Bad Kissingen
Infoveranstaltung

Landkreis Bad Kissingen: Schwammspinner gefährdet Eichenwald

Weil in einem Waldstück bei Ebenhausen übermäßig viele Gelege des Schwammspinners gezählt wurden, soll am 19. April eine Infoveranstaltung stattfinden.
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So sieht die Raupe eines Schwammspinners beim Laubfraß aus. Symbolfoto: Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft/dpa
So sieht die Raupe eines Schwammspinners beim Laubfraß aus. Symbolfoto: Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft/dpa
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- Die Warnung des Landesamtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF, Bad Neustadt/Saale) ist klar: Auf der 16 Hektar großen Waldfläche am Wiesberg in Ebenhausen wurden an Eichenstämmen übermäßig viele Gelege des Schwammspinners gezählt, der von Fachleuten als schädlichste Art der "Eichenfraßgesellschaft" bezeichnet wird. Betroffen von diesem Schädling sind - momentan noch als einzige Waldbesitzer im Landkreis - jeweils zur Hälfte sowohl die Gemeinde Oerlenbach als auch 15 Privateigentümer. Für die Waldbesitzer sowie weitere Interessierte veranstaltet das AELF deshalb eine öffentliche Informationsveranstaltung in Ebenhausen am Donnerstag, 19. April, ab 19 Uhr im Landgasthof zum Hirschen. Bei dieser Gelegenheit soll das weitere Vorgehen beraten werden.

"Der Schwammspinner gehört zum Eichenwald", beruhigt Forstdirektor und AELF-Abteilungsleiter Hubert Türich. Man müsse ihn allerdings beobachten und eine mögliche Massenmehrung vermeiden, die sich wellenartig immer wieder nach wärmeren Jahren ankündigt. Zuletzt war Unterfranken nach Auskunft der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF, Freising) vor 25 Jahren befallen. Die Raupen dieses Falters können vom Zeitpunkt ihres Schlüpfens im Mai bis zur Verwandlung in den Schmetterling im Juni bei massenhaftem Auftreten für einen Kahlfraß in Eichenwäldern sorgen. Dies ist besonders dann der Fall, wenn auch noch die frischen Johannistriebe im Juni den bis zu fingerdicken und sieben Zentimeter langen Schädlingen zum Opfer fallen, da die Bäume sich danach nicht mehr regenerieren können. Türich: "Das ist dann das Todesurteil für die Eiche."

Zur ständigen Überwachung des Schwammspinner-Aufkommens sind in den Wäldern Lockstofffallen (Pheromonfallen) an Baumstämmen angebracht. Werden im Sommer mehr als 2000 Falter pro Falle gefunden, weist dies auf eine drohende Massenvermehrung hin, weshalb im Herbst die Eichenstämme vom Wurzelanlauf bis auf zwei Meter Stammhöhe nach Ei-Gelegen abgesucht werden. Wird durchschnittlich, also umgerechnet auf die Gesamtzahl aller Bäume auf diesem Waldstück, mehr als ein frisches Gelege pro Baum gefunden, dann besteht Gefahr durch Kahlfraß im Frühjahr, zumal sich die Jungraupen auch an selbst gesponnenen Seidenfäden vom Wind an bisher nicht befallene Bäume tragen lassen können. Diese "Gefahrenstufe Rot" trifft bis jetzt nur auf die begrenzte Waldfläche am Wiesberg mit Übergang in die Gemarkung Poppenhausen zu. "Der Landkreis kommt im Vergleich zu anderen Regionen total gut weg", bestätigt Forstdirektor Türich. Dennoch müsse über Gegenmaßnahmen nachgedacht werden.

"Die Bekämpfung ist notwendig", versichert der Forstexperte. Zur Zeit werden von amtlicher Seite Gegenmaßnahmen geprüft, wobei die Luftausbringung mit einem dafür speziell zugelassenen Insektizid prinzipiell feststeht, nur welches Mittel genutzt werden soll, ist noch unbestimmt. Entsprechend den Vorgaben des Naturschutzgesetzes wird es sich nicht um ein Kontaktgift handeln, versichert der Forstdirektor, sondern um ein "selektiv wirkendes Fraßgift", das alle gesetzlichen Auflagen erfüllt und andere Insekten nicht mit abtötet. In dieser Art war man auf kleiner Fläche zuletzt 2011 im Landkreis erfolgreich vorgegangen.

"Das Insektizid wird auch nicht gießkannenartig aus der Luft über die Landschaft gesprüht", erläutert Türich das Vorgehen. Dank heutiger Technik und des Einsatzes von GPS-Geräten könne man selektiv auf kleiner Fläche sprühen, so dass zum Beispiel schützenswerte Gewässer ausgelassen werden können. Genauere Informationen will Forstdirektor Hubert Türich am Donnerstag, 19. April, in Ebenhausen geben und mit den betroffenen Waldbesitzern besprechen.
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