Münnerstadt
Gesundheit

Anstrengende Tier-Therapie

Die Wahl-Münnerstädterin Diana Böhm ist mit Tieren aufgewachsen und hat sich zur Therapeutin für Pferde und Hunde ausbilden lassen. Aber auch mit Menschen muss sie sich auskennen.
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Diana Böhm während der Behandlung von Inster Lady, der 18-jährigen Trakehnerstute von Stefanie Abelshauser Foto: Doris Bauer
Diana Böhm während der Behandlung von Inster Lady, der 18-jährigen Trakehnerstute von Stefanie Abelshauser Foto: Doris Bauer
Vorsichtig tastet Diana Böhm an der Wirbelsäule ihrer Patientin entlang. "Der Lendenwirbel steht zu hoch", diagnostiziert die 24-jährige Physiotherapeutin und beginnt mit sanften schaukelnden Bewegungen, den Wirbel an die richtige Stelle zu bringen. Die Patientin, eine 18-jährige Trakehner-Stute namens Inster Lady, hält ungewohnt still und lässt die Prozedur über sich ergehen. Die Rappstute spürt wohl, dass die Behandlung ihr guttut.
Diana Böhm hingegen stehen trotz kühler Temperaturen am späten Herbstnachmittag schon ein paar kleine Schweißperlen auf der Stirn. Das Therapieren ist anstrengend und schweißtreibend, Pferd und Besitzerin müssen ebenso mitarbeiten. Aber das hält sie nicht davon ab, konzentriert weiterzumachen und dazwischen mit einem strahlenden Lachen die Besitzerin zu informieren: "Du wirst sehen, danach läuft dein Pferd wieder ganz anders. Sie hatte im Lendenwirbelbereich Schmerzen. Das ist jetzt vorbei, und sie wird beim Reiten nicht mehr mit dem Kopf schlagen."
Das Kopfschlagen stellte Besitzerin Stefanie Abelshauser, die ihr Pferd in einem Ramsthaler Stall untergebracht hat, vermehrt bei den jüngsten Ausritten fest. "Ich wusste zunächst nicht, ob ich das Schlagen mit einem Reiterfehler provoziert hatte oder ob es vielleicht sogar Ungehorsam sein könnte. Nachdem sämtliche Tipps und Behandlungen nichts geholfen haben, entschloss ich mich für eine Physiotherapie." Damit lag die Besitzerin allem Anschein nach goldrichtig. Und mit Diana Böhm hatte sie gleich eine Therapeutin engagiert, die sich nicht nur mit Tieren, sondern eigentlich in erster Linie mit Menschen auskennt.
"Oftmals ist es eigentlich so, dass nicht nur die Pferde, sondern auch die Besitzer therapiert werden müssen. Haben Reiter Kreuzprobleme, sitzen diese nicht richtig auf dem Pferd. Das Tier balanciert diese Fehlhaltung des Reiters mit einer weiteren Fehlhaltung aus, und dann haben beide auf Dauer Probleme. Mittlerweile habe ich einen gesamten Reitstall in Thüringen, wo ich Pferde und anschließend die Reiter auf meiner mobilen Liege behandle."

Ganzheitliche Betrachtung

Die seit 2009 staatlich geprüfte Physiotherapeutin, Masseurin und medizinische Bademeisterin behandelt Menschen nach verschiedenen Therapie-Formen. Seit fast drei Jahren therapiert sie auch Pferde und Hunde, meist nach der Dorn-Therapie. "Das Wichtigste bei der Behandlung - ob Mensch oder Tier - ist für mich die ganzheitliche Betrachtungsweise. Der gesamte Körper wird untersucht und mit sanften, zur Mitte führenden Therapiegriffen zu seiner ursprünglichen Balance gebracht. Außerdem ist das Umfeld wichtig. Bei Pferden frage ich Vorerkrankungen, Haltungsbedingungen oder Futter ab." In diesem Fall hat auch die Besitzerin der Trakehner-Stute Probleme mit ihrem Kreuz, für die Diana Böhm eine geeignete Therapie parat hat.
Die 24-jährige Wahl-Münnerstädterin besitzt selbst Pferd und Hund, reitet seit ihrem sechsten Lebensjahr und wuchs mit Tieren auf, da ihr Vater als Tierarzt tätig ist. Es ist also kein Zufall, dass nach der Prüfung zur Physiotherapeutin eine Ausbildung zur Therapeutin für Pferde und Hunde folgte. Zufall hingegen ist eher ihre Wahl-Heimat: "Ich stamme ursprünglich aus Jena, wohne jedoch seit einigen Jahren mit meinem Freund zusammen in Münnerstadt." Obwohl sie die Liebe hierhergeführt hat, kann sich die Therapeutin aber auch mit den weiteren Rahmenbedingungen, der Kleinstadt vollkommen identifizieren: "Ich wohne gerne hier, es gibt hier alles, was ich brauche. Die Menschen sind freundlich, und auch mein Pferd konnte ich in der Gegend gut unterbringen. Münnerstadt liegt für meinen Behandlungsraum, der bis nach Thüringen oder hinter Schweinfurt reicht, zentral. Außerdem arbeite ich in Salz."
Bevor Diana Böhm an der Trakehner-Stute Hand anlegte, führte die Therapeutin zunächst ein Gespräch mit der Besitzerin, schaute sich an, wie "Inster Lady" untergebracht ist und ließ sich das Pferd vorführen, um den Gang zu beurteilen. "Danach geht es erst mit der Behandlung los. Ich teste, wie beweglich jedes Gelenk ist, und falls Einschränkungen festgestellt werden, löse ich diese. Ich gehe mit Druck ins Gelenk, gehe dann von der Beugung in die Streckung, wodurch sich das Gelenk selbst wieder einrichtet. Somit halte ich das Risiko von Mikroverletzungen gering und kann damit ein optimales Behandlungsergebnis erzielen."

Genauigkeit ist wichtig

Ein weiterer wichtiger Aspekt für Diana Böhm ist die Beinlängen-Differenz, die sie mit einem Maßstab genau ausmisst: "Ich will ein langfristiges, stabiles Ergebnis, deswegen muss ich hier ganz genau arbeiten. Ich behandle auch nicht nur lokale Probleme, sondern das gesamte Tier. Entlastet das Pferd beispielsweise ein Bein, dann wird diese Entlastung in einem anderen Körperteil kompensiert. Deswegen ist das ganze Pferd betroffen." Diana Böhm ist nicht nur spürbar mit Leib und Seele bei der Arbeit, auch über ihre Erfolge freut sie sich: "Ich hatte ein Stute mit einer Hufgelenk-Entzündung, die trotz Spritzen ins Gelenk durch den Tierarzt lahmte. Nach meiner zweiten Behandlung lief diese klar. Aber mit ihr muss ich noch weiterarbeiten."
Für oder besser an sich arbeiten will sie auch noch zukünftig: "Es gibt noch vieles, was ich gerne lernen möchte, wie die Cranio-Sacral-Therapie für Mensch und Tier, außerdem bin ich überzeugt von der Blutegel-Therapie." So wartet auf Diana Böhm nicht nur jede Menge Arbeit mit Menschen und Tieren, sondern auch Studium und Lernen.

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