Bad Kissingen

Landkreis Bad Kissingen bleibt CSU-Hochburg

Kirchner zieht als Direktkandidat wieder in den Landtag ein. Trotz Verlusten holt die CSU jede zweite Stimme. Grüne, AfD und Freie Wähler gleich auf.
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Gewinner, auch wenn seine Partei ordentlich Federn lassen musste: Sandro Kirchner (rechts). Foto: Heike Kirchner
Gewinner, auch wenn seine Partei ordentlich Federn lassen musste: Sandro Kirchner (rechts). Foto: Heike Kirchner

Die großen Volksparteien in Bayern gibt es nicht mehr. Die CSU verliert die absolute Mehrheit, die SPD dümpelt bei unter zehn Prozent (Stand 21 Uhr). Wahlgewinner sind Grüne und AfD. Im Stimmkreis Bad Kissingen sind die Verluste für die CSU geringer: Sandro Kirchner fällt bei den Erststimmen von 54,4 auf 49,8 Prozent ab, zieht aber souverän als Direktkandidat in den Landtag ein. Bei den Zweitstimmen verdoppeln die Grünen ihr Ergebnis von 2013 und kommen auf 11,3 Prozent. Sie liegen damit im Stimmkreis knapp vor der AfD mit 10,5 Prozent. Die SPD stürzt von 17,0 auf 7,5 Prozent der Stimmen ab.

Sandro Kirchner (CSU) ist vom Abschneiden seiner Partei nicht überrascht. "Die Umfragewerte haben den Trend lange gezeigt", sagt er. Trotzdem ist ein Wert von rund 37 Prozent ein herber Schlag. "Das Ergebnis ist schon eine sehr große Enttäuschung."

Zu den Gewinnern gehören auch im Landkreis Bad Kissingen die Grünen: Von einer "Zeitenwende" spricht deren Landtagskandidat Yatin Shah. Bei der Wahl-Party in Langendorf gab es großen Jubel, als die ersten Hochrechnungen auf der Leinwand erschienen. "Der Auftrag ist klar, dass wir die Zukunft mitgestalten", leitet Shah aus dem Ergebnis ab, ohne aber konkret über eine Koalition mit der CSU spekulieren zu wollen, und: "Die Alleinregierung der CSU ist auf alle Fälle beendet."

Der freiberuflich arbeitende Arzt war nach eigenen Worten bis zum Wahltag jeden Tag unterwegs. "Ich habe viele Menschen getroffen, die für grüne Themen offen sind", fasst er seine Erfahrungen zusammen. Warum investiert man Hunderte von Stunden? "Es gibt Zeiten, in denen es einfach gilt, Flagge zu zeigen", lautet Shahs Antwort.

Große Freude bei Matthias Kleren, Kandidat der Freien Wähler für Stimmkreis Bad Kissingen. Um 18 Uhr saß er zur ersten Hochrechnung in Herschfeld bei einem Parteikollegen. "Ja, wir haben jetzt eine kleine Wahlparty. Das ist ein guter Anfang", kommentiert er zu einem Zeitpunkt, an dem es noch keine weiteren Zahlen gab - außer der Prognose von 11,5 Prozent. Hätte er damit gerechnet? "Ehrlich gesagt am Anfang nicht. Elf Prozent sind super. Eine Koalition mit der CSU wäre mein Favorit, auch wenn es dann weniger Sitze gäbe als CSU plus Grüne. Aber für mich als Polizeibeamter ist ein grüner Innenminister einfach schwer vorstellbar", sagt Kleren.

Mit einem ganz anderen Gefühl sah sich Norbert Schaub aus Hammelburg die ersten Zahlen an. Seine SPD hat sich mehr als halbiert. "Man darf sich jetzt nicht unterkriegen lassen. Das ist ein sehr bitteres Ergebnis, obwohl wir einen grundehrlichen und themenbasierten Wahlkampf geführt haben. Wir sind nicht in Populismus verfallen, wir haben den Wahlkampf vom ersten bis zum letzten Tag mit Anstand, Respekt und Toleranz geführt." Die Querelen in der Berliner Politik hätten ihr Übriges getan, "dass wir hier in Bayern keinen Rückenwind gespürt haben". Er selbst will den Kopf weder hängen lassen noch sich wegducken. "Ich mache weiter Politik, auch in der Opposition kann man kämpfen - auch vor Ort", sagt Schaub.

"Mir bleibt die Spucke weg. Ich habe mit dem doppelten Prozentsatz gerechnet", sagt Freia Lippold-Eggen. Sie war für die AfD bei den Landtagswahlen als Direktkandidatin an den Start gegangen. Für das "enttäuschende Ergebnis" macht sie auch die Medien verantwortlich: "Das war die Diffamierung durch die Presse. Die Leute haben Angst, uns zu wählen." Freia Lippold-Eggen zieht bewusst Vergleiche zu 1933: "Auch da wurden die Leute manipuliert. Ich will nicht hören: Wir haben es nicht gewusst."

Hans-Joachim Hofstetter (FDP) lag nach dem Auszählen von 218 der 235 Stimmbezirke bei 4,2 Prozent, also einem Prozentpunkt über seinem Ergebnis von 2013. "Ich bin zufrieden angesichts unserer Möglichkeiten", sagte er dazu.

Ob es ein weiterer Kandidat aus dem Stimmkreis über die Liste in den Landtag geschafft hat, stand bis Redaktionsschluss noch nicht fest.

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