Bad Kissingen
Inklusion

"Mensch inklusive" im Wildpark Klaushof

Zusammenarbeit zwischen Lebenshilfe und Stadt Bad Kissingen mit dem Ziel, behinderte Menschen in die Arbeitswelt einzugliedern
Artikel drucken Artikel einbetten
Helferin Samira Kempf (19) sorgt sich um ein krankes Kaninchen. In Zukunft könnte sie das Gehege alleine betreuen. Foto: Sigismund von Dobschütz
Helferin Samira Kempf (19) sorgt sich um ein krankes Kaninchen. In Zukunft könnte sie das Gehege alleine betreuen. Foto: Sigismund von Dobschütz
+2 Bilder

Im Februar hatte die Stadt Bad Kissingen den Vertrag mit der Lebenshilfe Schweinfurt für eine Zusammenarbeit im Projekt "Mensch inklusive" unterzeichnet. Ziel der Kooperation ist die Einbindung behinderter Menschen in die reguläre Arbeitswelt. Mit dem Einsatz der 19-jährigen Samira Kempf aus Bad Bocklet in einer über zweijährigen Ausbildungszeit zur Tierpflegerin im Wildpark Klaushof beginnt nun die praktische Umsetzung.

Die Zusammenarbeit mit jungen Menschen mit Behinderung ist für die Mitarbeiter des Wildparks Klaushof schon Tradition. "Vor acht Jahren starteten wir eine erfolgreiche Kooperation mit der Franz-von-Prümmer-Schule und deren Lehrer Mark Grund", erzählt Wildpark-Leiter Axel Maunz. Seit 2010 kommt der Studienrat jeweils donnerstags für drei Stunden mit wechselnden Gruppen von maximal fünf Schülern der Berufsbildungsstufen 10 bis 12 zum Arbeitseinsatz. "Dabei geht es nicht um Esel streicheln", betont Maunz die Ernsthaftigkeit der Zusammenarbeit. Denn anschließend dürfen sich die Schüler für ein- oder mehrwöchige Praktika im Wildpark bewerben, bei Eignung und Interesse mit Option auf Verlängerung, worauf im besten Fall sogar ein Arbeitsvertrag folgen kann.

Auch Samira Kempf kam über die Prümmer-Schule und mehrere Praktika auf ihren Berufswunsch zur Tierpflegerin und schaffte nun den Sprung ins Berufsleben. Seit September ist sie im Rahmen des Lebenshilfe-Projekts "Mensch inklusive" im Wildpark beschäftigt. "Ich wollte unbedingt mit Tieren arbeiten", begründet die 19-Jährige ihre Entscheidung, denn mit Hund, Hasen und anderen Tieren wuchs sie im Elternhaus auf. "Im Klaushof bin ich den ganzen Tag an der frischen Luft. Regen oder Schnee machen mir nichts aus."

Inzwischen hat sie sich gut eingearbeitet. "Die Kollegen sind alle nett und helfen mir." Kollegiale Unterstützung ist wichtig. "Ich kann nicht schwer heben", gibt Kempf offen zu, lässt es sich aber nicht nehmen, gleichzeitig eine schwere Kiste mit Hasenstreu zu wuchten. Die Hasen-Gehege sind ihr Arbeitsplatz. Ziel des Einsatzes ist es, erklärt Axel Maunz, ihr dieses Revier später eigenverantwortlich zu überlassen.

Außer von ihren Kollegen wird die 19-Jährige seitens der Lebenshilfe von Inklusionsbetreuer Stefan Kohlhepp begleitet. Er erstellt den auf Samiras Fähigkeiten abgestellten Bildungsplan: "Welche Aufgaben kann sie erfüllen, was soll sie lernen?" Kohlhepp führt die junge Frau an den Arbeitsprozess heran und wacht über ihre Zufriedenheit und ihr Wohlbefinden. Momentan ist sie sehr zufrieden. Stolz erzählt sie von ihrem Besuch im Luchs-Bau, natürlich in Begleitung des Tierarztes: "Ich hatte überhaupt keine Angst."

Überaus zufrieden mit dem Einsatz von Samira Kempf ist auch Peter Pratsch, Projektleiter "Mensch inklusive" bei der Lebenshilfe Schweinfurt. "Menschen mit Behinderung haben einen gesetzlichen Anspruch auf Teilhabe am Arbeitsleben." Hierzu gehört ein Arbeitsplatz in einer Behindertenwerkstatt, aber auch ausgelagerte Einsätze wie im Klaushof. "Jeder Mensch hat bestimmte Fähigkeiten." Diese Fähigkeiten, individuell und angemessen eingesetzt, können Arbeitgeber von Routinearbeiten entlasten.

Trotz ihrer Tätigkeit im städtischen Wildpark ist Samira Kempf bei der Lebenshilfe Schweinfurt angestellt und erhält von der Agentur für Arbeit ein Ausbildungsgeld. Dennoch ist ihr Einsatz im Klaushof für die Stadt nicht kostenlos. "Wir zahlen an die Lebenshilfe ein angemessenes Arbeitsentgelt", bestätigt Oberbürgermeister Kay Blankenburg. "Wir nehmen den Begriff Inklusion, also die Einbindung behinderter Mensch in den ersten Arbeitsmarkt, sehr ernst." Aktuell beschäftigt die Verwaltung 26 schwerbehinderte Menschen, nach dem Gesetz müssten es nur 15 sein. Das Siegel "Kooperationspartner Mensch inklusive" an der Rathaustür ist also verdient. "Unser Vertrag ist nicht nur ein Stück Papier", bestätigt Projektleiter Peter Pratsch die neue Kooperationsvereinbarung mit der Stadt und wünscht sich "noch mehr Türöffner für unser Projekt".



was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren