Bad Kissingen
Verkehrssicherheit

Münnerstadt: Ankommen statt Umkommen

Im Juli kontrolliert die Polizei verstärkt Motorradfahrer. Jetzt überprüften sie am Münnerstädter Schindberg und bei Steinach Fahrer und Maschinen. Dabei wird auch auf Einsicht im lockeren Gespräch gesetzt.
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Maximilian Hofmann von der Verkehrspolizeiinspektion Schweinfurt-Werneck kontrolliert die Fahrzeugpapiere von Friederike Späh. Alles in Ordnung, bei ihr gab es keine Beanstandungen. Thomas Malz
Maximilian Hofmann von der Verkehrspolizeiinspektion Schweinfurt-Werneck kontrolliert die Fahrzeugpapiere von Friederike Späh. Alles in Ordnung, bei ihr gab es keine Beanstandungen. Thomas Malz
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Allzu lange muss Jochen Emmerling nicht warten, dann kommt das erste Motorrad. Die Fahrerin wird auf den Parkplatz auf dem Schindberg geleitet. "Bitte fahren Sie zu meinen Kollegen", sagt der Polizeihauptkommissar der Polizeiinspektion Bad Kissingen. Die Beamten der Verkehrspolizeiinspektion Schweinfurt-Werneck übernehmen dann die eigentliche Kontrolle. Die Fahrzeugpapiere werden durchgesehen, das Motorrad auf Verkehrssicherheit überprüft. Dass es nicht zu laut ist, haben die Beamten schon registriert.

Kurz vorher war das ein wenig anders gewesen. "Wir wollen nicht sechs Stunden an einer Stelle stehen", erläutert Lochen Emmerling. Deshalb hatten sich die Beamten zuvor an der Straße zwischen Steinach und Schmalwasser postiert, eine bei Motorradfahrern wegen der engen Kurven gern genutzte Strecke. Innerhalb einer Stunde wurden dort 25 Biker kontrolliert, in einem Fall gab es eine kleiner Beanstandung, der Fahrer durfte aber weiter. In einem anderen Fall allerdings war die Fahrt zu Ende. Das Motorrad war durch Umbauten zu laut. "Damit erlischt die Betriebserlaubnis", sagt Jochen Emmerling. Und das heißt: Fahrzeug stehen lassen. Erst, wenn das Motorrad wieder der Betriebserlaubnis entspricht, kann es wieder genutzt werden. Der Fahrer musste sich abholen lassen.

Unter dem Motto "Ankommen statt Umkommen" beim Motorradfahren hat Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) die bayernweiten Motorradkontrollen der Polizei gestartet. Schwerpunkte sind zu riskantes und zu schnelles Fahren sowie zu laute Motorräder. Zweimal im Jahr finden solche verstärkte Kontrollen statt, sagt Jochen Emmerling. Sie haben durchaus auch präventiven Charakter. Kontrolliert werden unter anderem die Bremsen, Reifen und die Lautstärker, Alkohol spiele bei Motorradfahrern meist keine Rolle. Es wird auch geschaut, ob sie die Fahrerlaubnis für das Bike ausreicht. Die Beamten versuchen dabei, mit den Bikern ins Gespräch zu kommen, besonders mit den jüngeren. Dabei geht es um die Fahrweise und auch um die Schutzkleidung. "Einem 50-jährigen BMW-Fahrer müssen wir nichts mehr erzählen", weiß der Polizeibeamte.

Es komme aber vor, dass junge Fahrer in kurzen Hosen und T-Shirt auf ihren Maschinen sitzen, was nicht verboten, aber sehr gefährlich ist. Dann versuchen die Beamten, sie vom Tragen der richtigen Schutzkleidung zu überzeugen. "Viele sagen, sie fahren nur bis zum nächsten Ort." Aber auch dann kann etwas passieren, was die Biker dann schmerzlich erfahren müssen. Das wollen die Polizisten ihnen ersparen.

Unterstützt werden die Bad Kissinger Beamten von ihren Kollegen von der Verkehrspolizeiinspektion Schweinfurt-Werneck, die eine spezielle Ausbildung haben. Aber auch die Bad Kissinger Beamten können einen entsprechenden Lehrgang belegen. Dabei lernen sie unter anderem, wo manche Motorradfahrer gerne Hand anlegen, um ihre Bikes lauter oder schneller zu machen. Unter den Motorradfahrern, die bei Steinach kontrolliert wurden, waren auch ein paar jüngere - die eigentliche Zielgruppe. "Richtige Rennfahrer waren aber nicht dabei." Am Schindberg ging es noch ruhiger zu. Zehn Fahrer wurden kontrolliert, Beanstandungen gab es keine. Die Aktion "Ankommen statt Umkommen" hält noch an, es wird weitere Kontrollen geben.

Friederike Späh, die junge Motorradfahrerin, die Jochen Emmerling als erste am Schindberg angehalten hat, steckt ihre Papiere weg und zieht die Handschuhe wieder an. "Damit habe ich kein Problem", sagt sie auf die Frage, was sie von den Kontrollen hält. Dann geht es weiter Richtung Schweinfurt.

Im Jahr 2018 ereigneten sich im Dienstbereich des Polizeipräsidiums Unterfranken insgesamt 691 Unfälle, bei dem ein Motorrad beteiligt war, heißt es aus dem Polizeipräsidium Würzburg. Dabei wurden 638 Biker verletzt. Sieben Motorradfahrer verloren ihr Leben. Dabei war der Motorradfahrer in sechs von sieben Fällen selbst der Hauptverantwortliche und somit als Unfallverursacher anzusehen. Bei den Unfällen, die durch Motorradfahrer verursacht wurden, war neben individuellen Fahrfehlern überhöhte bzw. nicht angepasste Geschwindigkeit nach wie vor die häufigste Unfallursache.

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