Bad Kissingen
Erste Hilfe

Mehr Praxis in den Erste-Hilfe-Trainings

Seit Monatsbeginn gelten neue Vorgaben für die Auffrischungskurse betrieblicher Ersthelfer. Den bisherigen Teilnehmern gefällt's .
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Jede Menge Praxis: Während Jens Endreß die Herzdruckmassage macht, klebt seine Kollegin Tanja Endreß die Elektroden für das Laien-Defibrilationsgerät an den Brustkorb der Übungspuppe. Foto: Ralf Ruppert
Jede Menge Praxis: Während Jens Endreß die Herzdruckmassage macht, klebt seine Kollegin Tanja Endreß die Elektroden für das Laien-Defibrilationsgerät an den Brustkorb der Übungspuppe. Foto: Ralf Ruppert
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Im Rot-Kreuzsaal sitzt ein bunt zusammengewürfelter Haufen: Von der Drogerie-Fachverkäuferin über Altenpfleger bis zum Konstruktionsmechaniker sind viele Berufsgruppen vertreten. Sie alle haben ein Ziel: Ihre Kenntnisse in Erster Hilfe auffrischen. Das ist für betriebliche Ersthelfer alle zwei Jahre Pflicht. "Wir machen das beide schon seit Jahrzehnten", berichtet Marion Seufert (55) aus Wirmsthal, die mit ihrer Kollegin Brigitte Naujoks (53) aus Hammelburg den Kurs besucht. Trotzdem ist es heuer anders: "Die intensive Praxis hatten wir sonst nicht."
Seufert und Naujoks arbeiten beide bei der Drogerie-Kette dm. "Wir versuchen, dass so viele wie möglich die Erste-Hilfe-Ausbildung haben", berichtet Seufert. Dadurch sei immer eine Ersthelferin im Laden. Die Vorsorge geht sogar weiter: Die Wirmsthalerin hat sogar den Brandschutzhelfer-Lehrgang: "Ich weiß, wie man einen Feuerlöscher bedient", sagt sie stolz.

Bisherige Kurse zu theoretisch

Beide haben ihre Kenntnisse in Erster Hilfe bereits eingesetzt: Bei Naujoks spaltete sich ein Monteur beim Ausbau eines Motors einen Finger, Marion Seufert musste eine Kundin versorgen, der wegen Unterzuckerung übel geworden war. Das habe auch gut geklappt: "Im Ernstfall versucht man immer zu helfen, so gut man eben kann." Und die vielen Übungen hätten dazu beigetragen, dass sie noch weniger Ängste habe, etwas falsch zu machen.
Dramatischer ging es bei einem Betriebsunfall zu, den Marco Seufert aus Pfersdorf miterlebte: Bei der Euerdorfer Firma "Eurodur" verletzte sich ein Kollege mit der Flex so schwer, dass er mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen werden musste. "Wir haben pro Werkshalle einen Ersthelfer", berichtet er. Der Pfersdorfer hat sich vor zehn Jahren auch deshalb freiwillig gemeldet, weil er das Wissen über Erste Hilfe für seine Tätigkeit bei den Reservisten gut gebrauchen kann.
"Die Berufsgenossenschaften haben festgestellt, dass die Kurse viel zu theoretisch waren", berichtet Ausbilderin Bettina Schleyer. Die 46-jährige Krankenschwester leitet bis zu drei Kurse in der Woche, und musste sich - wie alle rund 30 Ausbilder des Rot-Kreuz-Kreisverbandes Bad Kissingen - in den vergangenen Wochen umstellen. "Wir üben möglichst realitätsnah, damit die Teilnehmer sich im Ernstfall an die Handgriffe erinnern", erzählt sie.
"Wir hatten bislang rund ein Dutzend Kurse, und das Feedback der Teilnehmer war durchweg positiv", fasst Thomas Menz die Erfahrungen zusammen. Menz arbeitet hauptamtlich beim Roten Kreuz und organisierte alleine im vergangenen Jahr Erste-Hilfe-Trainings für 1344 betriebliche Ersthelfer und die üblichen Erste-Hilfe-Kurse für 1047 Teilnehmer.

Grundsatz Unternehmer haben dafür Sorge zu sagen, dass Berufskrankheiten und Unfälle möglichst vermieden werden und für Erste Hilfe gesorgt ist. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung hat dafür Unfallverhütungsvorschriften erlassen.

Personal Arbeitgeber müssen für Betriebsärzte sorgen, zudem sind je nach Betriebsgröße Fachkräfte für Arbeitssicherheit oder Sicherheitsingenieure vorgeschrieben, ab 20 Beschäftigten ist ein Sicherheitsbeauftragter zu bestellen. Ab 1500 Versicherten, auf Baustellen schon ab 100 Versicherten sind Betriebssanitäter Pflicht.

Ersthelfer Für die Erste Hilfe müssen Unternehmer bereits ab zwei anwesenden Versicherten einen Ersthelfer nachweisen. Bei mehr als 20 Arbeitnehmern müssen je nach Art des Betriebes zwischen fünf und zehn Prozent der Arbeitnehmer regelmäßig in Erster Hilfe geschult werden. Daneben gibt es viele Sonderfälle, in Kindertagesstätten etwa ist mindestens ein Ersthelfer pro Gruppe vorgeschrieben.
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