Bad Kissingen
Infrstruktur

Mehr Leben für die Ortskerne

Der Landkreis Bad Kissingen erhält Zuschüsse für neue Projekt zur Innenentwicklung. Auch die Denkmalpflege ist an der Belebung der Altorte interessiert.
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"Ein altes Haus hat einen ganz anderen Charakter als ein Neubau", sagt Joachim Hepp, der gemeinsam mit seiner Frau Sabrina das alte Forsthaus in Hassenbach renoviert hat. Foto: Arkadius Guzy/Archiv
"Ein altes Haus hat einen ganz anderen Charakter als ein Neubau", sagt Joachim Hepp, der gemeinsam mit seiner Frau Sabrina das alte Forsthaus in Hassenbach renoviert hat. Foto: Arkadius Guzy/Archiv
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Hassenbach als Vorbild: Christian Schmidt vom Landesamt für Denkmalpflege stellte in der jüngsten Bürgermeister-Dienstbesprechung gelungene Beispiele aus dem Oberthulbaer Gemeindeteil vor. "Denkmalpflege ist Innenentwicklung" lautete seine Botschaft. Zudem verwies Landrat Thomas Bold (CSU) auf mehrere geförderte Projekte, die für mehr Leben in den Ortskernen und eine verbesserte Infrastruktur auf dem Land sorgen sollen.


Weniger Bauland neu ausweisen

Bereits erschlossene Flächen sollten besser genutzt werden, statt neue Baugebiete auszuweisen, betonte Denkmalpfleger Schmidt. Baudenkmäler machten dabei nur zwei Prozent des Gebäudebestandes aus. Eine wichtige Rolle spiele die Einstellung zu alter Bausubstanz: "Die Betrachtung eines Baudenkmals als Altlast ist natürlich falsch", stellte Schmidt klar. Schließlich seien in Absprache durchaus Veränderungen möglich: "Erhalten bleiben soll immer die Kernaussage des Denkmals, aber man kann natürlich trotzdem notwendige Eingriffe machen", betonte Schmidt.
Hassenbach sei ein Paradebeispiel: Dort wurde zunächst das Kaplanshaus von der Ortsgemeinschaft renoviert. "Die Menschen haben das Gebäude als Ortsmittelpunkt wiedergewonnen", sagte Schmidt. 2011 wurde das Landesamt für Denkmalpflege dann auf das benachbarte so genannte Forsthaus aufmerksam. Das Ehepaar Hepp renovierte das Gebäude mit Beratung und Unterstützung der Denkmalpflege. Im Sommer zogen sie ein. Mittlerweile gab es sogar einen Preis dafür.
"Nicht jedes Problem ist lösbar", kommentierte Landrat Thomas Bold die Arbeit der Denkmalpflege. Bürgermeister und Eigentümer sollten jedoch bedenken, dass die Denkmäler für alle Zeit verloren seien, wenn keine Lösung gefunden werde. Für Hassenbach sei die Renovierung der beiden Gebäude jedenfalls eine große Aufwertung.


Sozialen Nahraum erhalten

Aber es gibt auch völlig andere Ansätze, Leben in die Orte zu bringen oder es dort zu halten. "Es geht darum, älteren Menschen zu ermöglichen, im Alter gut zu leben", stellte Antje Rink das Projekt "Demographie" vor. 22 Prozent der Senioren hätten keine Kinder im Landkreis, 23 Prozent leben alleine in einem Haushalt, verwies sie auf eine aktuelle Umfrage. Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und die Erhaltung des sozialen Nah- raums seien wichtig. Aber auch für jüngere Menschen, für Bauherren oder in den Bereichen Bildung und Nahverkehr gibt es Angebote:

Projektmanagement Das bayerische Heimatministerium hat dem Landkreis drei neue Projekte genehmigt: Der Kreis erhält 80 Prozent Zuschuss auf Personalkosten und Beratungsleistungen, maximal jedoch 300 000 Euro bis Ende 2018. Die Projekte "Demographie" und "Mitten im Ort" laufen seit Anfang September, das Projekt "Standortfaktor Bildung" seit 9. Oktober.

Ansprechpartner Das Projekt "Demographie" betreut Antje Rink in Vollzeit, zu erreichen ist sie unter Tel.: 0971/ 801 31 60 oder Mail antje.rink@kg.de. Für die anderen beiden Projekte sind jeweils halbe Stellen vorgesehen, für "Standortfaktor Bildung" Anke Barthel, Tel.: 0971/ 801 51 90, Mail anke.barthel@kg.de, für "Mitten im Ort" Dorothee Schmitt, Tel.: 0971/ 801 51 92, Mail dorothee.schmitt@kg.de.

Nahverkehr Gemeinsam mit dem Landkreis Rhön-Grabfeld hat sich der Landkreis Bad Kissingen erfolgreich für das Bundesprojekt "Langfristige Sicherung von Versorgung und Mobilität in ländlichen Räumen" beworben. Bis Mai 2018 wurden dafür 480 000 Euro bereit gestellt. Geplant sind unter anderem Projekte in der Telemedizin und der Elektromobilität.

Gesundheitsregion Ein weiteres Förderprojekt beschäftigt sich gezielt mit der Gesundheitsvorsorge. Unter dem Gütesiegel "Gesundheitsregion plus" fließen bis Ende 2019 insgesamt 230 000 Euro in die Region.

Internet Vorgestellt wurden in der Bürgermeister-Dienstbesprechung auch Ideen für die digitale Innenstadt. Eine Firma stellte ein Konzept vor, bei dem sämtliche Angebote - von der Homepage der Kommune bis zu den Web-Angeboten von Einzelhändlern - in einer App zusammengeführt werden. Dadurch könnten die Besucher der Innenstadt gezielt informiert und geleitet werden.

Datenschutz Monika Horcher, die Datenschutzbeauftragte im Schulamtsbezirk Bad Kissingen, sensibilisierte die Bürgermeister für den Schutz von Daten. "Das ist bei vielen noch nicht angekommen", fasste sie die Situation in den insgesamt 35 Schulen im Landkreis zusammen. Und: "Manche Schulleitungen sind damit überfordert." Deshalb sollten die Kommunen die Schulen unbedingt unterstützen.


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