Bad Kissingen
Blödsinn

Mistcapala im Rossini-Saal: Skurrile Typen mit abgefahrenen Instrumenten

Mistcapala blödelt sich mit musikalischem Können, exotischen Instrumenten und skurrilen Witzen durch den Abend. Zu Unrecht vor vielen leeren Stühlen.
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Tobias Klug (von links), Armin Federl, Vitus Fichtl  Tom Hake alias Mistcapala bei ihrem Auftritt im Kissinger Rossini-Saal. Foto: Klaus Werner
Tobias Klug (von links), Armin Federl, Vitus Fichtl Tom Hake alias Mistcapala bei ihrem Auftritt im Kissinger Rossini-Saal. Foto: Klaus Werner
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"Das war ein Bananen-Witz! Der muss noch reifen!" - diese Anmerkung ist wohl der Schlüsselsatz für den Auftritt des Herren-Quartetts "Mistcapala" im Bad Kissinger Rossini-Saal. Erst im Nachhinein erschließen sich die Qualitäten der vier Multi-Instrumentalisten, die nicht nur mit musikalischem Können, sondern auch mit skurrilem Sprachwitz und Satire unterhielten.

Mistcapala sind vier ältere, im grauen Einheitslook gekleidete Herren. Sie stehen in Mitten eines Sammelsuriums an Instrumenten auf der Bühne und unterhalten anfangs die leider nur knapp 100 Gäste mit den üblichen Sprüchen, die - nach Meinung der Künstler - wohl in einem Kurort gebracht werden müssen. Den Rossini-Saal titulieren sie als "einfach, aber sauber", ein herzliches Willkommen galt den Jüngeren, also den unter 80-Jährigen, und als Programm-Titel wäre "Basteln mit Resthaar" oder "Granufink statt Champagner" angebracht. Das Programm allerdings heiße "Wurst statt Käse" und wurde unverständlicherweise von einer europäischen, für das Kabarett verantwortlichen Kommission zugeteilt. "Machen wir das beste daraus!", war dann also das gemeinsame Motto von Künstler und Publikum. Im Laufe des Abends kalauern sich Tobias Klug, Armin Federl, Vitus Fichtl und Tom Hake durch die verschiedensten Themen, bevor sie diese musikalisch sezieren und die humoristisch-satirischen Seiten herausarbeiten.

Für ihre durchaus feinsinnige Aufarbeitung der Alltagsszenen nutzten die vier Herren Kontrabass, Gitarre, Ukulele, Drehleier, Dudelsack, Klarinette, Akkordeon, Flöte, Harmonika und so etwas exotisches wie ein "Theremin", ein elektronisches Instrument das berührungslos gespielt wird und dabei doch direkte Töne erzeugt. Viel Beifall erntete Tom Hake für die Vorführung dieses historischen Gerätes, dessen Entstehungsgeschichte den Abend lehrreich um "Wissenswertes zu Überflüssigem" erweiterte. Überhaupt war Tom Hake der "Frontmann" des Herrenquartetts, der den Abend moderierte und mit variabler Stimme so manches Lied zu etwas besonderem machte. Doch jeder der Vier hatte seinen Part im Laufe des zweistündigen Konzertes. Insgesamt war es eine ausgewogene Inszenierung von vielen unterhaltsamen Episoden. Die Musiker ließen keine Langeweile aufkommen und griffen immer wieder auf bekannte Lieder oder Alltagsszenarien zurück.

In einer Persiflage auf "Deutschland sucht den Superstar" suchten die Musiker die "Super-Wurst" in Anlehnung an den Programmtitel. Dieter Bohlens Kommentare demaskierte er als Umschreibung für "Das war ein Scheiß-Lied". Kritisch wurde es bei Facebook und der Aufforderung "Klick mich - ich wär so gern dein Freund", die die menschliche Vereinsamung hinter dem ganzen Kommunikationswahn an den Pranger stellte. Weiter ging es mit einem schrägen Text zu Kraftwerks 1978er-Hit "Sie ist ein Modell" und mit fernöstlichen Weisheiten, die mit dem Carl-Douglas-Hit "Kung Fu Fighting" von 1974 hinterlegt war. Herrlich interpretiert war die "Bohemian Rhapsody" von Queen als volksdümmliche Einlage mit tschechischem Zungenschlag. Überhaupt hatten es die vier mehrfach ausgezeichneten Herren aus Landsberg am Lech mit anderen Zungenschlägen: Seien es sächsische oder schwäbische Dialekt-Moderationen oder ein Country-Stück über Ronny Rakete und dessen feuchten Männertraum von den Mormonen.

Mistcapala kratzte mit ihrem Humor nicht nur an der Oberfläche, sondern sie boten bei genauem Hinhören auch tiefsinnige Unterhaltung. Dabei legten die Vier keinen Wert darauf, mit dem kabarettistischen Zeigefinger zu schmerzhaft in den gesellschaftlichen Wunden herumzubohren. Humorvoll und unterhaltsam, authentisch und ein bisschen wie "Die Sendung mit der Maus" für Erwachsene - so kamen sie rüber und das Publikum bedankte sich mit rhythmischen Klatschen und Begeisterungsrufen, was wiederum mit einer Kostüm-Persiflage auf die ausufernden Mittelaltermärkte als Zugabe beantwortet wurde.



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