Rund 643 600 Katholiken ab 18 Jahren, davon 57 873 im Landkreis Bad Kissingen, sind am Sonntag, 18. November, im Bistum Würzburg aufgerufen, insgesamt 892 Kirchenstiftungen zu wählen. "Kirche verwalten. Zukunft gestalten" lautet das Motto. In Garitz ist Erwin Hippler seit sechs Jahren Kirchenpfleger, der Kirchenverwaltung gehört er bereits seit 30 Jahren an. "Wenn das Licht nicht brennt, der Ton nicht funktioniert, die Glocken nicht läuten oder es durchs Dach regnet, ist die Kirchenverwaltung gefragt", fasst er seine Aufgaben zusammen.

Das Gremium verwaltet das Vermögen der jeweiligen Kirchenstiftung, während sich die Pfarrgemeinderäte eher um die Seelsorge kümmern. In Garitz umfasst der jährliche Haushalt rund 100 000 Euro. Der Etat der Kirchenstiftung Herz Jesu in Bad Kissingen liegt sogar bei rund 250 000 Euro pro Jahr. "Allerdings sind da alleine 40 000 Euro durchlaufende Posten", betont der Bad Kissinger Kirchenpfleger Peter Kaidel. Kollekten für Misereor, Weltmissionstag oder Caritas würden nämlich komplett weitergeleitet. Die Kirchenstiftung Herz Jesu muss Jakobus-, Marien- und Stadtpfarrkirche sowie das Pfarrzentrum unterhalten. "Wir haben alleine 36 000 Euro an Energiekosten im Jahr", berichtet Kaidel. In Garitz belaufen sich die monatlichen Nebenkosten auf rund 1300 Euro.

Millionen Euro für Sanierungen

Wenn vorhanden, sind die Kirchenstiftungen auch für die Ausstattung katholischer Kindertageseinrichtung zuständig, in Bad Kissingen also für Kliegl-Hort und -Kindergarten. In Garitz gehört der Kirchenstiftung das Gebäude des St. Elisabeth-Kindergartens, für den Betrieb sorgt aber ein Trägervereine. Für gut 1,2 Millionen Euro wurde der Kindergarten hinter der St. Elisabeth-Kirche in den vergangenen eineinhalb Jahren saniert. Zum Glück hätten Stadt und Diözese alle Kosten übernommen. Aber Hippler muss alles managen: "Eine Rechnung steht noch aus, die Baumaßnahme mache ich auf alle Fälle noch fertig", kündigt Hippler an.

Wegen der Baustelle ist Hippler 2013 auch Kirchenpfleger geworden: "Er kennt sich aus mit Bausachen und Verwaltung", sagt Pfarrer Edwin Ziegler. Hippler leitete bis zum Ruhestand die Tiefbau-Abteilung der Stadt Bad Kissingen und ist gelernter Maurer. Pfarrer Ziegler freut sich, dass sich in Garitz sechs Freiwillige zur Wahl stellen. "Es ist schade, wenn alle über Zentralisierung schimpfen, aber sich dann vor Ort keine Kandidaten finden."

Baustellen hat auch Kaidel in seinen 30 Jahren als Kirchenpfleger jede Menge betreut: Die Stadtpfarrkirche wurde für 1,1 Millionen Euro renoviert, die Gemeinde musste 250 000 Euro selbst aufbringen. Zuletzt floss eine Million Euro in neue Dächer für Jakobus- und Marienkirche. Eigenanteil: 200 000 Euro. Das Darlehen dafür stottert die Kirchenstiftung bis heute ab.

Mindestens zwei Mal die Woche kommt Erwin Hippler ins Garitzer Pfarrbüro, aktuell noch öfter, weil das Dach der Sakristei erneuert wird. Kosten: 66 000 Euro, den Eigenanteil von 8000 Euro könne die Gemeinde mit Müh und Not aufbringen, aber: "Rücklagen haben wir keine."

Nachberufung möglich

Beide Kirchenpfleger, Erwin Hippler in Garitz und Peter Kaidel in Bad Kissingen, stehen am 18. November selbst nicht zur Wahl. Hippler ist 71, Kaidel 75. Aber: "Ich habe mich schon zwei Mal nachberufen lassen", bietet Kaidel seine weitere Mithilfe an. Auch Hippler würde nachrücken. "Aber wenn das neue Gremium das selbst macht, bin ich nicht bös."

In Garitz und Bad Kissingen wird am 17. und 18. November nach Gottesdiensten oder Totenehrung direkt gewählt. Vor allem in kleineren Gemeinden gibt es oft Briefwahl, in Würzburg wurden dafür rund 500 000 Briefwahlsets bestellt

Anzahl 517 Pfarreien, 95 Kuratien und 254 Filialgemeinden mit insgesamt 892 Kirchenstiftungen gibt es nach Angaben von Thomas Wolf, Leiter der Zentralen Informationsstelle des Bischöflichen Ordinariats, im Bistum Würzburg.

Größe Die Zahl der Mitglieder der Kirchenverwaltungen richtet sich nach der Größe der Gemeinde: Pfarreien bis zu 2000 Katholiken wählen vier Mitglieder, Gemeinden zwischen 2000 und 6000 Katholiken sechs, ab 6000 Katholiken acht. Auf Antrag können die Gremien in Gemeinden bis zu 2000 Katholiken auf zwei Mitglieder reduziert werden. Das haben laut Bistum aber nur drei Gemeinden genutzt.

Amtszeit Die neuen Gremien sind vom 1. Januar 2019 bis zum 31. Dezember 2024 im Amt.

Leitung Vorsitzender der Kirchenverwaltung ist laut Bistum stets der zuständige Pfarrer, er kann jedoch auch einen Stellvertreter benennen. Die Kirchenverwaltungen bestimmen einen Kirchenpfleger, der aus ihren eigenen Reihen kommen oder von außen hinzuberufen werden kann. Zudem können bis zu zwei weitere Mitglieder und ein Kirchenrechner für die Kassenführung berufen werden. Kirchenverwaltungen unterstehen der Aufsicht des Bischöflichen Ordinariats.

Zusammenarbeit Der Vorsitzende des Pfarrgemeinderats darf als Gast beratend an den Sitzungen der Kirchenverwaltung teilnehmen.pow/rr