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Gesundheit

Masern-Impfpflicht kommt

Kinder, die diesen Sommer neu in den Kindergarten oder in die Schule kommen, müssen nachweisen, dass sie gegen Masern geimpft sind. Im Landkreis Bad Kissingen herrscht bisher Gelassenheit.
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Neu eingeschulte Kinder müssen ab dem neuen Schuljahr einen Impfnachweis erbringen.Zerbor, adobe stock
Neu eingeschulte Kinder müssen ab dem neuen Schuljahr einen Impfnachweis erbringen.Zerbor, adobe stock

Ab 1. März besteht die bundesweite Masern-Impfpflicht. Gesundheitsminister Jens Spahn hatte für sie gekämpft. Kritiker wie der Präsident der Bundesärztekammer Frank Ulrich Montgomery hielten die Einführung des Gesetzes nicht für sinnvoll: "Spahn prescht vor und hat die Folgen nicht immer vor Augen". "Verfassungswidrig" sei diese Regelung sogar, behaupteten manche Gegner des Gesetzes. Nun tritt es in Kraft. Wie sieht es in der Region aus?

Manuela Sauer, die Leiterin des Bad Kissinger Kliegl-Kindergartens sieht der Einführung des neuen Gesetzes gelassen entgegen: "Eltern, die absolute Impfgegner sind, sind die ganz große Ausnahme." Im Kliegl-Kindergarten seien bisher nur zwei von 93 Kindern nicht geimpft. "In Zukunft werden wir nur Kinder aufnehmen, die geimpft sind", sagt sie. Diese Regelung ist möglich, da es in Deutschland im Gegensatz zur Schul- keine Kindergartenpflicht gibt.

Zu Problemen im Kindergarten wird das neue Gesetz wohl nicht führen: "Wir kontrollieren jetzt schon regelmäßig", erklärt Sauer. Und: "Wir prüfen, ob die Kinder die Impfungen haben und ob es ein U-Heft gibt." Hinter dem Begriff verbirgt sich die umgangssprachliche Bezeichnung für das gelbe Kinderuntersuchungsheft. "Sollte es Kinder geben, die man nicht impfen kann, weil sie etwa chronisch krank sind, für diejenigen brauchen wir dann eine ärztliche Bescheinigung", heißt es von der Kindergartenleiterin.

Die regelmäßigen Kontrollen, die Kindergärten und Schulen durchführen, scheinen Wirkung zu zeigen. Drei Masernfälle im Landkreis Bad Kissingen sind für das Jahr 2018 dem Staatlichen Gesundheitsamt bekannt. 2016, 2017 und 2019 gab es keine Erkrankungsfälle. "Im Jahr 2015 hatten wir im Landkreis Bad Kissingen eine Masernerkrankung", teilt Lena Pfister, Pressesprecherin des Landratsamtes Bad Kissingen, die Meldezahlen schriftlich mit.

Das Ziel: Masern ausrotten

Auch im Regierungsbezirk Unterfranken gab es in den ersten Wochen dieses neuen Jahres keine gemeldeten Masernfälle. Auch auf Landesebene scheint die Lage bislang entspannt zu sein: Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit gibt auf seiner Homepage für die ersten sechs Wochen des Jahres 2020 keinen Fall von Masernerkrankungen an. Ziel des Bundesgesundheitsministers Spahn ist es, mit der Impfpflicht die Masern auszurotten.

Einschulung von Grundschülern

"Windpocken kommen häufiger vor", berichtet Schulleiterin Barbara Buz von der Grundschule Bad Brückenau. Auf einer Schulleiterdienstbesprechung Anfang Februar in Bad Kissingen sei das Thema Masernimpfpflicht bisher "nur am Rande gestreift" worden. Der Grund dafür ist eine Übergangsfrist, die bis zum 31.7.2021 gilt.

Neu eingeschulte Kinder müssten ab kommendem Sommer einen Nachweis für die erfolgten Impfungen gemeinsam mit der Vorschuluntersuchung einreichen. Bei bereits eingeschulten Schülern kontrolliere voraussichtlich die jeweilige Klassenleitung der Grundschulklassen, ob ein Impfschutz vorhanden sei. Weitere Informationen zum genauen Vorgehen, so vermutet die Bad Bad Brückenauer Grundschulleiterin, kämen von der Regierung voraussichtlich nach den Faschingsferien.

Rund um die Masern-Impfpflicht

Krankheit Masern verlaufen laut dem Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege in zwei Phasen. Zunächst beginnt es mit Fieber, Bindehautentzündung, Schnupfen und Husten. Nach ungefähr drei bis sieben Tagen tritt der für Masern typische Hautausschlag auf. Er beginnt zuerst im Gesicht, die Flecken bilden sich später am ganzen Körper. Der Ausschlag bleibt vier bis sieben Tage bestehen. Danach schuppt sich die Haut. Folgen der Krankheit können eine Mittelohrentzündung, eine Lungenentzündung bis hin zu einer Gehirnentzündung mit dauerhaften Schäden sein. Säuglinge, aber auch Erwachsene sind besonders gefährdet.

Verbreitung der Krankheit Das Robert Koch Institut erfasste für das Jahr 2019 in Deutschland knapp 600 Masernfälle.

Impfvorgang Eine Impfung schützt vor der Krankheit. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt, Kinder im Alter von 11 bis 14 Monaten mit einer ersten Masern-Mumps-Röteln-Kombinationsimpfung (MMR)zu impfen. Eine zweite Impfung sollte im Alter von 14 bis 23 Monaten erfolgen. Wer vor 1970 geboren ist, hat die Krankheit mit hoher Wahrscheinlichkeit durchgemacht und ist immun. Erwachsenen, die nach 1970 geboren wurden, empfiehlt die Impfkommission eine Impfung.

Wer ist betroffen Eltern, deren Kinder einen Kindergarten oder eine Schule besuchen, Personen wie Erzieher, Lehrer, Pfleger und medizinisches Personal (soweit diese Personen nach 1970 geboren sind), Asylbewerber und Flüchtlinge sollten eine Impfung nachweisen.

Politik Der Bundestag hat das Masernschutzgesetz im November und Dezember 2019 beschlossen. Der Bundesrat bewilligte die Gesetzesvorlage. Es ist unter anderem vorgesehen, dass alle Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr, beim Eintritt in die Schule oder den Kindergarten die Masern-Impfungen vorweisen müssen. wns

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