Bad Kissingen
Wahl

LBV-Kreisgruppe Bad Kissingen: Rote Karte für Norbert Schmäling

Weil sich der ÖDP-Kreisrat zu sehr für die Windkraft einsetzte, traten seine Vorstandskollegen beim Landesbund für Vogelschutz zurück. Mit Kommentar
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Norbert Schmäling setzt sich als Geschäftsführer des Münnerstädter Windparks seit Jahren für den Klimaschutz ein. Aus Sicht der Mitglieder des Landesbundes für Vogelschutz ist das ein Interessenskonflikt, deshalb musste Schmäling nun seinen Hut als Kreis-Vorsitzender nehmen. Foto: Heike Beudert/Archiv
Norbert Schmäling setzt sich als Geschäftsführer des Münnerstädter Windparks seit Jahren für den Klimaschutz ein. Aus Sicht der Mitglieder des Landesbundes für Vogelschutz ist das ein Interessenskonflikt, deshalb musste Schmäling nun seinen Hut als Kreis-Vorsitzender nehmen. Foto: Heike Beudert/Archiv
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Gerade einmal 34 Wochen war Norbert Schmäling

Kreis-Vorsitzender im Landesbund für Vogelschutz (LBV). Ende September war der Oberthulbaer einstimmig zum Nachfolger von Dieter Fünfstück gewählt worden. Nach internen Diskussionen und einem umstrittenen Interview in dieser Zeitung entzog ihm der restliche Vorstand jedoch das Vertrauen und trat geschlossen zurück. In einer außerordentlichen Versammlung zog nun Schmäling die Konsequenzen und legte sein Amt nieder. Nun führt Fünfstück die Kreisgruppe Bad Kissingen wieder - "aber nur für zwei Jahre", wie er klarstellte.

Diskussion um Roßbacher Forst

Den Stein ins Rollen gebracht hatte die Diskussion um den geplanten Windpark im Roßbacher Forst: Schmäling sorgte für Aufruhr bei den Gegnern, weil er sich gegen generelle Verbote von Windrädern aussprach. Eine große Rolle spielte dabei, dass Schmäling gleichzeitig Geschäftsführer eines Windparks ist. Darin sahen auch viele der 154 LBV-Mitglieder im Landkreis einen Interessenkonflikt.

Zu Beginn der Krisensitzung verteidigte Schmäling seine Haltung: "Die gesamte Biosphäre leidet unter dem Klimawandel", sagte der ÖDP-Kreisrat. Aus seiner Sicht reiche da der klassische Artenschutz nicht mehr als Antwort: Natürlich sei es wichtig, den Verlust von Lebensräumen oder die Natur-Verschmutzung vor Ort zu verhindern, allerdings müssten auch die etablierten Verbände die "unverzügliche Umstellung der Energieversorgung" vorantreiben: "Windenergie muss sich mit Artenschutz versöhnen."

Viele waren gegen das Interview

Als Schmäling gar von einem "Komplott" ihm gegenüber sprach, schritt LBV-Bezirksgeschäftsstellenleiter Marc Sitkewitz ein: "Wir befürworten regenerative Energien, aber unter Einhaltung des Artenschutzes." Stein des Anstoßes sei Schmälings Forderung gewesen, auch Schutzgebiete für Windräder zu öffnen. "Viele Leute haben jahrzehntelang für diese Schutzgebiete gekämpft, die kann man nicht einfach aufgeben", sagte Otmar Diez, der mehr als 20 Jahren stellvertretender Vorsitzender war, erst unter Fünfstück, dann unter Schmäling. Deshalb hätten viele Schmäling abgeraten, seine Aussagen im Interview zu wiederholen.

Dem neuen Vorstand gehören neben Dieter Fünfstück (Oerlenbach) und seinem Stellvertreter Otmar Diez (Sulzthal) Schriftführerin Martina Faber aus Bad Bocklet, Schatzmeisterin Monika Koch aus Maßbach und Beisitzer Matthias Franz aus Seubringshausen an. Alle freuten sich, dass der Streit ohne den Austritt von Mitgliedern beendet wurde, auch Vogelfreund Schmäling bleibt im LBV.

Dazu ein Kommentar von Redakteur Ralf Ruppert:

Den Mitgliedern und vor allem dem bisherigen Vorstand war die Erleichterung nach der außerordentliche Kreisgruppenversammlung deutlich anzumerken: Wenn Norbert Schmäling nicht freiwillig zurückgetreten wäre, hätte das eine lange Hängepartie bedeuten können. Der oberste Vogelfreund im Landkreis hat dem LBV damit einen wichtigen Dienst erwiesen, auch wenn er seinen Beitrag zur Krise nicht recht einsehen wollte.

Bei dem Treffen wurde schnell klar, dass sich da keine Leugner des Klimawandels quer stellen. Im Gegenteil: Viele Vogelfreunde beobachten die Veränderungen in der Natur mit großer Sorge. Mit geschultem Auge sehen sie, welche Pflanzen- und Tierarten plötzlich in der Region auftauchen, die es hier bisher nicht gab.

Trotzdem war allen die gemeinsame Basis der Arbeit im LBV wichtiger: Kern-Kompetenz des Verbandes ist der Fokus auf den Artenschutz. Deshalb wollen die Mitglieder niemanden an der Spitze der Kreisgruppe, der die Gefahr von Windrädern für Rotmilan, Fledermaus und Co. kleinredet.

Naturschutz ist eben nicht gleich Naturschutz. Auch der Rhönklub tut sich seit langem schwer, eine einheitliche Linie bei der Windenergie zu finden: Dort ist es der Landschaftsschutz, den viele nicht mit der "Verspargelung" in Einklang bringen können.

Entscheidend ist, dass Norbert Schmäling die Aussagen in seinem Amt als LBV-Kreis-Vorsitzender gemacht hat oder als solcher Stellungnahmen zu Projekten abgibt. Und da hat er nun einmal die Ziele und Werte des Verbandes zu vertreten. Auch in gemeinnützigen Verbänden gilt eben die so genannte Regelkonformität (neudeutsch Compliance) wie in Unternehmen.

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