Bad Kissingen
Aktion

Landwirte im Landkreis Bad Kissingen mahnen mit Grünen Kreuzen

Die Landwirte protestieren leise gegen die Agrarpolitik und wollen auf die allgemeine Lage in der Landwirtschaft hinweisen. Sie wollen nicht mehr für alles der Sündenbock sein.
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Georg Scheuring, Edgar Thomas, Andreas Schlembach, Ursula Fiedler und Roland Bieberich errichten ein grünes Kreuz nahe Kleinwenkheim. Im Landkreis entstehen immer mehr grüne Kreuze, die Mahnaktion der Landwirte läuft in ganz Deutschland. Thomas Malz
Georg Scheuring, Edgar Thomas, Andreas Schlembach, Ursula Fiedler und Roland Bieberich errichten ein grünes Kreuz nahe Kleinwenkheim. Im Landkreis entstehen immer mehr grüne Kreuze, die Mahnaktion der Landwirte läuft in ganz Deutschland. Thomas Malz
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Es ist eine stille Mahnung. "Wir wollen nicht demonstrieren, oder die Regierung mit Gülle vollspritzen, wie sie es in anderen Ländern machen", sagt Andreas Schlembach, Ortobmann des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) in Kleinwenkheim. Deshalb war er gleich dabei bei der Aktion "Grüne Kreuze", zu der Willi Kremer-Schillings (Bauer Willi) im Internet aufgerufen hat. Das erste Grüne Kreuz im Landkreis hat BBV-Kreisobmann Edgar Thomas in Nüdlingen aufgestellt. Überall sind sie inzwischen zu sehen. Bei der Aktion in Kleinwenkheim erläutern die Verantwortlichen, worum es ihnen geht.

"Wir wollen wachrütteln", sagt Roland Bieberich, Ortobmann in Althausen und Vorstandsmitglied im Kreis. "Weil der Landwirt momentan für alles als Sündenbock herhalten muss." Ob es das Insektensterben oder die Rodung des Regenwaldes sei: "Wir sind an allem schuld." Kleinwenkheims Ortsbäuerin Ursula Fiedler sieht die Aufstellung der Grünen Kreuze auch als Zeichen, dass die Leute selbst etwas gegen den Klimawandel und für die heimische Landwirtschaft tun können, wenn sie beispielsweise regionale Produkte kaufen. Es müsse beim Einkaufen nicht die Butter aus Irland sein, wenn die heimische daneben liegt, findet sie.

"Gesellschaftliche Akzeptanz ist uns wichtig", betont Edgar Thomas. "Wir leisten ordentliche Arbeit und wir werden auf dem Altar der einfachen Wahrheiten geopfert." Dabei habe es der Verbraucher selbst in der Hand. "Beim Discounter Fleisch einkaufen und gleichzeitig einen hohen Standard bei der Tierhaltung verlangen - das passt nicht zusammen", ist er überzeugt. Beim heimischen Landwirt habe der Verbraucher die Möglichkeit zu schauen, wo und wie das Tier gelebt hat, das er kauft.

Georg Scheuring, Geschäftsführer des BBV-Kreisverbandes und Nebenerwerbslandwirt erläutert, warum die Landwirte gegen neuerliche Auflagen aus der Politik sind. "Wir haben in Deutschland sehr hohe Standards und sie werden immer noch höher geschraubt", sagt er. Durch neue Verbote und Verordnungen werde die Produktion immer teurer. "Aber die Produktpreise steigen nicht."

Andreas Schlembach, der einen ökologischen Betrieb mit Direktvermarktung hat, sieht noch ein anderes Problem: "Es wird durch die Politik ein Keil zwischen konventioneller und ökologischer Landwirtschaft getrieben", findet er. "Es gibt keine guten und schlechten Landwirte". So sei die konventionelle Landwirtschaft in machen Bereichen sogar besser für auf den Feldern lebende Tiere als die ökologische, erklären die Experten und belegen das an einem Beispiel der Bodenbearbeitung. Ökologische Landwirtschaft sei eine Nische und keineswegs für jeden Landwirt geeignet. "Öko und konventionell - gemeinsam erfolgreich", sagt Edgar Thomas dazu. "Wir wollen gute Nahrungsmittel produzieren, und das können wir." Nur fehle es an Verständnis der Politik und oft auch an Akzeptanz in der Bevölkerung. Die Grünen Kreuze sollen einfach auch zum Nachdenken anregen.

Aktion Der Bayerische Bauernverband unterstützt die deutschlandweite Aktion "Grüne Kreuze". Dahinter steht eine Bewegung aus der Landwirtschaft, auf Feldern und in Wäldern Grüne Kreuze aufzustellen. Die Aktion ist als Mahnzeichen gegenüber der Politik und Gesellschaft gedacht, das auch die Verbraucher zum Nachdenken und zum Dialog einladen soll. Die Grünen Kreuze stehen dabei für für und gegen verschiedene Dinge.

Für Die Frünen Kreuze stehen für Tierhaltung auf den Bauernhöfen statt in Agrarfabriken. Ohne bäuerliche Landwirtschaft gebe esn keine verantwortungsbewusste regionale Tierhaltung, heißt es auf einem Infoblatt des Bayerischen Bauernverbandes. Außerdem stehen die Kreuze für Böden satt Beton. Alle drei Tage gehe in Bayern die Fläche eines durchschnittlichen Bauernhofes durch Versiegelung verloren. Damit verschwinde immer mehr fruchtbarer Boden und Lebensraum für heimische Tiere und Pflanzen. Gesunde statt kranke Pflanzen sind ein weiterer Aspekt. "Landwirte schützen ihre Pflanzen vor Krankheiten und Umwelteinflüssen", so der Bauernverband Die Zulassung und Verwendung von Wirkstoffen unterliege sehr strengen gesetzlichen Bestimmungen. Die Kreuze stehen auch für Düngen nach Bedarf statt nach Frist. Tierhaltung liefere einen wertvollen Beitrag zur Heimschen Nahrungsmittelversorgung. Für fruchtbare Böden werde Gülle und Mist gebraucht. Heimische Lebensmittel statt Fleisch aus Übersee ist der letzte Aspekt. Ein neues Freihandelsabkommen erleichtere die Einfuhr von Fleisch aus Südamerika.

Gegen Die Grünen Kreuze mahnen gegen steigende Auflagenflut, überzogene Bürokratie, Dumpingpreise für Essen, ungebremsten Flächenverbrauch und unfaire Handelspolitik. Quelle: BBV

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