Poppenlauer

Bürger diskutieren über Ortskern

Die Poppenläurer fordern eine Möglichkeit, Lebensmittel einzukaufen. Einige schlagen den Abriss des alten Rathauses vor, andere haben Ideen für eine neue Nutzung.
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Mit Bürgermeister Matthias Klement: Poppenläurer Bürger beschäftigen sich mit der Zukunft ihres Ortskerns. Foto: Dieter Britz
Mit Bürgermeister Matthias Klement: Poppenläurer Bürger beschäftigen sich mit der Zukunft ihres Ortskerns. Foto: Dieter Britz
Muss sich Bürgermeister Matthias Klement (CSU) für seine Sprechstunden in Poppenlauer bald einen neuen Raum suchen? Wenn es nach der Meinung einiger Bürger geht, wird das alte Rathaus irgendwann abgerissen, da es ihrer Meinung nach schlichtweg nicht mehr gebraucht wird und nur noch Geld kostet. Andere Bürger allerdings haben vielfältige Ideen für eine neue Nutzung.
Die Zukunft dieses Gebäudes sowie die Funktion und Neugestaltung des Ortskerns standen im Mittelpunkt eines Bürger-Workshops mit dem Veitshöchheimer Stadtplaner Bertram Wegner und dessen Mitarbeiterin Cornelia Seifert. Außerdem wünschen sich die Bürger ganz dringend wieder einen Laden in ihrem Dorf und einen Biergarten am Dorfplatz.
Bürgermeister Klement ermunterte die etwa 60 Bürger, die in die Aula der Grundschule gekommen waren, zu einer offenen Diskussion: "Es gibt keine Utopien heute, jeder kann alles vorbringen." Das ließen sich die Bürger nicht zweimal sagen. Bertram Wegner stellte schon die Weichen für die folgende Gruppen-Diskussion: "Wie stellen Sie sich die Ortsmitte vor, die Zukunft der Gaststätten, das Thema Dorfplatz an sich? Was passiert mit dem alten Rathaus? Wie bekommen wir wieder eine Lebensmittelversorgung?" In der Ortsmitte gebe es wenig Freiraum, zum Beispiel für einen Markt oder für Sitzgelegenheiten für Ruhesuchende, ergänzte Cornelia Seifert.
Zahlreiche Vorschläge gab es zum Punkt "Rathaus". Sie reichten vom bereits erwähnten Abriss bis zum Generationen-Treff, einer Gemeinde-Außenstelle, einer Einrichtung für die Tagespflege von Senioren mit Mittagessen-Angebot für Senioren, einem Seniorenwohnheim, Betreutem Wohnen, einem Künstlerhaus, einer Erweiterung des Museums und schließlich dem Verkauf an private Interessenten.
"Wenn wir das Rathaus abreißen, haben wir irgendwann gar nichts mehr im Ort", kritisierte ein Bürger. Besonders wichtig ist den Bürgern, dass sie wieder eine Einkaufsmöglichkeit für Lebensmittel in ihrem Dorf bekommen. Dafür bietet sich der alte Schlecker-Laden an. Dort sollte möglichst auch ein kleines Café oder Ähnliches als Treffpunkt integriert sein, denn "wir müssen auf den Friedhof gehen, damit wir mal jemand sehen", stellte eine Frau fest, "so viele Leute sind hier einsam oder depressiv". In welcher Form ein Laden betrieben werden könnte, blieb offen. Die Vorschläge reichen von der Suche nach einem Betreiber bis zu einem Beschäftigungsprojekt für die Lebenshilfe und einer Kooperative, die Anteilscheine an die Bevölkerung verkauft. "Egal wie, wir müssen für einen Dorfladen kämpfen", sagte auch Bürgermeister Klement.

Aufwertung des Dorfplatzes

Der Dorfplatz soll aufgewertet werden, wünschen sich die Teilnehmer am Bürger-Workshop. Der hinter dem Rathaus versteckte Dorfbrunnen soll hier einen neuen Platz bekommen, wurde vorgeschlagen. Auch der Maibaum und die Infotafeln der Gemeindeverwaltung und der Vereine sollten am Dorfplatz ihren Platz bekommen. Besonders wichtig: Die Bürger wünschen sich am Dorfplatz eine Gaststätte mit einem Biergarten als Treffpunkt, ebenso ein öffentliches WC. "Wollen Sie zum Hochwasserschutz des Dorfplatzes einen Wall bauen?", wollte einer wissen. "Hochwasser muss laufen können, dass ist anderswo auch so. Man muss akzeptieren, dass das so ist", meinte dazu Bertram Wegner. Damit war die Diskussion noch nicht erschöpft. Die Bushaltestelle soll aufgewertet werden. Einige Gebäude im Ortskern stehen leer, verschandeln das Ortsbild und verfallen. Mit einem Zuschuss sollten sie abgerissen und in Grünflächen umgewandelt werden, wurde vorgeschlagen. Gewünscht wird auch eine Wassertretanlage an der Lauer.
Der Marktgemeinderat wird sich laut Bürgermeister Klement mit den Vorschlägen aus diesem Workshop beschäftigen, und manches, was finanziell umsetzbar ist, könnte in den nächsten Jahren realisiert werden.
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