Münnerstadt
Kultur

Ein Festival der Nach-Hippie-Zeit

Beim Münnerstädter Stadtfest im Juli gibt eszwei Jubiläen. Erstmals stand 1986 eine Bühne auf dem Anger und der Trödelmarkt wurde geboren.
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Das akzente-Team von 1986 brachte zum Stadtfest zwei Neuerungen, die bis heute aktuell sind: Die Musikbühne auf dem Anger und den Original Mürschter Trödelmarkt. Fotos: Archiv/Heike Beudert
Das akzente-Team von 1986 brachte zum Stadtfest zwei Neuerungen, die bis heute aktuell sind: Die Musikbühne auf dem Anger und den Original Mürschter Trödelmarkt. Fotos: Archiv/Heike Beudert
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Das Stadtfest "Musik und Märkte" ist zu einem Markenzeichen für Münnerstadt geworden. Hartmut Hessel ist ein bisschen stolz darauf, dass er zusammen mit dem "akzente"-Team der Museumsfreunde als Vater dieser Institution gelten darf. Vor 30 Jahren, erinnert er sich, stand zum ersten Mal eine große Musikbühne auf dem Anger, und vor 30 Jahren lief zum Stadtfest das erste Mal der Original Mürschter Trödelmarkt.
Auch beim Stadtfest 2016 wird der Anger wieder der zentrale Punkt des Stadtfestes sein. 1986 war der Hauptact des Festes auf der Bühne am Anger Ina Deter, ein Star der Neuen Deutschen Welle, und als Vorband Jan Kaveh mit Band, eine Formation aus der Region. Weitere Musik und Angebote gab es auf mehreren Bühnen in der Altstadt - damals ein Novum, und das nicht nur in Münnerstadt. Hartmut Hessel glaubt, dass das "akzente"-Team damals vielen künftigen Stadtfesten in der Region ein Vorbild war. Hartmut Hessel schwärmt von der Atmosphäre in der ganzen Stadt.
150 Helfer, erzählt er, waren im Einsatz. Die Sperrung der Altstadt war eine Geschichte für sich. Es hat noch keine Entlastungsstraße gegeben, der gesamte Verkehr wurde durch die engen altstadtnahen Straßen geschleust. Unterstützung durch die Stadt habe es kaum gegeben, meint Hessel. "Die Stadt war eher eine Bremse." Vom Bauhof wurden Schilder, Schaufeln und Besen gestellt. Im Nachhinein habe es einen finanziellen Zuschuss von der Stadt gegeben, ebenso vom Landkreis.


Zeiten waren anders

Es seien andere Zeiten gewesen, resümiert Hartmut Hessel. Alles sei noch lockerer gewesen, die Auflagen weniger. "Man hatte die Möglichkeit zum Improvisieren. Es war "ein bisschen Nach-Hippie-Zeit", sagt Hessel. Security habe man damals noch nicht gebraucht.
Schade findet Hartmut Hessel, dass der unterfränkische Kunsthandwerkermarkt die Jahrzehnte nicht überdauert hat. Zehn Jahre gab es ihn nach seiner Premiere 1986 noch. Dann war seine Zeit vorbei. Dafür gibt es den Trödelmarkt bis heute - und viel größer als er damals in den Anfängen war.


Infiziert vom Flohmarktvirus

Als Jugendlicher hat Peter Braun, der heutige Organisator des Mürschter Trödelmarktes, das Stadtfest 1986 miterlebt.Er kann sich noch gut erinnern an den Auftritt von Ina Deter. Den Trödelmarkt hat er damals als Passant besucht. Flohmärkte haben ihn schon als 17-Jährigen fasziniert. "Einmal infiziert, immer infiziert", sagt er. Mittlerweile ist Peter Braun im 15. Jahr Organisator des Mürschter Trödelmarktes und freut sich, dass der Markt weiterhin so gefragt ist. Es gebe immer noch richtige Schnäppchen zu machen, meint er. Der Kontakt zu den Marktleuten ist eng. Sein Resümee: "Wir sind eine richtige Flohmarktfamilie."


Das Risiko hat sich gelohnt

Finanziell war das Stadtfest im Jahr 1986 nur schwer zu stemmen. Nur das Abendkonzert kostete Eintritt. Der Rest der Veranstaltungen war frei. Es hat noch ein paar weitere Veranstaltungen benötigt, um wieder in den schwarzen Zahlen zu stehen, erinnert sich Hessel. Das Risiko habe sich trotzdem gelohnt. Heute, glaubt er, sei es schwieriger, ein solches Event zu wagen. Er ist froh, dass es weiterhin ein Stadtfest gibt.


Die richtige Balance

Das findet auch Inge Bulheller, die Leiterin des Kommunalunternehmens "KulTourisMus", das seit einigen Jahren Veranstalter von "Musik und Märkte" ist. Sie glaubt, heuer wieder die richtige Balance im Programm gefunden zu haben. Auch die Musikvereine seien auf die Tage verteilt wieder ins Programm eingebaut. Das Stadtfest vor 30 Jahren hat die Brünnerin noch nicht miterlebt. "Da habe ich in München gelebt". Aber sie hat schon viel davon gehört.
Die Entscheidung, am Stadtfest - anders als vor 30 Jahren - nur mit einer Bühne am Anger zu agieren, hält sie für richtig. Sie schwärmt vom Anger als idealen Platz für solche Veranstaltungen. Da ist sie sich mit Hartmut Hessel einig.

Das Stadtfestprogramm 2016:

Wann
Das Stadfest "Musik und Märkte" findet heuer von Freitag, 8., bis Sonntag, 10. Juli, statt.

Freitag 18.30 Uhr Bieranstich am Anger mit der Jugendblaskapelle Großwenkheim; 20 Uhr Hot Oven and the Briketts".
Samstag Stenayer Platz: High-Heel-Wettbewerb (14 bis 17 Uhr); Anger: Seniorennachmittag mit dem Musikverein Fridritt und dem Sängerkranz Reichenbach. 18 Uhr Mürschter Young-stars treten auf; 20 Uhr "Luckys Good Stuff".
Sonntag Anger: 10.30 Uhr Frühschoppen und Weißwurstfrühstück mit der Stadtkapelle; 12.30 Uhr musikalische Unterhaltung durch die Musikvereine Burghausen und Kleinwenkheim; ab 16 Uhr musikalischer Ausklang mit dem Duo "Con Brio".
Außerdem am Sonntag: Markttreiben in der Innenstadt, Fahrgeschäfte am Marktplatz, Original Mürschter Trödelmarkt rund um die Finstere Gasse und Klostergasse. Die Familienbücherei im Jugendzentrum feiert am Samstag und Sonntag ihr 70-Jähriges mit Flohmarkt und Kaffeebetrieb im Jugendzentrum.
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