Münnerstadt
Kalender

Bilder zeigen, wie es einmal war

Zum zweiten Mal gestaltet Inge Kirch den Altstadtkalender. Diesmal hat sie Zeichnungen nach den Geschichten ihrer Oma und den eigenen Kindheitserinnerungen angefertigt. Der Altstadtverein erhöht die Auflage.
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Inge Kirch signiert ihre Zeichnungen, die im Altstadtkalender 2016 zu sehen sein werden.  Fotos: Thomas Malz
Inge Kirch signiert ihre Zeichnungen, die im Altstadtkalender 2016 zu sehen sein werden. Fotos: Thomas Malz
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Inge Kirch hat Post bekommen. Keine ungeliebten Rechnungen, sondern Briefe, über die man sich freut. "Viele Leute haben mir geschrieben und sich bedankt", sagt die Münnerstädterin und belegt das mit mehreren Schriftstücken. Das Lob hat sie für die Gestaltung des Altstadtkalenders 2014 bekommen. Damals hatte sie Zeichnungen nach den "Mürschter Geschichten" von Heini Hochrein und dem Nachtwächter Rainer Kirch angefertigt. Ein gewagter Schritt des Altstadtvereins, der sich aber im Nachhinein als absolut richtig herausgestellt hat. Nun hat Inge Kirch die Feder wieder in die Hand genommen und ihre eigenen Kindheitserinnerungen sowie die Erzählungen ihrer Oma gezeichnet. Damit nicht wieder manche Interessierten leer ausgehen, wird die Auflage des Kalenders 2016 sogar erhöht.


Nicht viele alte Fotos

Kurz nach der Gründung des Altstadtvereins hatten die Mitglieder den ersten Kalender mit alten Fotos aus Münnerstadt herausgebracht. Nach ein paar Jahren aber stießen sie an ihre Grenzen. Manche empfanden die Bilder als zu düster und andererseits: "Es gibt gar nicht so viele alte Fotos wie man meint", erklärt Oliver Schikora, einer der Vorsitzenden des Altstadtvereins. Wenn man Jahr für Jahr einen Kalender mit zwölf Bildern herausbringt, die wirklich schön und noch dazu wenig bekannt sein sollen, dann sei das gar nicht so einfach.
Das war auch ein Grund dafür, dass sich die Mitglieder vor zwei Jahren entschlossen, den Kalender mit Zeichnungen von Inge Kirch herauszugeben, obwohl das wegen der viel höheren Produktionskosten (größeres Format, Druck in Farbe) nicht ohne Risiko war. Letztendlich wurden alle verkauft, manche Interessenten gingen damals sogar leer aus.


Romantische Motive

"Das Thema ist: es war einmal...", sagt Inge Kirch über den Altstadtkalender 2016, der zum "Tag des offenen Denkmals" am 13. September fertig sein soll. "Es sind romantische Motive, die ich sowieso sehr mag." Verarbeitet hat sie die Erzählungen ihrer Oma, den Inge Kirch als Kind so gerne zugehört hat. Es sind Geschichten aus den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. "Die Zeichnungen zeigen das Leben, wie es früher war. Heute ist Inge Kirch selbst mehrfache begeisterte Oma. Und heute erzählt sie Geschichten aus ihrer Kindheit, die sie ebenfalls in den Kalender mit einfließen lässt. Es war die Nachkriegszeit, es gab wenig Geld und der Nachwuchs musste in der Familie mitarbeiten, erinnert sie sich. Und trotzdem sei die Kindheit wunderschön gewesen, mit Momenten, die sich die Kinder heute gar nicht mehr vorstellen könnten. Das hat mit ihren aquarellisierten Federzeichnungen zu Papier gebracht. "Der Kalender hat mir richtig Spaß gemacht, der hat mir aus der Seele gesprochen."
Bei einem Treffen mit Oliver Schikora und Sabine Scheuble vom Altstadtverein, stellen alle drei ihre Lieblingsmotive vor. Für Oliver Schikora ist das der August. Eine Mutter sitzt mit ihren zwei Kindern am Abend unter dem Sternenhimmel. Eine Szene, wie sie Inge Kirch immer wieder erlebt hat. "Der Mond ist aufgegangen haben wir dazu gesungen", erzählt sie.
Bei Sabine Scheuble war das Lieblingsmotiv schon vorher klar, denn sie hat die Vorlage des Fantasie-Bildes für den Oktober selbst geliefert: Ein kleiner Bub arbeitet als Schuster in einer Werkstatt. "Das Foto hing in der Werkstatt meines Opas", erklärt sie dazu.


Selbst so erlebt

Inge Kirchs Lieblingsmotiv ist der Dezember. Zwei Mädchen und ein Bube versuchen durchs Schlüsselloch einen Blick auf die Weihnachtsvorbereitungen zu erhaschen. "So habe ich es selbst erlebt", sagt Inge Kirch. Die zwei Mädchen stellen ihre Schwester und sie selbst dar. Vor Weihnachten hat sich ihr Vater immer in die Werkstatt zurückgezogen, wo er für die Mädchen Puppenhäuser und Möbel gebastelt hat. "Die Fenster hat er verhängt, und wenn wir durchs Schlüsselloch geschaut haben, hat er Goldstaub durchgeblasen." Die Kinder dachten damals, dass das Christkind in der Werkstatt ist.
Während der zahlreichen Veranstaltungen des Altstadtvereins zum "Tag des offenen Denkmals" am zweiten September-Wochende soll der Kalender herausgegeben werden. Diesmal erhält Inge Kirch einen kleinen Obolus vom Verkaufserlös als Aufwandsentschädigung beispielsweise für die Farben. Sie schätzt, dass sie sieben bis acht Stunden lang an einem Bild gezeichnet hat. Aus dem Erlös des Kalenders wollen die Mitglieder des Altstadtvereins den Entwurf der Grabplatte von Friedrich Abert herrichten lassen.
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