Großwenkheim
Sammelleidenschaft

Drei Bücher gegen das Vergessen

Aus seinen mehr als 53.000 Feldpostbriefen hat Erich Fries schwergewichtige Zeitdokumente erstellt. Der Inhalt geht unter die Haut.
Artikel drucken Artikel einbetten
Stolze 2620 Gramm bringen die drei Bücher von Erich Fries auf die Waage. Foto: Anton Then
Stolze 2620 Gramm bringen die drei Bücher von Erich Fries auf die Waage. Foto: Anton Then
"Eigentlich wollte ich bei 50 000 Feldpostbriefen aufhören", sagt der Großwenkheimer Erich Fries. Seine Zielvorgabe hielt der passionierte Sammler nicht ein. Der Reiz war einfach doch zu groß, und inzwischen besitzt er 53 500 Feldpostbriefe. "Ich erhalte aber stets neue, und da kann ich nicht widerstehen", meint er schmunzelnd. Aus dem umfangreichen Material erstellte Fries in den letzten Monaten drei Bücher.

Ein Buch befasst sich mit dem Kriegseinsatz von Otto Schwing aus Wermerichshausen. Dessen inzwischen 88-jährige Schwester Edeltraud Ganse, die im Raum Würzburg lebt, hörte im Januar 2013 den Rundfunkbeitrag über die Stalingrad-Ausstellung von Erich Fries in Münnerstadt und nahm Kontakt zu ihm auf. "Im Herbst 2013 übergab mir Frau Ganse alle Belege, die sie noch über den Kriegseinsatz ihres Bruders Otto hatte", so Fries.

Seit 1943 vermisst

Wie er herausfand, war Otto Schwing der einzige Soldat aus Wermerichshausen, der bei der 12. Kompanie des Panzerregiments Nummer 24 war. Dieses unterstand der 24. Panzerdivision, die von September 1942 bis Januar 1943 in Stalingrad kämpfte und dort vernichtet wurde. Otto Schwing gilt seit 1. Januar 1943 als vermisst. Anhand der zahlreichen Originaldokumente erstellte Fries in rund 120 Stunden ein 77-seitiges Buch. Abzüge bekamen Edeltraud Ganse, Fridolin Weigand zur Einsicht für die Einwohner von Wermerichshausen und das Stadtarchiv in Münnerstadt.

Mit 230 Seiten fiel das Buch über den Kriegseinsatz und die Gefangenschaft des Großwenkheimers Euchar Balling deutlich umfangreicher aus. Auf rund 300 Stunden beziffert Fries seine Arbeitszeit. Ebenfalls im Herbst 2013 erhielt Fries von Theresia Schlembach, der Tochter von Euchar Balling, eine Holzkiste. "Die stand viele Jahre in der Scheune und musste erst einmal entstaubt werden", sagt Fries. Gefüllt war die Kiste mit Feldpostbriefen, Kriegsgefangenenkarten und Briefen vom Feld in die Heimat und mit schriftlichen Kontakten von Ehefrau Magdalena, den Eltern, Verwandten und den Brüdern Raimund und Engelhard ins Feld.

Kriegsfotos vergrößert

Die vielen Kriegsfotos von Euchar Balling vergrößerte Fries für das Buch auf DIN A4 Format. Etwa ein Drittel des Buches sind Briefe und Karten von Euchar Balling aus der Gefangenschaft in Ille et Vilaine bei Rennes in Westfrankreich, wo er bei einem Bauern als Kriegsgefangener bis zum 30. Januar 1948 arbeitete. Euchar Balling ist am 26. August 1995 in Großwenkheim verstorben. Von diesem Buch erstellte Fries, wie in allen Fällen, auf eigene Kosten zehn Exemplare. Eines befindet sich inzwischen ebenfalls im Stadtarchiv.

Über mehrere Jahre erstreckte sich die Arbeit, bis das dritte Buch über die Gefallenen der Gemeinde Großwenkheim von 1719 bis 1919 mit insgesamt 210 Seiten fertig war. Vom ersten urkundlich erwähnten Soldaten, der 1719 in Spanien fiel, bis zum Ende des 1. Weltkriegs listet Fries alle in den verschiedenen Kriegen gefallenen Soldaten auf. Vom 1. Weltkrieg sind 33 Großwenkheimer nicht mehr nach Hause gekommen, da sie entweder gefallen sind oder als vermisst gelten.

Fast alle Sterbebilder

Fries hat von fast allen zwischen 1914 und 1918 verstorbenen Soldaten die Sterbebilder oder andere Angaben zusammengestellt. Von einigen sind auch die Feldpostbriefe abgedruckt und die Friedhöfe angeführt, auf denen sie beerdigt sind.

Die enorme ehrenamtliche Arbeit nur für diese drei Bücher verdeutlichen einige Zahlen: 517 Seiten, 2620 Gramm Gewicht und viele, viele Stunden. Die sehr umfangreiche, akribisch genau sortierte Feldpostsammlung von Erich Fries ist bundesweit anerkannt. Überregionale Ausstellungen bis nach Dresden, Berichte im Fernsehen, Rundfunk und der Presse verdeutlichen die große Bedeutung. "Manchmal ist bei der Arbeit Eile geboten", sagt Fries, "denn die Zahl der Zeitzeugen nimmt rapide ab."

Arbeit habe er noch für viele Jahre, da er immer wieder Dokumente erhalte oder über das Internet selbst Nachforschungen anstelle und Feldpostbriefe erwerbe. Die nächsten Bücher hat der aus Burglauer stammende 63-jährige Rentner auch schon in Arbeit.

Bei Interesse würde Fries weitere Exemplare von den drei angeführten Büchern zum Selbstkostenpreis erstellen.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren