Bad Kissingen
Statistik

Landkreis Bad Kissingen trotzt den schlechten Prognosen

Die 26 Gemeinden melden eine insgesamt stabile Einwohnerzahl. Die Kreisstadt legt erneut zu, viele ländliche Kommunen verlieren dagegen kontinuierlich.
Artikel drucken Artikel einbetten
Zahl der Einwohner und die Veränderung gegenüber dem Vorjahr. Grafik: Dagmar Klumb
Zahl der Einwohner und die Veränderung gegenüber dem Vorjahr. Grafik: Dagmar Klumb

Die Prognosen waren schlecht: Demographen sagen dem Landkreis Bad Kissingen eigentlich mehr als zehn Prozent Bevölkerungsschwund in den kommenden 20 Jahren voraus. Tatsächlich wuchs der Kreis aber im Jahr 2017 um 169 Bürger mit Hauptwohnsitz und schrumpfte im Jahr 2018 um gerade einmal drei Einwohner. "Unser Ziel ist, dass wir die Bevölkerung auch in den kommenden Jahren stabil halten", betont Landrat Thomas Bold (CSU).

Sicher, günstig und zentral

Im Rahmen eines Modellprojektes hat sich der Landkreis Bad Kissingen in den vergangenen Jahren intensiv mit der demographischen Entwicklung beschäftigt. "In den verdichteten Räumen, vor allem natürlich in der Stadt Bad Kissingen, ist mit Wachstum zu rechnen", nennt Bold als ein Ergebnis. Schwieriger werde es in ländlichen Gebieten mit schlechterer Infrastruktur. "Dort müssen wir überlegen, was wir für die Versorgung und die Mobilität tun können", sagt Bold. Allerdings gebe es keine Allheil-Rezepte: "Für junge Familien sind Kindergärten und Grundschulen, vielleicht noch das Sport-Angebot in Vereinen wichtig, Senioren stellen sich eher die Frage: Wie komme ich zum Arzt und zum Einkaufen."

Insgesamt ist der Landrat aber optimistisch. Er erlebe immer wieder, dass leer werdende Wohnhäuser schnell wieder verkauft und belebt werden. Der Landkreis Bad Kissingen biete jede Menge Vorteile: Von der einzigartigen Natur über eine "hervorragende Sicherheitslage" und vielseitige Arbeitsplätze bis zur zentralen Lage in Deutschland: "Von hier aus hat man kurze Wege in alle wichtigen deutschen Ballungsräume, egal ob München, Berlin, Frankfurt oder Hamburg."

"Ich bin sehr froh darüber, dass wir schon seit 2009 einen stabilen Aufwärtstrend haben", kommentiert der Bad Kissinger Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD) die Zahlen. Zwar standen heuer in Bad Kissingen 169 Geburten 386 Sterbefälle gegenüber, aber: "Das Wanderungssaldo ist bei uns wie immer sehr positiv", sagt Blankenburg. Vor allem ziehe es natürlich Senioren in die Stadt, das liege an vielen Faktoren, darunter dem kulturellen Leben und der Sicherheit: "Ich habe hier nicht nur gute Konzerte, sondern ich traue mich auch, dort im Dunkeln hinzugehen." Aber auch viele junge Familien kommen laut OB, weil es attraktive Arbeitsplätze gebe: in der Wirtschaft und bei Behörden.

Zu den Kommunen, die bereits das zweite Jahr in Folge wachsen, gehört auch die Stadt Bad Brückenau. "Neben den Zuzügen in unsere Seniorenheime kommen auch viele junge Menschen, die zum Studium weg waren, zurück", freut sich die dortige Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU). Auch in Bad Brückenau gebe es deutlich mehr Todesfälle als Geburten, und die Zahl der Asylbewerber sei rückläufig, berichtet sie aus der Statistik. Sorge bereiten ihr allerdings die Nachbargemeinden: "Der Rückgang um uns herum betrübt mich, das betrifft ja auch uns, zum Beispiel unsere Mittelschule."

Den höchsten prozentualen Bevölkerungsrückgang hatte 2018 mit minus 2,3 Prozent der Markt Elfershausen. Einen konkreten Grund dafür kennt Bürgermeister Karlheinz Kickuth (SPD) nicht. Die Schließung des Schaeffler-Werks im Ort Ende 2017 will er jedenfalls nicht als Ursache akzeptieren. Laut Kickuth ziehen viele junge, hoch-qualifizierte Einwohner weg, weil sie keine Arbeit vor Ort finden. Trotzdem will die Gemeinde demnächst den Kindergarten Elfershausen um eine dritte Gruppe erweitern, und für das Neubaugebiet Elfershausen gebe es viele Nachfragen - auch von außerhalb.

Zwei Mal minus 68 in Folge

Absolut hat der Markt Burkardroth den größten Bevölkerungsschwund: Wie bereits 2017 schrumpfte die Zahl der Einwohner um 68, also um 0,9 Prozent. "Die Differenz zwischen Zu- und Wegzügen ist eigentlich kleiner geworden, aber wir hatten nur 54 Geburten 2018, sonst sind es über 60", sagt Bürgermeister Waldemar Bug (ödp). Dagegen stehen in der Statistik 94 Todesfälle.

Bereits seit zwei Jahren steuere die Gemeinde gegen: Nach 15 Jahren ohne neue Baugebiete wurden zwei neu erschlossen. In Stangenroth sind laut Bug ein Viertel der 14 Bauplätze verkauft. In Premich wurden im Dezember die 19 neuen Bauplätze vermessen: "Deshalb ist noch nichts verkauft, aber es gibt mehrere Interessenten." Außerdem hat die Gemeinde alle Flächen für ein neues Baugebiet in Burkardroth gekauft.

Weil das statistische Landesamt seine Bevölkerungszahlen erst im Juni veröffentlicht, hat die Redaktion die Zahlen direkt bei den Gemeinden abgefragt.



was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren