Bad Kissingen
Bilanz

Kriminalstatistik: Deutlich mehr Drogendelikte im Kreis Bad Kissingen

Die Polizei hat 2018 bei der Drogenkriminalität einen großen Anstieg verzeichnet. Experten sehen einen Grund in der Legalisierungsdebatte über Cannabis.
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Die Polizei im Kreis Bad Kisisngen hat 2018 einen Anstieg vor allem bei Delikten mit weichen Drogen registriert. Foto: Benedikt Borst
Die Polizei im Kreis Bad Kisisngen hat 2018 einen Anstieg vor allem bei Delikten mit weichen Drogen registriert. Foto: Benedikt Borst

Grundsätzlich sind die drei Polizeidienststellen mit der Sicherheitslage im Kreis Bad Kissingen zufrieden. Allen voran natürlich, weil die Zahl der Straftaten im vergangenen Jahr leicht gesunken ist . "Die Zahlen sind erfreulich. Aber es gibt Bereiche, die haben eine deutliche Steigerung erfahren", berichtet Stefan Haschke, Leiter der Bad Kissinger Dienststelle. Das gilt besonders für die Drogenkriminalität. 313 Rauschgiftdelikte wurden im ganzen Landkreis gezählt. Das ist eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um 32 Fälle beziehungsweise um 11,4 Prozent. Auf den Dienstbereich Bad Kissingen entfallen 190 Fälle, in Bad Brückenau waren es 72 und in Hammelburg 51. "Wir haben kein wahnsinnig großes Drogenproblem. Aber wir stellen fest: Es gibt eine Steigerung", sagt er zusammenfassend. Eine offene Drogenszene oder rechtsfreie Räume gebe es nicht.

Meistens geht es bei Rauschgiftdelikten in der Region um den Besitz und den Konsum von weichen Drogen wie Cannabis. Der Handel, Schmuggel oder Anbau von Drogen spielt laut Kriminalstatistik nur eine untergeordnete Rolle. Harte Drogen wie Kokain und Heroin tauchen aktuell nur selten auf und auch der Hype um Kräutermischungen, sogenannte Legal Highs, hat wieder abgeflacht. Beides macht sich positiv bemerkbar. "Zuletzt hatten wir viel weniger Drogentote pro Jahr. Früher waren es bis zu zehn", sagt Haschke. Jetzt sind es zwei bis drei.

Kritik an Legalisierungsdebatte

Dass die Fallzahlen bei weichen Drogen ansteigen, erklärt die Polizei damit, dass verstärkt kontrolliert wird. Es gehe darum, "möglichst viele Straftaten aus dem Dunkel- ins Hellfeld zu ziehen", erklärt Herbert Markert, Dienststellenleiter in Bad Brückenau. Dadurch steigt das Risiko für Konsumenten, belangt zu werden. "Durch den Verfolgungsdruck können gefährdete Menschen vom Rauschgift ferngehalten werden", sagt er. Ist ein Süchtiger oder Suchtbedrohter der Polizei bekannt, wird das Gesundheitsamt hinzugezogen.

Ein weiterer Grund, warum mehr Cannabis konsumiert wird, sieht Haschke in der Legalisierungsdebatte. In der Öffentlichkeit ändert sich das Bewusstsein, was den Umgang mit der Droge angeht. "Weiche Drogen zu legalisieren ist das eine. Aber im Straßenverkehr ist das gefährlich", betont er. Es sei besorgniserregend, dass die Polizei immer mehr Fahrer aus dem Verkehr zieht, die unter Drogeneinfluss stehen. 2018 kontrollierte die Polizei Bad Kissingen erstmals mehr Drogen- als Alkoholsünder am Steuer.

Christian Fenn von der Kissinger Drogenhilfe Kidro denkt auch, dass die Legalisierungsdiskussion eine Rolle bei dem Anstieg spielt. Die Art und Weise wie über Cannabis geredet wird, wirkt sich darauf aus, wie mit der Droge umgegangen wird. Der Suchttherapeut kritisiert, dass in der politischen Debatte die Gefahren und Konsequenzen zu kurz kommen. Da gehört die verminderte Reaktionsfähigkeit dazu, die im Verkehr zur Gefahr wird. Häufiger Konsum wirkt sich oft demotivierend auf die Süchtigen aus. "Wir beobachten häufig den Effekt, dass die Menschen ihren Hintern nicht mehr hochkriegen", berichtet Fenn. Und so immer tiefer fallen.

Am problematischsten ist es aber, "wenn jemand zu früh zu konsumieren anfängt". Der Drogenmissbrauch wirkt sich auf die Entwicklung des Gehirns aus, führt dazu, dass sich beispielsweise das Emotionsempfinden nicht richtig entwickelt. Außerdem: Richtet ein junger Mensch seine Freizeit auf Drogen aus anstatt mit Gleichaltrigen im Verein Fußball zu spielen, dann fehlt ihm die Gewohnheit, wie er seine Freizeit sinnvoll und clean gestalten kann. Fenn: "Je früher ein Mensch zu konsumieren anfängt, desto schwerer ist es für ihn, davon wieder wegzukommen."

Präventionsprojekt an Schulen

Drogen sind ein gesamtgesellschaftliches Problem. Alle drei Polizeidienststellen arbeiten eng mit Fachkräften der Jugendarbeit, des Gesundheitsamts, der Schulen und anderer Institutionen zusammen. "Die Präventionsarbeit wird hier seit vielen Jahren aktiv betrieben und ist gut aufgestellt", sagt der Kissinger Polizeichef. Aktuell wird, angestoßen vom Polizeipräsidium Unterfranken, ein neues Präventionsprojekt für Schüler ab der 8. Klasse erarbeitet.

Rauschgiftdelikte im Dienstbereich Bad Kissingen

Entwicklung 2009 hatte die Polizei Bad Kissingen in ihrer Kriminalstatistik 125 Rauschgiftdelikte erfasst. Dieses Niveau hielt sich abgesehen von einem Ausreißer (2013: 153 Fälle) über die Jahre konstant. 2017 stiegen die Zahlen dann auf 162, vergangenes Jahr auf 190 Fälle.

Drogenfahrten Die Zahl der Drogenfahrten hat im Dienstbereich Bad Kissingen in den vergangenen Jahren stetig zugenommen. 2015 waren es 45, 2018 waren es 79 Fälle. Damit hat die Polizei erstmals mehr Drogen- als Alkoholsünder (75 Fälle) beim Fahren erwischt.

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