Burkardroth
Geschäftswelt

Metzgerei Kirchner wird von Rhönmetzgerei Arnold übernommen

Lydia Kirchner: "Wir verabschieden uns mit einem lachenden und einem weinenden Auge." 70 Jahre war die Metzgerei in Familienhand.
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Metzgermeister Raymund Kirchner (Mitte) und Ehefrau Lydia übergeben ihre Traditionsmetzgerei zum 1. Februar an die Rhönmetzgerei Arnold, hier vertreten durch Sohn Tobias (links). Foto: Sigismund von Dobschütz
Metzgermeister Raymund Kirchner (Mitte) und Ehefrau Lydia übergeben ihre Traditionsmetzgerei zum 1. Februar an die Rhönmetzgerei Arnold, hier vertreten durch Sohn Tobias (links). Foto: Sigismund von Dobschütz
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Nach 70 Jahren wird die Traditionsmetzgerei Kirchner am Burkardrother Marktplatz ab 1. Februar als zehnte Filiale an die Rhönmetzgerei Arnold (Gefäll) verpachtet. Metzgermeister Raymund Kirchner (71) setzt sich mit Ehefrau Lydia (63) zur Ruhe. Für die Übernahme der vier Mitarbeiterinnen ist gesorgt.

"Mit einem lachenden und einem weinenden Auge verabschieden wir uns von unseren Kunden", gesteht Lydia Kirchner. Seit ihrer Hochzeit im Februar 1982 steht sie täglich hinter dem Verkaufstresen und hatte deshalb wohl den engsten Kontakt zur Kundschaft. Beruflich hatte sie als Bürokauffrau begonnen und musste plötzlich umlernen. "Raymund hat mir alles beigebracht." Ihr Ehemann hatte schon, obwohl damals erst 34 Jahre alt, eine über 20-jährige Berufserfahrung.

"Schon als Zwölfjähriger musste ich als Ältester meinem Vater in der Metzgerei helfen." Vater Arnulf Kirchner hatte sich 1951 am Marktplatz selbstständig gemacht. Der Metzgerberuf war deshalb für Raymund als ältesten Sohn vorgegeben. "Ich wuchs einfach so rein." Mit viel Engagement führte er nach dem Tod des Vaters ab Januar 1982 den Familienbetrieb weiter, setzte die Handwerkskunst seines Vaters bewusst fort, übernahm seine alten Familienrezepte zur Wurstherstellung und entwickelte auch neue.

Nach Erreichen des Rentenalters stand irgendwann die Frage der Nachfolge im Raum. Kirchners einzige Tochter hatte kein Interesse am Handwerk des Vaters und wurde Steuerfachangestellte. "Sie hat von klein auf unsere Arbeit kennengelernt", weiß ihre Mutter den Grund. Tagsüber die Metzgerei und bis vor 15 Jahren zusätzlich die eigene Gaststätte im Haus ließen kaum Freizeit. Also musste die Nachfolge anders geregelt werden. "Wir suchten einen soliden Pächter, der für echte Handwerksmetzgerei steht und sich in regionalen Produkten auskennt", das war für Raymund Kirchner wichtig. "Ich wollte keine Eintagsfliege, die den Laden morgen wieder dicht macht."

In der familiengeführten Rhönmetzgerei von Klaus Arnold, die neben ihrer Produktion auf etwa 2000 Quadratmetern in Gefäll derzeit neun Filialen in den drei Landkreisen Bad Kissingen, Rhön-Grabfeld und Schweinfurt betreibt, fand er schließlich den gewünschten Partner: "Das Vertrauen ist da." Schon die Väter kannten sich. Vor drei Jahren hatte Kirchner seinen Metzgerkollegen auf eine mögliche Geschäftsübernahme beiläufig angesprochen. Zu konkreten Verhandlungen kam es aber erst vor einem Jahr. Kirchner: "Wir waren uns schnell einig." Die Übernahme der Metzgerei Kirchner passt den Arnolds gut ins Konzept. "Sie liegt für uns direkt vor der Haustür und unsere Lieferfahrer kommen hier ohnehin jeden Tag vorbei", begründet Junior Tobias Arnold (28) die Entscheidung. "Als Rhöner Familienbetrieb werden wir den Handwerksbetrieb sichern und die vertraute Regionalität durch heimische Produkte erhalten."

Am 26. Januar wird der Wecker im Hause Kirchner zum letzten Mal frühmorgens klingeln. Was wird danach kommen? "Wir sind geistig noch nicht soweit", lacht Lydia Kirchner. Erst einmal ausruhen, dann will sie sich ein Hobby suchen. "Wandern tun wir beide gern." Ehemann Raymund hat schon konkretere Pläne: "Ich werde mich stärker meiner Musik widmen." Kirchner spielt Gitarre, Banjo und Mundharmonika und macht im Trio "Schwarzer Adler" mittelalterliche Musik oder singt Lieder der früheren Handwerksburschen. Hätte er sich in jungen Jahren frei entscheiden dürfen, hätte er einen künstlerischen Beruf gewählt.

Nach 58 Berufsjahren die Metzgerei jetzt aufzugeben, fällt ihm schwer. Doch der Zeitpunkt passt. Die gesetzlichen Auflagen werden immer strenger, klagt der Metzgermeister, und der Bürokratismus nimmt stetig zu. "Man muss immer mehr arbeiten, um die Gewinnspanne halten zu können." Diesen Stress will er sich in seinem Alter nicht mehr zumuten.

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