Bad Kissingen
Landwirtschaft

Mehr blühende Pufferzonen an den Gewässern der Region

Mit speziellen Saatmischungen können Landwirte blühende Gewässerschutzstreifen anlegen. Die Initiativen sind freiwillig, werden aber staatlich gefördert.
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Landwirt Jochen Then zeigt schon seinem kleinen Sohn, was auf seinem angelegten Gewässerschutzstreifen alles wächst. Theresie Dietz
Landwirt Jochen Then zeigt schon seinem kleinen Sohn, was auf seinem angelegten Gewässerschutzstreifen alles wächst. Theresie Dietz
Die Getreidefelder sind abgeerntet, die Fluren leeren sich. Gut zu sehen sind jetzt die blühenden, im Vergleich zu Kulturflächen fast "verwildert" aussehenden Pflanzenstreifen entlang der Lauer am Radweg zwischen Burglauer und Münnerstadt. Der Landwirt Jochen Then hatte sie als besondere Schauflächen für den Landbautag 2017 ausgesät. Vielerorts in den Landkreisen Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld gibt es zwischenzeitlich solche Streifen entlang von Bachläufen, Flüssen oder Wassergräben. Es sind Gewässerschutzstreifen, die die vor ungewolltem Eintrag von Erdreich und Schadstoffen schützen sollen.
Dass es dann oftmals blüht und summt in diesen Streifen, ist ein willkommener, ja gewünschter Nebeneffekt. Somit kann auf Ackerflächen gleich auch noch etwas Gutes die dort lebende Fauna getan werden. Das ganze Jahr über von den mehrjährigen Pflanzen mit unterschiedlichen Blühzeiträumen angelockt, tummeln sich deshalb entlang der Lauer unzählige Insekten in den Blühstreifen. Und nicht nur Insekten finden auf solchen Gewässerschutzstreifen Lebensraum, sondern auch Hasen oder im besten Fall sogar Rebühner, meint Bernd Morche vom Amt für Landwirtschaft und Ernährung in Bad Kissingen.


Andere ziehen nach

Matthias und Sebastian Ries waren in Poppenlauer die ersten Landwirte, die das Förderprogramm in Anspruch nahmen und Grünstreifen entlang von wasserführenden Gräben aussäten. Mittlerweile, so die Beobachtung von Matthias Ries, haben andere Kollegen nachgezogen. Ganz so blühend wie erhofft, hat sich ihr Schutzstreifen allerdings in diesem Jahr nicht entwickelt.
Die Gewässerschutzstreifen dürfen weder gedüngt, noch mit Pflanzenschutzmitteln behandelt werden. Sie sollen verhindern, dass Gewässer wie die Lauer zusätzlich mit unerwünschten Stoffen aus der Landwirtschaft belastet werden. Für die Anlage solcher Gewässerschutzstreifen können Landwirte EU-Fördergelder erhalten. Dafür gibt es klare Spielregeln. So müssen die blühenden Streifen in der Feldflur mindestens einmal im Jahr gepflegt werden. Jochen Then und Matthias Ries mulchen ihre Flächen. Möglich wäre aber auch, sie als Energiefrucht zu nutzen und in eine Biogasanlage zu bringen. Das allerdings lohnt sich oftmals nicht, weiß Bernd Morche.


Noch Luft nach oben

"Das Programm wird gut angenommen", sagt Theresia Dietz vom Amt für Landwirtschaft und Forsten in Bad Neustadt.Im Landkreis Bad Kissingen haben Bauern auf ungefähr 70 Hektar Fläche blühende Bänder angelegt. "Da kommen schon viele Kilometer zusammen", meint Sebastian Ries.
Dreimal größer ist die Fläche , die im Landkreis Rhön-Grabfeld zum Gewässerschutz angesät wurde.Dass die Zahl im Landkreis Bad Kissingen im Vergleich zu Rhön-Grabfeld hinterherhinkt, liege vielleicht auch daran, dass es im Kreis Bad Kissingen entlang einiger Gewässer hauptsächlich Grünland gebe, vermutet Morche. Aber er sagt auch: "Es gibt noch Luft nach oben".


Lob von der Wasserwirtschaft

"Außerordentlich" begrüßt das Wasserwirtschaftsamt Bad Kissingen nach Auskunft von Birgit Imhof, wenn Landwirte solche Schutzstreifen anlegen. Denn im Landkreis gebe es Gewässer dritter Ordnung, bei denen die Ackerflächen teilweise bis ans Ufer heranreichen.
Solche Schutzstreifen würden eine naturnahe Entwicklung der Bäche und Flüsse fördern, die Gewässer vor zu hohem Nährstoffeintrag und dem Eintrag von Pestiziden schützen. Das Anlegen von Gewässerschutzstreifen beruht in Bayern auf Freiwilligkeit. In Thüringen gibt es seit der Novellierung des Wassergesetzes 2018 klare Vorgaben. Der Landwirt kann dort zukünftig wählen, ob er einen 10-Meter-Streifen als Ackerland nutzt und künftig auf jeglichen Chemie-Einsatz verzichtet. Oder er entscheidet sich für die zweite Option: Die ersten fünf Meter am Gewässer werden dauerhaft begrünt, dann können die anderen fünf Meter ohne Einschränkung bewirtschaftet werden.


Gespräch mit Spaziergängern

Jochen Then nutzt seine Schauflächen entlang der Lauer dafür, mit Spaziergängern oder Radlern ins Gespräch zu kommen. Er will zeigen, dass die Landwirte etwas für ihre Umwelt tun. "Ich lade die Verbraucher zu mir auf die Felder ein, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen". Unterstützung für seine Initiative erhält er vom Fachzentrum für Agrarökologie vom Amt für Ernährung und Landwirtschaft und Forsten in Karlstadt.
Auch der BBZ-Kreisobmann Edgar Thomas aus Nüdlingen hält solche Streifen für sinnvoll: "Wir Landwirte sind experimentierfreudig." Er sieht solche Maßnahmen als Beitrag zum Klimaschutz. Und er weiß: "Es macht ein positives Bild." Er selbst hat heuer einen Hektar als Blühfläche angelegt. Allerdings handle es sich nicht um einen Gewässerstreifen, sondern um den Versuch ökologischere und Klima stabilere Alternativen zum Mais auszutesten. Für Edgar Thomas wäre wichtig, dass mit diesen Blühstreifen und -flächen auch eine Wertschöpfung erzielt werden kann. Das heißt für ihn, dass diese einen wirtschaftlichen Ertrag außerhalb der reinen staatlichen Förderung bringen sollten. Er denkt an die Nutzung als Energiequelle für Biogasanlagen.
Vollerwerbslandwirte mit vielen Pachtflächen würden die staatliche Förderung von blühenden Ackerflächen teilweise aber mit Sorge beobachten, soThomas. Denn die Subvention lasse manchen Nebenerwerbslandwirt überlegen, seine eigene, aber verpachtete Fläche der Förderung wegen wieder selbst zu bewirtschaften.


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