Münnerstadt
Weihnachtsoratorium

Bachs Botschaft ist angekommen

Regionalkantor hat mit einem Chor und einigen Solisten aus der Region für einen weiteren Glanzpunkt der Kirchenmusik im Landkreis gesorgt. Am Ende stimmten viele Zuhörer in den Weihnachtsjubel ein.
Artikel drucken Artikel einbetten
In der Stadtpfarrkirche: Ensemble Vokal Münnerstadt und Mitteldeutsches Kammerorchester unter der Stabführung von Regionalkantor Peter Rottmann  Foto: Gerhild Ahnert
In der Stadtpfarrkirche: Ensemble Vokal Münnerstadt und Mitteldeutsches Kammerorchester unter der Stabführung von Regionalkantor Peter Rottmann  Foto: Gerhild Ahnert
Die berühmteste und eindrücklichste Komposition zum Weihnachtsfest, Johann Sebastian Bachs "Weihnachtsoratorium", gehört in den Städten ganz selbstverständlich zur Einstimmung auf die bevorstehenden Feiertage. Auf dem Land tut man sich schwerer, eine Aufführung in erreichbarer Entfernung zu finden. Deshalb zog es am Sonntag Gaudete, dem 3. Advent, auch viele Bad Kissinger in die letztlich mehr als ausverkaufte Münnerstädter Stadtpfarrkirche. Das hatte natürlich auch damit zu tun, dass die Konzerte des Regionalkantors Peter Rottmann in St. Maria Magdalena mit ihrem berühmten Riemenschneideraltar schon seit vielen Jahren zu den Glanzpunkten der Kirchenmusik im Landkreis gehören.


Vor 17 Jahren gegründet

In diesem Jahr also die ersten drei Teile des "Weihnachtsoratoriums". Den Chor, dem er dieses anvertrauen konnte, das "Ensemble Vokal Münnerstadt", hat Rottmann vor 17 Jahren selbst gegründet. Als Orchester hatte er das "Mitteldeutsche Kammerorchester" nach Nordfranken geholt. Als Teil der für die Bachschen Oratorien so wichtigen Continuogruppe spielte der Würzburger Stefan Walter die Orgel.


Import aus dem Saarland

Für das Sängerquartett konnte Rottmann sich zunächst einmal in der Nähe umsehen: Die einstige Meininger Star-Sopranistin Radka Loudova-Remmler, die mittlerweile an der Mainschleife lebt, ist ein ebensolcher Glücksfall wie Katrin Edelmann (Alt/ Mezzosopran), die in der Rhön lebt und sich seit Jahren einen Namen auch in der weiteren Umgebung gemacht hat. Tenor Maximilian Argmann ließ sich im Meininger Theater leicht entdecken, nur der Bassist Vinzenz Haab musste aus dem Saarland importiert werden.
Allen gemeinsam gelang unter der Stabführung von Peter Rottmann eine musikalisch begeisternde, aber auch die Weihnachtsliturgie eindrucksvoll vermittelnde Aufführung. Letzteres lag nicht zuletzt an Rottmanns ausgezeichneter Arbeit mit seinem Chor: Der kennt nicht nur die dynamischen Extreme laut und leise. Er beeindruckte auch durch seine sehr deutliche Artikulation und durch eine absolut textbewusste Gestaltung, durch ein Wissen darum, was man da singt.
Die Qualität des Orchesters zeigte sich nicht nur in der Entfaltung barocker Pracht, die Bach dreimal auf der gleichen musikalischen Grundlage in den ersten drei Kantaten verwendet. In der Begleitung all der berühmten Arien bewiesen auch die kleinen Formationen mit der Continuogruppe aus dem sehr präzise den tonalen Unterbau und die rhythmische Struktur herausarbeitenden Kontrabassisten und dem Organisten und unterschiedlichen Soloinstrumenten großes Feingefühl und virtuoses Können.


Einige Stolpersteine

Seinen Erzählern der biblischen Geschichte hat Bach einige Stolpersteine in den Weg gelegt. Hier müssen die Sänger oftmals Höhen und auch Tiefen bewältigen, die nicht ganz zu ihrem angestammten Stimmumfang gehören. Tenor Maximilian Argmann brauchte da ein wenig, bis er das im Griff hatte, doch bestachen seine lockeren Koloraturen in der Mittellage und etwa sein intonationssicheres Konzertieren mit der Querflöte in "Frohe Hirten", auch wenn er hier die Spitzentöne nur vorsichtig antippte. Vinzenz Haab ist ein Bassbariton, der sehr gut mit Rhythmus umgehen kann. Seine Genauigkeit in der Intonation und Sicherheit in der Höhe kamen vor allem dem Duett "Herr, dein Mitleid" mit Radka Loudova-Remmler sehr zugute. Selten hat man dieses mit so gut aufeinander abgestimmtem Zusammenklang der Stimmen und so großem Einverständnis in der Interpretation gehört.


Bewusst geführte Stimme

Loudova-Remmler stellte in diesem Duett wieder einmal unter Beweis, mit welch einer weichen, großen, flexibel und absolut bewusst geführten Stimme sie zu singen vermag. Mit ihrer Freude am Musizieren übermittelnden Bühnenausstrahlung in der großen Echoarie "Flößt mein Heiland" zeigte sie sich als großartige Sopranistin auch im barocken Fach, und Felicitas Geis war ihr ein unaufgeregt präzises Echo.
Bei Katrin Edelmann freut man sich bei jedem Auftritt über die Rundheit und Fülle ihrer Alt/ Mezzosopran-Stimme, so ganz ohne störendes Tremolo. Bei "Bereite dich, Zion" bestach sie durch brillante Koloraturen und ihrer Möglichkeit, nach oben sehr schön die Stimme aufzumachen. Das Wiegenlied "Schlafe, mein Liebster" sang Edelmann mit großer innerer Ruhe und klarer, natürlich wirkender Stimme.


Wann darf der Laie das mal?

Es war gar nicht so einfach für Peter Rottmann, angesichts des Riesenapplauses und stehender Ovationen noch einmal die Aufmerksamkeit aller, auch der Zuhörer zu bekommen. "Adeste fideles", jener uralte lateinische Text, wurde zunächst vom Chor angestimmt. Doch ab der 2. Strophe hatten auch alle des Singens mächtigen Zuhörer die Möglichkeit, begleitet von Chor, Orgel und Orchester und mit "Pauken und Trompeten" (Wann darf man das mal als Laie?) einzustimmen in den Weihnachtsjubel, was sie auch mit großer Begeisterung taten. Zum Ausklang ein schönes Zeichen dafür, dass die Botschaft von Bachs "Weihnachtsoratorium" in der Gemeinde angekommen war.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren