Bad Kissingen
Ausbildung

Azubis: ein kostbares Gut

Auch im Landkreis gibt es mehr Lehrstellen als Bewerber. Viele Berufssparten merken den demographischen Wandel. Aber es gibt auch positive Trends.
Artikel drucken Artikel einbetten
Michel Schilling (rechts) startet heute seine Ausbildung im Elektrobetrieb seines Vaters Klaus Schilling. Der junge Mann hat sich entschlossen, nach dem Abitur einen Beruf zu erlernen. Klaus Schilling freut sich über die Entscheidung, denn Lehrlinge im Elektrohandwerk sind schwer zu finden. Foto: Heike Beudert
Michel Schilling (rechts) startet heute seine Ausbildung im Elektrobetrieb seines Vaters Klaus Schilling. Der junge Mann hat sich entschlossen, nach dem Abitur einen Beruf zu erlernen. Klaus Schilling freut sich über die Entscheidung, denn Lehrlinge im Elektrohandwerk sind schwer zu finden. Foto: Heike Beudert
Der 1. September ist für 496 junge Menschen ein besonderer Einschnitt in ihr Leben. Sie beginnen im Landkreis Bad Kissingen eine Berufsausbildung. Einen Lehrstellenmangel gab es in diesem Jahr nicht - im Gegenteil. Viele offene Ausbildungsplätze konnten nicht besetzt werden. Laut der Statistik der Bundesagentur für Arbeit, gibt es im Landkreis Bad Kissingen noch 302 unbesetzte Ausbildungsstellen quer durch alle Berufssparten. Die Statistik sagt aber auch, das 96 Jugendlichen noch auf Jobsuche sind.
Ob von den 96 jungen Leuten, die der Bundesagentur gemeldet sind, tatsächlich alle immer noch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind, lässt sich aktuell schwer abschätzen. Die Bundesagentur hat die Erfahrung gemacht, dass sich mancher schon längst für einen weiteren Schulbesuch oder ein Studium entschieden hat, dies aber der Agentur nicht gemeldet hat.
"Wer noch nichts gefunden hat, hat jetzt noch gute Chancen, eine Stelle zu finden", betont Peter Schönfelder von der Presseabteilung der Bundesagentur für Arbeit in Schweinfurt. Er empfiehlt: "Weiter suchen." Auch wenn am 1. September das Ausbildungsjahr beginnt, sei es kein Problem, erst in den nächsten Wochen mit der Lehre zu beginnen.


Jobbörse ist noch offen

Auch die Handwerkskammer Unterfranken und die Industrie- und Handelskammer bestätigen, dass derzeit noch Lehrstellen zu haben sind. Beide Einrichtungen verweisen auf ihre Jobbörsen im Internet oder auf Handy-Apps, in denen Jugendlichen online offene Stellen finden können. Vom Anlagemechaniker bis zum Zimmerer, sagt Daniela Kraus von der Handwerkskammer Unterfranken, gebe es Lehrstellen.
Die Firma Josef Bindrum und Sohn in Hammelburg könnte beispielsweise noch Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen, erklärt Geschäftsführer Klaus Hayer. Zwar beginnen am 1. September zwei Auszubildende im Unternehmen eine Lehre, aber der Bedarf an weiterem Nachwuchs ist da. Die Baubranche habe leider eine schwache Lobby, sagt Klaus Hayer . Dabei gebe es sehr schöne Berufe. Die Bauunternehmen merken aber auch die Konkurrenz aus der Industrie. Lehrstellen dort erschienen jungen Leuten bedauerlicherweise oft attraktiver.
In der gesamten Baubranche gibt es im Landkreis laut Bundesagentur-Statistik viele offene Lehrstellen. Von 165 bei der Bundesagentur gemeldeten Ausbildungsplätzen sind 78 unbesetzt. "Es gibt zu wenig Bewerber", sagt auch Innungsmeister Mathias Stöth (Malerinnung). Er glaubt, dass es in Zukunft für einen Betrieb an Bedeutung gewinnt, sich gut zu präsentieren. Der Ruf eines Betriebs werde ein wichtiger Faktor.


Positiver Trend

Dabei sieht es in der Malerinnung Bad Kissingen heuer sogar recht erfreulich aus. Im Kreis-Handwerk steht die Maler-Ausbildung bei den neuen Ausbildungsverträgen gleich hinter dem Kfz-Mechaniker an zweiter Stelle. Den 3. Platz nehmen die Anlagemechaniker für Sanitär-, Heizung- und Klimatechnik ein.
Ein positiver Trend zeichnet sich nach Angaben von Lukas Kagerbauer (IHK Würzburg-Schweinfurt) unterfrankenweit erstmals wieder im Bereich des Hotel- und Gaststättengewerbes ab. Die Zahl der unterschriebenen Ausbildungsverträge sei um 6,8 Prozent gestiegen.


Werbung zeigt Wirkung

Enorm wichtig sei dieser Trend, betont Heinz Stempfle (Bad Kissingen), der Bezirksvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbandes. Lange Zeit sei es sehr schleppend gewesen. "Es ist viel geworben worden", sagt Lukas Kagerbauer. Das zeige jetzt Wirkung. Trotz eines positiven Trends ist es noch kein endgültiger Durchbruch. In der Sparte "Speisenzubereitung" (Köche) sind im Landkreis laut Statistik aktuell 19 unbesetzte Lehrstellen gemeldet.


Verträge auf Vorjahresniveau

"Wir kämpfen mit allen Mitteln, um die duale Ausbildung interessant zu machen", sagt Lukas Kagerbauer von der IHK. Es gebe so viele interessante Berufe. Aber es sei schwierig, die Leute zu bekommen. Deshalb ist es für ihn positiv, dass sich die Zahl der IHK-Ausbildungsverträge im Landkreis Bad Kissingen auf konstantem Niveau hält.
In der Ausbildungs-Statistik der Handwerkskammer ist bemerkenswert, dass im neuen Ausbildungsjahr unterfrankenweit der Anteil der neuen Lehrlinge mit Realschulabschluss oder Abitur mit 46,6 Prozent ein neues Hoch erreicht hat. Allein die Zahl der jungen Menschen mit Abitur, die sich für eine Lehre im Handwerk entscheiden, hat sich in den letzten Jahren fast verdoppelt, heißt es in einer Pressemitteilung der Handwerkskammer vom Mittwoch.
In Zukunft werden gut ausgebildete Fachkräfte mit klassischer Berufsausbildung gesucht sein, heißt es bei der IHK. Der Industrie- und Handelskammer Würzburg-Schweinfurt liegen Schätzungen vor, nachdem bis zum Jahr 2021 in Unterfranken 29 000 Fachkräfte fehlen werden - alleine 27 000 davon in nicht akademischen Berufen.
Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren