesenheit eines Pfarrers verzichtet. "Es gibt immer Musik und einen Text und manchmal auch Meditation." Die meisten Andachten gestaltet Claus Schmitt selbst, aber auch andere Mitstreiter kommen zum Zug. So hat kürzlich Paul Ankenbauer eine Andacht gestaltet und am kommenden Sonntag wird es die Werkstatt für Menschen mit Behinderungen in Nüdlingen sein. Johannes der Täufer ist die Persönlichkeit aus der Bibel, die im Mittelpunkt steht.


Von Anfang an dabei

In der Werkstatt in Nüdlingen bereiten sich die Musiker der Veehharfengruppe intensiv auf die Andacht vor. Seit 2003 besteht die Gruppe, die von Rosemarie Schmitt und Sonja Eußner geleitet wird. "Wir waren von Anfang an bei der Berg-Zeit dabei", sagt Sonja Eußner. Etwa 20 Auftritte hat die Gruppe im Jahr. Einige Stücke haben sie eigens für die Berg-Zeit am Sonntag neu eingespielt. Und sie haben sich Verstärkung geholt: Lea Müller wird zu einigen Stücken singen. Sie war auch schon bei den Proben dabei.
Sechs Menschen mit und vier ohne Behinderung bilden die Veehharfenfgruppe. Aber das macht für die Betreuer überhaupt keinen Unterschied. "Eigentlich haben wir alle einen Schuss. Aber man sieht es nicht allen an", meint Rosemarie Schmitt. "Jeder redet von Inklusion, wir machen sie." Und: So wie ein Mensch sei, so dürfe er bei ihnen auch sein.


Bei jedem Wetter

Um 18 Uhr beginnt die Berg-Zeit am Sonntag. "80 bis 90 Prozent der Besucher laufen hoch und genießen die Natur", weiß Claus Schmitt. Gästen, die nicht ganz so gut zu Fuß sind, rät er, das Auto am Thoraxzentrum Unterfranken abzustellen und den ausgeschilderten Wanderweg in Richtung Reichenbach zur Kirchenruine zu nehmen. Die Berg-Zeiten finden bei jedem Wetter statt.
"Es steckt schon viel Zeit dahinter", sagt Claus Schmitt. Aber das Feedback, das er von den Besuchern bekommt, entschädigt ihn für den Aufwand. Und so ist die Frage, ob es auch in Zukunft Berg-Zeiten geben wird, überflüssig. Claus Schmitt hat nach neuen Wegen gesucht und er hat sie auch gefunden.

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