Wermerichshausen

Das Erbe der Väter wird gepflegt

Einst war Wermerichshausen ein Dorf der Steinmetze. Wer aufmerksam durchs Dorf und die umgebende Flur geht, sieht das an den Denkmälern. Sie zu erhalten, ist ein Ziel der Ortsgemeinschaft. Das Frühlingsfest leistet dazu einen Beitrag.
Artikel drucken Artikel einbetten
Wermerichshäuser Handwerkszeug wird im Dachboden der alten Schule ausgestellt. Foto: Björn Hein
Wermerichshäuser Handwerkszeug wird im Dachboden der alten Schule ausgestellt. Foto: Björn Hein
+6 Bilder
Der kleine Münnerstädter Stadtteil Wermerichshausen hat eine großes Kulturerbe. Zahlreiche Bildstöcke und Flurdenkmäler gibt es im und rund um das Dorf. Die Ortsgemeinschaft bemüht sich , diese auch für die nächsten Generationen zu bewahren. Der Reinerlös des Frühlingsfestes, das vom Obst- und Gartenbauverein, von der Freiwilligen Feuerwehr sowie vom Schützenverein durchgeführt wurde, ist deshalb zur Pflege und Erhaltung der Denkmäler bestimmt, die das Ortsbild und die Flur von Wermerichshausen prägen.
Auf einem Denkmalrundgang konnte man vieles darüber erfahren, warum es gerade in diesem kleinen Ort so viele zahlreiche Denkmäler gibt. "Wir haben hier sehr viele Sandsteinvorkommen", wusste Fridolin Weigand. Er vermittelte gemeinsam mit Erich Pretscher den Besuchern die Historie des Ortes. "Zeitweilig waren drei Steinbrüche in Betrieb, auch Bildhausen hatte hier einen Steinbruch", so der Hobby-Historiker.
Sogar beim Residenzbau in Würzburg seien Sandsteine aus Wermerichshausen verarbeitet worden. "Der Vorteil des Materials ist seine leichte Bearbeitbarkeit, der Nachteil ist, dass es relativ weich ist und Lehmeinschlüsse aufweist" , erläuterte Erich Pretscher. Dies sei auch der Grund, warum Sandsteindenkmäler immer wieder restauriert werden müssen.

Steinmetze mit Kunstsinn

Bis in die 1970er Jahre hinein wurde hier Sandstein abgebaut. Doch wurde in Wermerichshausen nicht nur der Stein von Steinmetzen gebrochen, sondern diese waren oft als Bildhauer tätig und hinterließen diese Kunstwerke, wie sie andernorts nur selten zu finden sind.
Begibt man sich auf den Rundgang, so sieht man, was die damaligen Bildhauer alles zu leisten im Stande waren. Selbst die Torbögen des imposanten Pfarrhauses, das im Volksmund auch "der Vatikan" genannt wird, sind filigran gemeißelt, was zeigt, dass man hier auf die Optik großen Wert legte.
Ein echter Hingucker ist das hohe Wegkreuz aus Sandstein, das so genannte "Schulkreuz". "Das Kreuz und der Korpus sind aus einem Stück gearbeitet" so Fridolin Weigand.
1752 ist es entstanden und zeigt, dass sich die Künstler hier einiges zutrauten. Ein falscher Schlag, ein Stück abgebrochenen Steines und das ganze Werk hätte von neuem begonnen werden müssen. "Solche Stücke sind sehr selten und Zeugen von großem handwerklichen Können" meint Erich Pretscher.

Neues Projekt geplant

Überhaupt begegnet dem Besucher in Wermerichshausen auf Schritt und Tritt sakrale Kunst. "Uns Wermerichshäusern liegt der Erhalt dieser Denkmäler sehr am Herzen" so Fridolin Weigand, weshalb man große Anstrengungen unternimmt, um schadhafte Objekte zu restaurieren. Die Kreuzwegstationen wurden für viel Geld 2011 wieder hergerichtet. "Heuer soll die Kreuzigungsgruppe renoviert werden", führt Erich Pretscher aus. Im Rahmen einer Fotoausstellung über die Wermerichshäuser Kreuze und Bildstöcke konnten sich die Besucher beim Frühlingsfest ein Bild davon machen, wie reich man hier an sakraler Kunst ist.

Museale Ausstellung

Wer sich für das Leben von damals interessierte, konnte die Dauerausstellung "Leben in früherer Zeit" im Dachboden des Schulgebäudes besuchen. Hier haben Elisabeth Lenhardt und ihr Team viele interessante Gegenstände zusammengetragen. Unter anderem sieht man zahlreiche Werkzeuge, mit denen man damals den Sandstein bearbeitete. "Für das Steinebrechen und das Zuhauen war ein gewaltiger Kraftaufwand nötig", so Lenhardt. Aber auch Werkzeuge anderer Handwerker, die damals hier tätig waren, sind zu sehen.

Klassenzimmer eingerichtet

Einen Einblick in den Schulalltag gewährt das originalgetreu nachempfundene Klassenzimmer. "Mit unserer Ausstellung wollen wir erreichen, dass das damalige Leben auch von heutigen Generationen nachempfunden werden kann", meint Elisabeth Lenhardt, die mit ihrem Team die Ausstellung ehrenamtlich betreibt. 2011 wurde die Dauerausstellung eröffnet, seitdem sind immer wieder Gegenstände dazugekommen.
In der alten Schule hatte Erich Fries aus Großwenkheim zudem zahlreiche Dokumente von Otto Schwing ausgestellt, einem Soldaten, der seit 1943 in Stalingrad vermisst wird. Anhand von vielen Unterlagen konnte man das Leben, aber auch die Gedanken des Wehrmachtssoldaten nachvollziehen und wurde so für die Schrecken sensibilisiert, die der Zweite Weltkrieg für die Beteiligten bedeutete.

Musik und Tanz

Neben den Ausstellungen und Führungen war für das leibliche Wohl und die Unterhaltung beim Frühlingsfest bestens gesorgt. Der Schützenverein Wannigtal Wermerichshausen bot für Interessierte ein Lichtgewehrschießen an, wer wollte, konnte auf dem Pferderücken einen kleinen Rundritt unternehmen. Der Jugendchor hatte unter Annemarie Kreuzer einen Auftritt. Die Volkstanzgruppe führte Tänze vor.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren