Münnerstadt

Die Heimat mit dem Rad erkunden

Nachdem er schon ferne Länder bereist hat, ist der Filmemacher Maximilian Semsch nun in Deutschland unterwegs.
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Museumsleiter Björn Hein (hinten rechts) führt Maximilian Semsch (vorne) und Thomas Eckert durch die Stadtpfarrkirche.  Foto: Kilian Trabert
Museumsleiter Björn Hein (hinten rechts) führt Maximilian Semsch (vorne) und Thomas Eckert durch die Stadtpfarrkirche. Foto: Kilian Trabert
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Die Lauerstadt war am vergangenen Wochenende Gastgeber für den Deutschen, der wohl am meisten Zeit auf dem Fahrradsattel verbringt. Der Münchner Abenteurer und Filmemacher Maximilian Semsch - sein zweirädriger Begleiter führte ihn bereits nach Singapur und rund um Australien - tourt fünf Monate durch alle 16 Bundesländer, in Münnerstadt wurde er eine Nacht von Tanja und Ralf Verholen aufgenommen. Zuvor gab es eine Stadtführung mit Museumsleiter Björn Hein und Bürgermeister Helmut Blank (CSU) - Kamera und Mikrofon immer griffbereit.
1000 Kilometer hatte Maximilian Semsch auf seinem E-Bike schon hinter sich, bevor er an das Rathaustor klopfte. Geplant war der Zwischenstopp zu Beginn der Reise nicht. "Ich will nicht mit dem Reiseführer in der Hand die touristischen Hotspots abklappern", erklärt der Abenteurer. Er will, dass ihm die Menschen in der Region ihre Heimat zeigen, er will das Lebensgefühl in Deutschland einfangen.


Plan ist aufgegangen

Interessierte können den 32-Jährigen in den sozialen Medien unter dem Hashtag #MaxSchauMal oder per Mail anschreiben. Egal ob Übernachtungsangebot, die Frage, ob man ihn eine zeitlang auf den Rad begleiten kann, Tipps für den besten Radweg oder kuriose Geschichten über die eigene Region, "ich bin für alles dankbar", erzählt Maximilian Semsch. Der Plan ging auf: Zahlreiche Menschen haben ihm bereits geholfen und ihn in ihre Heimat eingeladen. "Es läuft wesentlich besser als ich es mir erträumt habe", freut sich Maximilian. "Niemand kennt eine Region besser als die Menschen, die dort leben, sie haben oft ein unglaubliches Wissen". Begegnungen, die ihm in Erinnerung bleiben: Er treffe ganz unterschiedliche Persönlichkeiten, "egal ob Tierarzt, Koch oder Student".
Zwei von diesen Helfern sind die Kleinwenkheimer Tanja und Ralf Verholen. Als Telekom-Mitarbeiter - das Unternehmen ist einer der Sponsoren der Reise - kennt Ralf Verholen Maximilian Semsch schon etwas länger und hat es sich nicht nehmen lassen, ihn nach Münnerstadt einzuladen. Mit seinem Kollegen Thomas Eckert hat er den Abenteurer ein paar Kilometer nach Münnerstadt begleitet. Dort warteten schon Bürgermeister Helmut Blank, Kultourismus-Chefin Inge Bulheller und Museumsleiter Björn Hein, um dem E-Biker die Stadt zu zeigen.


Fränkische Bratwürste

Besonders die prachtvoll glänzende Ausstattung der Klosterkirche und Münnerstadts heimliches Wahrzeichen - der Riemenschneideraltar in der Stadtpfarrkirche - hatten es dem Filmemacher angetan. Nachdem auch die Talkirche und das altehrwürdige Kloster Maria Bildhausen sorgfältig abgelichtet waren, ging es zurück nach Kleinwenkheim, wo bereits - wie sollte es anders sein? - fränkische Bratwürste in der Pfanne brutzelten.
Deftige Speisen - ein Genuss, den Maximilian nicht zum ersten Mal auf dieser Reise zu schmecken bekommt. "Gerade hier in Bayern habe ich gefühlt mehr zugenommen als abgenommen", lacht er. "Es ist faszinierend wie gastfreundlich die Menschen sind". Nur zwei Nächte hat er auf seiner bisher rund zweiwöchigen Tour im Zelt verbracht. Das Gefühl, in der freien Natur zu übernachten kennt er aber gut.


Von München nach Singapur

16 000 Kilometer hat er einmal rund um Australien zurückgelegt, 13 500 Kilometer radelte er von München nach Singapur. Entdeckt hat er seine Leidenschaft mit 21 Jahren auf einer Weltreise. Dort reiste er oft hunderte Kilometer mit Bus und Bahn - bis es ihm schließlich zu langweilig wurde. "Ich wollte eine individuelle und kostengünstige Alternative", erinnert er sich. In China hat er sich dann ein Rad gekauft - "ohne Gangschaltung, 35 Kilo schwer und ich ohne Ahnung". Damit hat er sein Glück gefunden: "Es ist die Suche nach Freiheit ohne auf jemanden angewiesen zu sein".
50 000 Kilometer weit hat sie ihn schon geführt, nur nach Deutschland noch nicht - bis jetzt: Er wollte mehr von seiner Heimat kennen lernen. "Hier gibt es das beste Radnetzwerk, Deutschland hat alles was ein Radfahrer haben will."


Kalorien verbrennen

Nicht nur die eigene Neugier und die Zweirad-Leidenschaft, sondern auch das Ziel, den Mitmenschen das Radfahren und E-Biking näher zu bringen, treiben den Münchner dazu, sich in den Sattel zu schwingen. "Bevor ihr all-inclusive nach Ägypten fliegt, schnappt euch ein Fahrrad und erkundet eure Region", rät Maximilian Semsch. Gleichzeitig räumt er mit einem alten Klischee über Elektro-Räder auf: "Nach zwei Wochen spüre ich meine Oberschenkel schon ziemlich". Wer ihm nicht glaube, dass man trotz E-Bike dennoch viele Kalorien verbrennt, könne gerne auf seinem Messgerät nachschauen, lacht er. Er kann jedem, der noch zwischen Roller und Co. und Elektrorad schwankt nur zu Letzterem raten: " Es ist immer noch Bewegung, immer noch Sport, und man kommt trotzdem ohne zu Schwitzen bei der Arbeit an".


Weiter nach Thüringen

Sein eigener zweirädriger Begleiter trug ihn naschließendweiter nach Thüringen. "Bei meinem Programm habe ich wenig Zeit die Füße hochzulegen, es melden sich so viele Menschen bei mir, die mir ihre Region zeigen wollen", erklärt Maximilian. 16 Stunden ist er täglich auf den Beinen - beziehungsweise auf den Rädern. Für ihn ist die Reise beides, Freiheit und Beruf. "Das ist mein absoluter Traumjob", schwärmt der Filmemacher und Reisefotograf. Rund viereinhalb Monate ist er noch unterwegs, ein halbes Jahr später soll dann der Film über die Reise fertig gestellt sein. Und vielleicht sind darin dann auch ein paar Minuten über Münnerstadt und die fränkischen Bratwürste der Verholens zu finden. Maximilian Semschs Reiseblog und viele Bilder sind unter www.what-a-trip.de abrufbar.

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