Bad Kissingen
Nahverkehr

Landkreis Bad Kissingen: Wohin du willst mit einer App - Fahrpläne sind jetzt digital

Per Handy gibt es in Bad Kissingen die Verbindungen von Bahn, Bus und Mitfahrgelegenheit. Bald folgen die Preisauskunft und Rufbus-Bestellung.
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Landrat Thomas Bold (von links), Anja Baniewicz von der DB Regio Bus und Michael Schäder, Nahverkehrsbeauftragter des Kreises, schauen sich die neue Mobilitäts-App an. Die gedruckten Busfahrpläne und die Karte mit dem Wabentarif gibt der Kreis aber trotzdem weiter raus. Foto: Ralf Ruppert
Landrat Thomas Bold (von links), Anja Baniewicz von der DB Regio Bus und Michael Schäder, Nahverkehrsbeauftragter des Kreises, schauen sich die neue Mobilitäts-App an. Die gedruckten Busfahrpläne und die Karte mit dem Wabentarif gibt der Kreis aber trotzdem weiter raus. Foto: Ralf Ruppert
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Zwei Jahre lang hat sich der Landkreis Bad Kissingen in einem Modellprojekt mit dem Thema Mobilität beschäftigt. Ein Ergebnis: "Ich merke in Gesprächen immer wieder, dass die vorhandenen Angebote nicht bekannt sind", sagt Landrat Thomas Bold (CSU).

Deshalb wurde als ein Baustein zur Verbesserung der Situation auf dem Land eine neue App beschlossen. "So etwas selbst zu entwickeln, wäre nicht machbar gewesen", verweist Bold auf eine Kooperation mit der Deutschen Bahn: Für rund 15 000 Euro wird die App "Wohin du willst" in den kommenden Monaten um Module speziell für den Landkreis Bad Kissingen erweitert.

"Die Frage ist, wie man mobil sein kann, ohne selbst mobil zu sein", sagt Landrat Bold. In dieser Woche ging nun die Basis-Version online: Sie enthält alle Bus- und Bahnlinien in der Region, wer den Landkreis als Start-Region auswählt, wird von einem Foto des Arkadenbaus begrüßt. Neben den öffentlichen Verkehrsmitteln gibt es aber auch Infos über Mitfahrgelegenheiten auf "BlablaCar". "Das ist Marktführer bei den Mitfahrzentralen", begründet Anja Baniewicz von "DB Regio Bus" die Auswahl. Die Fahrer könnten dort Angebote kostenlos einstellen, allerdings müssen Suchende eine Pauschale zahlen. Der Landkreis hofft, dass sich darüber auch neue Fahrgemeinschaften bilden.

"Wir entwickeln die App gemeinsam weiter", nennt Wirtschaftsförderer Jürgen Metz als großen Vorteil der Kooperation. Bereits in den kommenden Tagen folgt eine Benachrichtigungsfunktion: Der Landkreis kann dann zum Beispiel per Push-Nachricht über Verspätungen oder Ausfälle informieren - oder auch eine Veranstaltung samt Erreichbarkeit ankündigen.

Preisauskunft mit dabei

Im Februar soll es eine Preisauskunft zu den Verbindungen geben, von Bus über Bahn bis Mitfahrgelegenheit. "Die Kosten sind meistens das größte Hemmnis bei den Fahrgästen", sagt Michael Schäder, Nahverkehrsbeauftragter des Landkreises Bad Kissingen. Der Übergang von Bus zu Bahn, Streifenkarte und Bahn-Card: Der Tarif-Dschungel ist schwer durchschaubar. Ob Vergünstigungen wie freie Fahrten mit Senioren- und Schüler-Netzkarte integrierbar sind, werde geprüft, hieß es auf Nachfrage.

Ab März soll dann der so genannte Bedarfsverkehr integriert werden: Wer zum Beispiel den Rufbus für die Sauerbreystraße in Albertshausen anfordern will, muss im Moment noch telefonieren, ab März soll der Rufbus durch einen Klick in der App angefordert werden. "Trotzdem brauchen wir noch mindestens 45 Minuten Vorlaufzeit", stellt Schäder jedoch klar. Das habe gleich mehrere Vorteile: "Man kann den Rufbus auch mitten in der Nacht anfordern und es ist auch nie belegt."

Bürgerbusse in Bad Kissingen

Als letzte Funktion sollen im April schließlich die Fahrtzeiten der Bürgerbusse in den Kommunen des Landkreises Bad Kissingen eingepflegt werden. "Der Landkreis Bad Kissingen ist damit der erste Landkreis in Unterfranken, der den Schritt ins digitale Mobilitätszeitalter geht", lobt Detlef Zylka vom Omnibusverkehr Franken (OVF) die neue App. Besonders begeistert ist er davon, dass die App "diskriminierungsfrei" alle Angebote miteinander vergleiche. Wer von Bad Kissingen nach Hamburg wolle, bekomme also auf einen Klick mögliche Mitfahrgelegenheiten in Privat-Autos, komplette Bahnverbindungen oder auch die Kombination mit dem Express-Bus von Fulda nach Bad Kissingen.

Die App kann aber noch mehr: Anja Baniewicz von DB Regio Bus berichtete auch, dass Statistiken darüber möglich sind, welche Start- und Ziel-Punkte besonders oft gesucht werden. Der Landkreis könnte also auch Rückschlüsse auf den Bedarf ziehen. Ob solche Daten in die aktuell laufende Nahverkehrsplanung einfließt, ließ Schäder aber noch offen.

Weiter gedruckte Fahrpläne

Auf den gedruckten Fahrplan verzichtet der Landkreis übrigens vorerst nicht. "Wir sollten auf alle Fälle zweigleisig fahren", sagt auch Claus Schubert, Geschäftsführer der kreiseigenen KOB GmbH. Die App stelle zwar auch den Verlauf der Fahrt dar, aber für langjährige Fahrgäste sei der Fahrplan aussagekräftiger, weil er zum Beispiel benachbarte Haltestellen sieht. Dafür kann sich der Nutzer sogar durch einen Timer an die Abfahrt erinnern lassen.

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