Bad Kissingen
Natur

Kreis Bad Kissingen: Locker bleiben, wenn es brummt

Im August haben Hornissen und Wespen wieder Hochsaison. 14 Berater und Umsetzer im Landkreis stehen Haus- und Gartenbesitzern zur Seite. Ein Bienenschwarm am Landratsamt bereitet dagegen keine Probleme.
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Ein Bienenvolk hat sich vor wenigen Wochen in einem Baum am Landratsamt eingenistet.  Frank Rumpenhorst/dpa
Ein Bienenvolk hat sich vor wenigen Wochen in einem Baum am Landratsamt eingenistet. Frank Rumpenhorst/dpa

Rein und raus. An dem Astloch in drei bis vier Metern Höhe herrscht ziemlicher Betrieb. Im Sekundentakt fliegen Bienen aus dem Baumstamm nach draußen, andere kehren zum Nest zurück. Dass sich vor kurzem ein Bienenvolk in der großen Platane am Landratsamt eingenistet hat, fällt natürlich auf. Menschen bleiben stehen, bemerken das Gesumme über ihnen. "Das Nest ist dort etwa seit dem Tag der offenen Tür", gibt Lena Pfister von der Pressestelle des Landratsamtes Auskunft.

Die Behörde nimmt das Treiben gelassen zur Kenntnis. Weder die Menschen in der Fußgängerzone, noch die Mitarbeiter im zweiten und dritten Obergeschoss mit ihren Fenstern in der Nähe zum Baum, werden durch die Insekten belästigt. "Das Bienennest stellt keine Gefahr dar, weil die Bienen immer zielgerichtet zu ihrem neuen Wohnsitz fliegen", erzählt sie. Und das wohl auch nur in diesem Jahr. "Es ist unwahrscheinlich, dass die Bienen den Winter dort überstehen, ohne genügend Futter- und Honigvorräte und ohne Behandlung gegen die Varroamilbe", sagt Pfister.

Sebastian Metz aus Burkardroth ist seit zehn Jahren als Wespen- und Hornissenumsetzer tätig. Dass sich wie aus dem Nichts ein Bienenvolk neu irgendwo ansiedelt, ist eigentlich nichts ungewöhnliches. Eine zweite Königin nimmt einen Teil der Bienen mit, der Schwarm trennt sich. "Meistens passiert das aber im Frühling", erklärt er. Wenn auf einmal 3000 bis 4000 Bienen in einer Traube an einem Baum hängen und ein neues Nest aufbauen, ist das ein sicheres Anzeichen darauf, dass sich ein Volk geteilt hat. Privatleuten, die plötzlich einen Schwarm im Garten haben, rät Metz: "Geben sie einem Imker bescheid. Meistens freuen die sich über ein neues Volk."

Wespen- und Hornissenvölker sind dagegen nicht von heute auf morgen an Ort und Stelle. Das liegt daran, dass bei diesen Tieren im Gegensatz zu den Bienen nicht das ganze Volk überwintert, sondern nur die Königinnen. "Die fangen dann im Frühjahr bei Null an und bauen ihr Nest neu auf", erklärt der Fachmann. Ab dem ersten Frost ist der Schwarm dann wieder verschwunden.

Umsetzen nur die Ausnahme

Wer bei sich am Haus oder im Garten ein Wespen- oder Hornissennest findet, kann sich an die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt wenden (Tel.: 0971/ 8010). Bei akuter Gefahr hilft aber auch ein Anruf bei der Notrufnummer 112. Die Mitarbeiter vermitteln dann entsprechende Berater oder Umsetzer. Die Insekten haben für das Ökosystem große Bedeutung und stehen unter Naturschutz. Nester dürfen nicht eigenmächtig zerstört werden. In so einem Fall drohen hohe Geldstrafen. "An sich versuchen wir, die Tiere immer an Ort und Stelle zu lassen", erklärt Fachreferentin Doris Hupfer. Das Umsetzen sei erst das letzte Mittel. In der Regel werden die Bürger aufgeklärt, wie die Tiere sich verhalten und was der Mensch beachten sollte, um die Insekten nicht zu provozieren.

Beim Umsetzen gehe es um die Verhältnismäßigkeit. Befindet sich ein Nest außer Reichweite etwa an der Scheune oder ganz oben am Giebel des Hauses, "dann stören die Tiere in der Regel nicht". Anders ist die Situation, wenn ein Schwarm sein Nest so baut, dass er ins Haus gelangt oder wenn Allergiker auf dem Grundstück leben. Dann wird das Nest umgesetzt.

Im vergangenen Sommer hat es laut Unterer Naturschutzbehörde mehr Wespen und Hornissen und vergleichsweise viele solcher Einsätze gegeben. Dieses Jahr treten weniger Probleme zwischen Mensch und Insekt auf. "Wir haben den Eindruck, dass die Bürger sensibler damit umgehen und weniger gehäuft anrufen", sagt Hupfer.

Eine Erklärung dafür, warum dieses Jahr weniger Tiere unterwegs sind, haben die Naturschützer nicht. Dafür hat die Behörde in diesem Jahr deutlich mehr Berater und Umsetzern zur Verfügung. "Wir haben ein umfassendes Netzwerk aufbauen können", sagt Katharina Golec, Sachbearbeiterin für Artenschutz. Das Amt hat 2018 offensiv nach Interessierten gesucht und im Herbst ein Seminar angeboten, in dem sie ausgebildet wurden. 14 Wespen- und Hornissenumsetzer gibt es jetzt im Landkreis, vorher waren Sebastian Metz und sein Kollege Claus Schenk vom Biosphärenzentrum Rhön "Haus der Schwarzen Berge" mehr oder weniger Einzelkämpfer. "Die Aktion war wirklich von Erfolg gekrönt", freut sich Golec.

Weniger Einsätze als 2018

Auch Metz teilt die Einschätzung, dass 2019 kein starkes Jahr für die Insekten ist. Vergangenen Sommer wurde er 60 Mal zu Einsätzen gerufen, normal sind um die 20. Dieses Jahr war er bislang gut 15 Mal als Wespen- und Hornissenfachmann aktiv. Grundsätzlich rät er dazu, sich ruhig zu verhalten. Er selbst hat mehrere Hornissennester im Garten. "So ein Tier greift nur an, wenn es angegriffen wird. Ansonsten kommt es angeflogen, frisst und fliegt dann wieder weg", sagt er.

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