Frauenroth
Eröffnung

Kulturweg "WasserWege" freigegeben

Im Aschachtal ist ein neuer, nahezu barrierefreier Wanderweg entstanden. Er verbindet Aschach, Stralsbach und Frauenroth, vermittelt vergessenes Wissen.
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Klaus Wehner (links) hatte die Idee dazu, die alten Bewässerungsanlagen an der Aschach wieder erlebbar zu machen. Bürgermeister Waldemar Bug überreichte ihm  zum Dank ein Präsent. Kathrin Kupka-Hahn
Klaus Wehner (links) hatte die Idee dazu, die alten Bewässerungsanlagen an der Aschach wieder erlebbar zu machen. Bürgermeister Waldemar Bug überreichte ihm zum Dank ein Präsent. Kathrin Kupka-Hahn
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Eine Tafel. Mit ein paar Infos. Mehr nicht. Das waren Klaus Wehners erste Gedanken. "Das hätte mir gereicht", sagt er. Schließlich hatte der Burkardrother gemeinsam mit dem ehemaligen Lehrer Alois Müller den Bach Aschach und seine Bedeutung für die Landwirtschaft erforscht. Dieses Wissen wollten die beiden weitergeben - mit einer Infotafel. Stehen sollte diese auf einer Wiese am Radwanderweg zwischen Frauenroth und Aschach, nahe der sogenannten Bullenwiese. Denn hier befand sich ein großes, jedoch stark verfallenes Wehr am Bach Aschach. Es diente einst dazu, das Wasser des Baches zu stauen und in einen Bewässerungsgraben umzuleiten. Der wiederum versorgte die Wiese mit dem kostbaren Nass. Kaum jemand wusste davon, zumal das Wehr auch ziemlich zugewachsen war. Vermutlich wäre dieses einst so wichtige Bauwerk und seine Bedeutung für die Landwirtschaft in Vergessenheit geraten. Doch Klaus Wehner blieb hartnäckig, warb im Burkardrother Rathaus mit seiner Idee. Mit Erfolg.

Heute ist das Wehr wieder aufgebaut, diente am Freitagvormittag als Festkulisse. Der neue Kulturweg "WasserWege" wurde hier eröffnet - mit den Bürgermeistern aus Burkardroth und Bad Bocklet, mit Vertretern von Behörden und Ämtern, mit zwei Pfarrern und etlichen Bürgern. Alles in allem waren rund 50 Leute vor Ort. Denn, aus der ursprünglichen Idee von einer bescheidenen Infotafel am Wegrand ist mehr geworden. Dank der Unterstützung aus dem Burkardrother Rathaus. Ein richtiger Kulturweg mit dem Namen "WasserWege" ist entstanden.

Die 3,5 Kilometer lange Kernstrecke führt vom Parkplatz am Schloss Aschach hinauf zur Borstmühle, kurz vor Frauenroth. Sieben Stationen liegen auf dem weitestgehend barrierefreien Weg, alle haben mit dem Thema Wasser oder Bewässerung im Aschachtal zu tun. Erläuterungen dazu finden sich auf den, an jeder Station vorhandenen, Infotafeln. Von der Borstmühle aus gibt es zwei weitere Strecken, die als Rundwege angelegt wurden. Einer führt, rund 2,7 Kilometer lang, nach und durch den Ort Frauenroth, vorbei an der Klosterkirche. Der andere bringt Wanderer auf einer 2,6 Kilometer langen Strecke nach Stralsbach und zurück. Somit gibt es drei Startpunkte: am Parkplatz am Schloss Aschach, am Gasthaus "Weißes Rössl" in Straslbach und an der Klosterkirche in Frauenroth.

"Sie können stolz sein auf dieses Projekt. Ich wünsche Ihnen, dass hier viel Leben entsteht", lobte Wolfgang Fuchs den neuen Kulturweg. Er überbrachte dem Markt Burkardroth einst die Förderzusage des Leader-Programms und ermöglichte so die Umsetzung des Vorhabens. Über das Leader-Programm werden Fördergelder der Europäischen Union für Projekte zur Stärkung des ländlichen Raums verteilt. Rund 65 000 Euro hat die Kommune aus diesem Fördertopf bekommen, und somit die Hälfte der Gesamtkosten finanziert. Dank weiterer Spender, unter anderem vom Rhönklub Zweigverein Burkardroth, von der Bayernwerk AG, von der Verwaltungsstelle des Biosphärenreservates Rhön und von der VR-Bank, musste die Gemeinde nur noch 35 000 Euro übernehmen. "Die Entscheidung dafür fiel in der Gemeinderatssitzung im November 2015", sagte Bürgermeister Waldemar Bug (ödp) in seiner Festrede. Seither hat sich vieles getan.

Mehrere Bewässerungsbauwerke entlang der Aschach, wie etwa das große Wehr nahe der Bullenwiese, wurden freigelegt und neu aufgebaut oder zugänglich gemacht. Parallel dazu haben Initiator Klaus Wehner und sein Mitstreiter Alois Müller ihre Recherchen in Form gebracht und in einer Broschüre veröffentlicht. Abschließend wurden die zahlreichen Info-Tafeln entlang des Weges erdacht. Doch das war gar nicht so einfach. Was soll auf den Tafeln stehen? Welche Skizzen sind notwenig? Diese und viele Fragen mehr stellten sich die Protagonisten. Schließlich half Klaus Wehners Tochter Stefanie bei der Auswahl. Sie arbeitet an der Universität in Passau und ist Geografin. "Also wusste ich von Berufswegen, was auf so Tafeln gehört", sagt sie. Eine Grafikerin aus Münnerstadt setzte schließlich ihre Vorschläge um.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. "Die Tafeln gefallen mir sehr gut. Sie sind sehr informativ", sagt Oswald Türbl aus Schondra. Sie seien eine gute Möglichkeit, nachzuvollziehen, wie die Bauwerke einst funktioniert haben. Auch Maria Voll aus Burkardroth ist begeistert. "Ich bin hier regelmäßig vorbeigelaufen oder vorbeigeradelt und habe verfolgt, wie das Projekt entstanden ist", verrät sie. Der Platz am Wehr gefalle ihr besonders gut wegen der schönen Lage. "Es ist wichtig, auch mal innezuhalten", fügt Voll hinzu. "Das Schöne ist, dieser Weg ist auch für Spaziergänge geeignet und nicht nur zum Wandern. Davon haben wir zu wenige", sagt Thomas Lemke, der Hauptwegewart des Rhönklub. Nicht nur die Nutzer des neuen Kulturweges sind voller Lob, auch Verena Hergenröder. Sie und ihre Familie betreiben das Gasthaus "Weißes Rössl" in Stralsbach. Die junge Gastronomin findet es gut, dass die Gemeinde diesen Weg geschaffen hat, in die Infrastruktur der Region investiert. "Denn jeder neue Weg bringt auch neue Gäste", sagt sie. Ideal sei außerdem, dass dieser Weg direkt vor dem Gasthaus in Stralsbach beginnt.

"Das mal so etwas Großes daraus wird, das habe ich mir nicht träumen lassen", fasst Initiator Klaus Wehner seiner Eindrücke von der Eröffnung zusammen. Eine Tafel. Mit ein paar Infos. Mehr nicht. Das waren seine ersten Gedanken. "Das hätte mir gereicht."

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