Münnerstadt
Asylbewerber

Münnerstadt: Wenn Demelash arbeiten will, aber nicht darf

Job, Wohnung, Freunde - eigentlich alles perfekt. Doch jetzt muss ein 38-jähriger Äthiopier in Bad Kissingen um seine Arbeitserlaubnis bangen.
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Seit zwei Jahren arbeitet Demelash Bekele aus Äthiopien im Institut Dr. Nuss in Bad Kissingen. Foto: Teresa Hirschberg
Seit zwei Jahren arbeitet Demelash Bekele aus Äthiopien im Institut Dr. Nuss in Bad Kissingen. Foto: Teresa Hirschberg
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"Ich will endlich leben, momentan fühle ich mich aber wie im Gefängnis." Seit fast sechs Jahren ist Demelash Bekele nun in Deutschland. Aber so richtig durchstarten konnte der gebürtige Äthiopier noch nicht. Job, Wohnung, Freunde - eigentlich alles perfekt. Doch jetzt muss der 38-Jährige um seine Arbeitserlaubnis bangen.

Sein Asylantrag wurde abgelehnt, nun ist er damit am Würzburger Verwaltungsgericht in Berufung gegangen. Parallel hat Demelash Bekele aufgrund der mehrere Jahre andauernden Bearbeitungszeit eine Untätigkeitsklage gegen das Bundesamt gestellt. "Dann heißt es wieder, die Asylbewerber machen nichts und kosten nur Geld. Dabei finanziert sich Demelash selbst", sagt Caritas-Mitarbeiterin Jutta Ort, die für die Asylsozialarbeit in Münnerstadt zuständig ist. Durch das Programm "Perspektiven für Flüchtlinge" der Arbeitsagentur hat der studierte Umweltbiologe vor zwei Jahren seinen Job im Institut Dr. Nuss in Bad Kissingen gefunden. Von der Ausländerbehörde hatte er zweimal eine Arbeitserlaubnis für jeweils ein Jahr erteilt bekommen.

"An meinem Status hat sich seitdem nichts geändert. Warum hat es dann zwei Jahre lang geklappt und jetzt auf einmal nicht mehr?", fragt Demelash Bekele. Schuld seien die sich stetig verschärfenden Vorschriften, erklärt Jutta Ort, besonders gegenüber Asylbewerbern aus Äthiopien und besonders in Bayern. "Das hat mit christlicher, humanitärer Hilfe nichts zu tun." Sein Arbeitgeber habe ihm eigentlich einen unbefristeten Arbeitsvertrag anbieten wollen. "Sie sind so begeistert von ihm und wollen ihn unbedingt weiter beschäftigen. Sie brauchen ihn!", sagt Barbara Gassauer, die den Asylbewerber durch die Hausaufgabenbetreuung kennengelernt hat. Die beiden haben sich angefreundet. Mittlerweile hat Demelash Bekele sogar ihre Einliegerwohnung in Münnerstadt gemietet - ein Schritt, der ohne seinen Job nicht möglich gewesen wäre.


Schwere Situation für Arbeitgeber

In seiner derzeitigen Situation könne sein Arbeitgeber allerdings nicht langfristig mit ihm planen. Wie ein Damoklesschwert hänge die Ungewissheit der Arbeitserlaubnis über ihm, meint Jens Engelken, Leiter der Abteilung Mikrobiologie und Hygiene am Institut Dr. Nuss. In diesem Bereich Mitarbeiter zu finden, sei allgemein schwer. "Es ist bei der Arbeit zwar nicht ständig Thema, aber ich weiß ja nicht wie es ihm daheim damit geht", sagt Engelken. Demelash Bekele habe im Unternehmen schon in verschiedenen Bereichen gearbeitet, immer sei man mit seiner Leistung sehr zufrieden gewesen.

Bei der Verlängerung seiner Arbeitserlaubnis habe er sich an alle Fristen gehalten, die Antwort der Zentralen Ausländerbehörde Unterfranken habe bis zum letzten Ablauftag auf sich warten lassen. Auch seinen Ausweis müsse er ständig erneuern. "Das ist ein schweres Leben", fasst der 38-Jährige knapp zusammen. Seine Unizeugnisse sind in Deutschland anerkannt, laut der Ausländerbehörde gelten sie jedoch nicht als Identitätsnachweis, könnten zu leicht gefälscht werden. Nun soll Demelash Bekele eine Geburtsurkunde aus seinem Heimatland Äthiopien besorgen. Das widerspreche aber dem Asylverfahren, wendet Jutta Ort ein. Die Genfer Flüchtlingskonvention besage nämlich, dass Flüchtlinge bei ihrer Einreise keinen Ausweis haben müssen.


Vorwürfe gegen Ausländerbehörde

Ein Mitarbeiter der Ausländerbehörde hat sich am Telefon über eine weitere Tatsache geäußert: Demnach möchte die Staatsregierung verhindern, dass sich Asylbewerber, die nach Ansicht der Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge keine guten Erfolgsaussichten im Asylverfahren haben, durch Arbeit oder das Erlernen der deutschen Sprache in die Gesellschaft integrieren. Bezüglich Demelash Bekeles Fall ist deshalb die Bemerkung gefallen, er solle doch lieber zu Hause bleiben und sich arbeitslos melden - er sei schließlich nicht zum Arbeiten hier.

Klaus Winkler, der stellvertretende Leiter der Schweinfurter Ausländerbehörde, stand mit dem Institut Dr. Nuss vor über einem Monat in Kontakt und wies dabei auf die Priorität des noch laufenden Asylverfahrens hingewiesen. "Im Anschluss an das Telefonat hat Herr Winkler dann aber auch persönlich die Entscheidung getroffen, die Arbeitserlaubnis zunächst wieder befristet für drei Monate auszustellen", sagt Hardenacke. Im Fall von Demelash Bekele habe die Ausländerbehörde sogar eine Ausnahme gemacht und seine Arbeitserlaubnis trotz "geringer Bleibeperspektive" verlängert, da er bereits in den vergangenen Jahren eine Genehmigung erhalten hatte.

Seine aktuelle Arbeitserlaubnis läuft am 25. August ab. Bis dahin bleibt ihm nichts anderes übrig, als auf die Entscheidungen der Ausländerbehörde und des Klageverfahrens zu warten. "Ich bin nicht mehr jung, ich bin jetzt 38", sagt er mit leiser Stimme. "Ich will nicht mehr auf der Flucht sein, keinen Neuanfang mehr machen müssen."




Anmerkung der Redaktion:

Nach einer Stellungnahme von Barbara Gassauer und Jutta Ort wurde der Artikel redaktionell geändert. (28. Juni 2018)

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