Ramsthal

Kunstdiebstahl trifft alle sehr

Die Ramsthaler Kunstwoche im vergangenen Sommer endete mit einer bösen Überraschung: Eine der gezeigten Figuren wurde von einem Unbekannten gestohlen. Bis heute ist sie nicht wieder aufgetaucht.
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Thea Keßler und Bernhard Gössmann-Schmitt weisen auf den leeren Sockel hin.  Foto: Jacqueline Vera Edgü-Mihm
Thea Keßler und Bernhard Gössmann-Schmitt weisen auf den leeren Sockel hin. Foto: Jacqueline Vera Edgü-Mihm
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Es ist Sommer, das Ende der Ramsthaler Kunstwoche, ein weinseliger Abend beim Wein-Open-Air im Weingut Neder. Fast 400 Gäste genießen den Abend mit Gesang und Tanz. Die Kunstwoche, organisiert vom Verein Haus Erlebenskunst e. V., ist ein Event, das viele Kunstinteressierte aus nah und fern in den idyllischen unterfränkischen Ort führt. Die Stimmung war gewiss sehr gut an diesem Abend. Das Unheil, das sich für den Verein in der Nacht vom 19. auf den 20. Juli 2019 anbahnte, war noch nicht zu erahnen.

Die Arbeiten von Eva Skupin, alles Unikate, sind oben im Veranstaltungsraum des Weingutes aufgebaut und haben dort einen wunderbaren und passenden Rahmen gefunden. "Durch die moderne, schlichte und sehr zurückhaltende Architektur des Gebäudes ist es ein perfekter Ausstellungsort, und wir freuen uns immer wieder, dass er von Familie Neder für die Kunstwoche zur Verfügung gestellt wird", so die Vereinsvorsitzende Thea Keßler.

Vom Sockel abgeschraubt

Der Kunst-Diebstahl fand am Freitag, 19. Juli, 2019 im Zeitraum zwischen 23 und 0.30 Uhr statt. Zeugen hatten die Figur um 23 Uhr noch gesehen. Um 0.30 Uhr fiel jemandem auf, dass sie fehlt - vom Sockel abgeschraubt und einfach fortgetragen. "Wir haben noch gesucht, ob vielleicht jemand im Suff die Figur abmontiert und weggeworfen hat. Aber sie war einfach weg, verschwunden", so die Vereinsvorsitzende. "Es ist eine wertvolle Bronze-Skulptur der Künstlerin Eva Skupin im Wert von 1200 Euro. Eine kleine und schöne Frauenskulptur mit einem Schmetterling auf dem Kopf", so Keßler. "Das ist so gemein. Wir haben der Künstlerin die Skulptur natürlich aus der Vereinskasse bezahlt", berichtet Thea Keßler. Insgesamt waren es 1080 Euro, glücklicherweise kam die Künstlerin dem Verein entgegen. Es gab eine Versicherung, die bei Beschädigung gezahlt hätte, nicht aber bei Diebstahl. Der Kunstdiebstahl wurde polizeilich gemeldet.

Mit Folgen für den Verein

Es ist ein Verbrechen mit Folgen: der Verein Haus Erlebenskunst e. V. ist aufgrund dieses Diebstahls nahezu pleite. "Für mich war es so enttäuschend. Dabei gibt es so viele Menschen, die sich bei der Kunstwoche engagiert und ehrenamtlich ganz viel gestemmt haben", sagt die Vorsitzende. Sie ergänzt: "Wir haben es mal zusammengerechnet und sind auf über 4000 Stunden ehrenamtlicher Arbeit gekommen - allein für die Kunstwoche. Jeder hat sich bemüht: vom Kuchenbäcker bis zum Sponsor. Jeder hat dazu beigetragen, dass es schön wird. Es war eine wirklich erfolgreiche Kunstwoche." Thea Keßler ist sichtlich enttäuscht, da ihrem Empfinden nach dieses ehrenamtliche Engagement durch eine solche Tat mit Füßen getreten wird. Der Dieb der Bronze-Skulptur der Frau mit dem Schmetterling auf dem Kopf habe diesen Einsatz mit einem Schlag zunichte gemacht. Allein der regelmäßige Kuchenverkauf im Spendencafé hat bis heute wieder ein paar Euro in die Vereinskasse gespielt - wieder durch ehrenamtliches Engagement.

Eva Skupins Skulpturen werden in einer Mail der Künstlerin an Thea Keßler wie folgt beschrieben: "Die kleinen menschlichen Skulpturen aus Bronze liefern in unerschöpflich lustvollen Posen ein leichtfüßiges Staccato der Sinnlichkeit. Ob sie sitzen oder springen, fliegen oder fallen.... die kleinen üppigen Figuren entführen in die schwerelose Welt der Körperlust und versprechen ein Zurückfedern auf den Boden ohne Blessuren." Der Kunstdiebstahl der Frau mit Schmetterling hat Blessuren hinterlassen. Thea Keßler, Vorsitzende des Vereins Haus erLebenskunst e. V., ist auch nach Monaten noch fassungslos. Manchmal keimt aber auch etwas Hoffnung in ihr auf. "Vielleicht hat es damals wirklich jemand im Suff abmontiert, mitgenommen und bereut es mittlerweile. Die Person könnte uns gerne das Geld für die Skulptur auf's Vereinskonto überweisen. Damit wir es wiederhaben. Oder die Skulptur einfach wieder vorbeibringen", schlägt sie vor. Die Geschichte des Kunstdiebstahls hat auf vielen Ebenen Spuren hinterlassen, ist in den Köpfen der Macher der Kunstwoche auch nach Monaten noch präsent. Ein bitterer Beigeschmack bleibt. Aber auch die Hoffnung, dass die Person, die die Skulptur damals abmontierte, sich eines Besseren besinnt und alles sich zum Guten wendet.

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