Bad Kissingen
Komische Kunst

Michael-Holtschulte in der Oberen Saline: "Woher der Humor kommt, weiß ich nicht"

Das Museum Obere Saline zeigt bis Oktober Cartoons des beliebten Karikaturisten Michael Holtschulte. Der kam mit Kabarettist Bernd Gieseking zur Vernissage.
Artikel drucken Artikel einbetten
Bernd Gieseking (Mitte) erläutert seine Gedanken zu einem Comic.  Cartoonist Michael Holtschulte (links) und Kulturreferent Peter Weidisch hören zu. Foto: Werner Vogel
Bernd Gieseking (Mitte) erläutert seine Gedanken zu einem Comic. Cartoonist Michael Holtschulte (links) und Kulturreferent Peter Weidisch hören zu. Foto: Werner Vogel
+3 Bilder

Alle sind gut drauf: Der Oberbürgermeister eloquent, der Kulturchef enthusiastisch. Der Karikaturist cool und der Kabarettist witzig. Der Sekt kühl und die Gäste angeregt. Die Vernissage zu "Caricatura - Michael Holtschulte" im Museum Obere Saline ist ein einziges Vergnügen. So lässt sich der Internationale Tag des Museums eben auch gestalten: Mit einer Ausstellungseröffnung, die aus dem Rahmen fällt.

Wieder einmal hat die Zusammenarbeit mit der "Caricatura", der Galerie für Komische Kunst in Kassel, prächtig funktioniert. Die Verantwortlichen - auf Kissinger Seite ist das Kulturreferent Peter Weidisch - kennen sich und spielen sich die Bälle zu. Über das Netzwerk entsteht dann nicht nur der Kontakt zu Cartoonist und Karikaturist Michael Holtschulte, einem Shooting-Star der Szene, sondern auch zu Kabarettist und Autor Bernd Gieseking. Der hält eine Laudatio, die Holtschulte gekonnt porträtiert und die Cartoons mit spitzer Zunge beschreibt.

Das Ambiente des Kulturquartiers Obere Saline inspiriert alle, die ans Mikrofon treten. Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD) erlaubt sich in seiner Begrüßung einen Seitenhieb auf den Ruhrpott, Holtschultes Heimat: "Wir haben in Kissingen alles, außer Dauerstau und Wuchermieten". Peter Weidisch weist der Stadt kulturelles Großstadtniveau zu, nennt Kissinger Sommer, Jazz in Bismarcks Basement und hochkarätige Ausstellungen, wie eben die, die immer wieder in Zusammenarbeit mit der Caricatura entstehen.

Michael Holtschulte stammt aus Herten. Mit 15 schon verdient er sein erstes Geld mit einer veröffentlichten Zeichnung. Dem Karikaturstift ist er seitdem treu geblieben. Stern, Titanic und Süddeutsche drucken seine Cartoons. Er hat Bücher veröffentlicht, 300 000 Fans bei Facebook, eine eigene Show und ist mit Preisen ausgezeichnet. Er erzählt von sich: Die Mutter eine Malerin mit eigener Galerie. Abitur und Studium absolvierte er in Bochum, den Zivildienst leistete er beim Arbeiter-Samariter-Bund. Die soziale Verantwortung hat ihn geprägt. Er beschreibt sich ohne Pathos. Unaufgeregt und sympathisch. Cool wäre untertrieben. Danach signiert er seine Bücher nicht nur mit Unterschrift. Er zeichnet Cartoons hinein. Jeder Strich sitzt.

Die in der Ausstellung gezeigten Zeichnungen, Illustrationen und Cartoons bildet seine Vielfalt ab. Da ist zum Beispiel das Plakatmotiv der Ausstellung, der Cartoon "Moses teilt das Meer". Zu sehen ist ein rauschebärtiger Sandalenträger Moses, der mit Smartphone den Sonnenuntergang über dem Meer fotografiert.Das Meer wird im Jahr 2019 im Internet geteilt und nicht mehr mittendurch.

Komplizierte Sachverhalte in eine verständliche Bildsprache bringen, ist seine Kunst. Ironie ist selbstverständlich, gerne auch mal Zynismus. Da musst Du Dich was trauen, wenn Du selbst den Tod auf die Schippe nimmst, dem Thema sogar ein Buch widmest: "Tot, aber lustig". Da ist dann Feingefühl unerlässlich. Natürlich übertreibt er, verzerrt Personen, verfälscht Charakter. Das darf Karikatur. Auch die politische. Was unsozial und rechts ist, geißelt sein Stift.

Ein Interview zu führen, das ist nicht so sein Ding. Im Gespräch nach dem Rundgang gibt er aber doch einiges von sich preis: "Zeichnen konnte ich. Woher der Humor kommt, weiß ich nicht", erzählt er. "Manchmal ist es eine Szene, die mir auffällt, dann wieder eine Idee, die mir einfällt" sagt er und das ist dann doch druckreif formuliert. Einen Block hat er immer dabei, ein Tablet auch, um die Idee erst mal fest zu halten. Am PC wird noch bearbeitet, verfeinert, farbig unterlegt. "Es steckt Arbeit darin, viel Arbeit", sagt der 40-Jährige. Als Workaholic arbeitet er viel an sich selbst, nimmt an Seminaren der Caricatura teil, zeichnet mit einem Stift, den er selbst mitentwickelt hat. Mit Druck kann er umgehen, er weiß, wann er einen Cartoon bei der SZ Redaktion abzuliefern hat. Angst, dass ihm nichts einfällt, hat er nicht: "Das Leben hat so viel Komisches parat".

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren