Bad Kissingen
Landtag

Landtagswahl: Ernste Gesichter bei der Bad Kissinger CSU

Sandro Kirchner verteidigt sein Direktmandat, verliert aber Stimmen. Die Parteibasis sieht als Hauptschuldigen für den Absturz CSU vor allem die Groko.
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Ernste Miene: Sandro Kirchner (CSU) verliert zwar Stimmen, zieht aber dennoch mit deutlichem Vorsprung wieder in den Landtag ein.  Benedikt Borst
Ernste Miene: Sandro Kirchner (CSU) verliert zwar Stimmen, zieht aber dennoch mit deutlichem Vorsprung wieder in den Landtag ein. Benedikt Borst

Obwohl die CSU die Wahl gewonnen hat, ist an diesem Abend niemanden zum Jubeln zumute. Die Christsozialen haben bei der gestrigen Landtagswahl die absolute Mehrheit verloren und kommen nur noch auf annähernd 35 Prozent der Stimmen (2013: 54,4 Prozent). "Das Ergebnis war keine Überraschung", kommentiert Sandro Kirchner, Kreisvorsitzender der CSU und Direktkandidat für den Stimmkreis Bad Kissingen. Die Umfragewerte der vergangenen Monate haben nichts anderes erwarten lassen. Und dennoch: "Wir haben mit unserem Team vor Ort versucht, das Beste zu geben. Da ist es schon eine sehr große Enttäuschung."

Seinen Sitz im Landtag hat der Elektroingenieur aus Premich aber verteidigt, auch wenn er diesmal Stimmen verloren hat. Mit 49,7 Prozent der Erststimmen (Stand: 21.05 Uhr) hat er das Direktmandat für den Stimmkreis errungen. Im Vergleich zur Landtagswahl 2013 hat er rund vier Prozent der Stimmen verloren und damit im Verhältnis deutlich weniger als seine Partei. Kirchner: "Das ist natürlich von der politischen Großwetterlage beeinflusst. Aber es zeigt, dass meine Arbeit der letzten fünf Jahre wertgeschätzt wird." Weil die CSU in Zukunft auf einen Koalitionspartner angewiesen ist, stellt er sich auf ein anderes Arbeiten im Parlament ein. Eine Aussage, wen er sich als Koalitionspartner wünsche, wollte er am Wahlabend nicht treffen. Dafür müsste erst das Ergebnis und die künftige Sitzeverteilung in München feststehen.

Der Ausgang der Wahl sei zwar ein empfindlicher Dämpfer, die Partei habe aber dennoch den klaren Auftrag, zu regieren. Insofern sieht Kirchner das Ergebnis nicht als Abgesang auf die CSU als Volkspartei. Im europaweiten Vergleich habe man mit 35 Prozent immer noch hohe Zustimmung in der Bevölkerung.

Die Gründe für den Absturz der CSU sieht Kirchner unter anderem in Berlin. "Wir stellen fest, dass die Bundespolitik einen großen Einfluss hatte", sagt er. Grundsätzlich müsse das schlechte Abschneiden jetzt parteiintern und gründlich aufgearbeitet werden. Wähler hat die Partei seiner Einschätzung nach an Freie Wähler, FDP und AfD verloren. "Insgesamt hält sich das bürgerliche Lager mit CSU, FDP und FW die Waage", sagt Kirchner. Die Grünen profitieren seiner Ansicht nach von den Verlusten der SPD. Er betont, dass die CSU eine sehr erfolgreiche Naturschutz- und Klimaschutzpolitik verfolge.

Aggressive Minderheit

Regungslos nimmt der Ortsvorsitzende der Bad Kissinger CSU, Steffen Hörtler, das Wahlergebnis bei der ersten Hochrechnung zur Kenntnis. Auch er sieht den Absturz von der bundespolitischen Lage beeinflusst. "Ich hätte mir ein besseres Ergebnis gewünscht", sagt er. Als ein Aus für die Volkspartei empfindet er das Ergebnis ebenfalls nicht. "Wir haben verloren, aber jede andere Partei in Europa wäre froh, so ein Ergebnis zu haben", findet er. Positiv sieht er die hohe Wahlbeteiligung und dass die Linke den Einzug in den Landtag verpasst hat, negativ neben dem eigenen Ergebnis vor allem das zweistellige Abschneiden der AfD. Im Wahlkampf habe er als Listenkandidat für den Landtag eine kleine Minderheit sehr aggressiver Menschen erlebt. Darauf müsse man eine Antwort finden. "Da müssen die demokratischen Parteien gute Politik machen", kommentiert Hörtler.

Vom Wähler abgestraft

"Das Ergebnis ist nicht das, was man sich gewünscht hat, aber es war nach den Umfragen klar, dass man deutlich verlieren wird", sagt Landrat Thomas Bold (CSU).

Parteien, die über längere Zeit an der Bundesregierung beteiligt sind, stoßen bei Landtagswahlen oft auf Gegenwind und werden vom Wähler abgestraft. Es sei deshalb nicht überraschend, dass die Groko-Parteien verlieren. "Dass die Bundes- die Landespolitik beeinflusst, ist aber nichts außergewöhnliches." Die bayerische Landtagswahl folge dem Trend, der seit Jahren in ganz Europa zu beobachten ist: dass rechte Parteien wie die AfD Zulauf bekommen. "Jetzt ist wichtig, dass wir mit guter Sachpolitik überzeugen", meint er. Die CSU müsse in der derzeitigen Situation für jeden Koalitionspartner offen sein, ein Bündnis mit der AfD, schließt Bold aber kategorisch aus.

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