Bad Kissingen
Gleichberechtigung

Kreis Bad Kissingen: Frauen an der Spitze sind selten

Ein Blick in die Chefetagen im Landkreis: Wie viele Männer und wie viele Frauen sitzen in den Chef-Etagen von Behörden und Firmen.
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Symbolfoto: Fotomek - fotolia
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Das Thema Gleichberechtigung zieht sich in dieser Woche durch die Saale-Zeitung. Wie oft sind Frauen in Chefetagen vertreten? Werden Mädchen im Kindergarten auf Rosa getrimmt? Und wie war es damals, als in den 1970er Jahren erstmals Frauen Fußball spielten?

Heute geht es um die Chefetagen. Laut der Europäischen Kommission waren 2017 in Deutschland nur 29 Prozent der Chefpositionen von Frauen besetzt. Wir hörten uns stichprobenartig um und sahen im Landkreis Bad Kissingen die Statistiken bestätigt.

Bundeswehr: Geringer Frauenanteil

Am Ausbildungszentrum Infanterie in Hammelburg sind Frauen rar. Derzeit arbeiten dort 149 Frauen und 1 431 Männer In der Führungsetage finden sich wenige Frauen. Eine Sprecherin: "Derzeit dienen neun weibliche Offiziere und 259 männliche Offiziere am Ausbildungszentrum Infanterie in Hammelburg." Eine Erklärung lasse sich in den enormen mentalen und körperlichen Leistungsanforderungen der Infanterie finden. "Wenn höchste körperliche und mentale Belastbarkeit zusammentreffen, eignet sich eine Person geschlechtsunabhängig zum Infanterieoffizier."

Justiz: 50:50, aber

Am Bad Kissinger Amtsgericht arbeiteten 2017 vier Richter und vier Richterinnen. Bayernweit sind 3161 Menschen Richter und Staatsanwälte, darunter 1523 Frauen - rund 48 Prozent, sagt Rebekka Übler vom Justizministerium. Von den Richter/innen und Staatsanwälten/innen in Bayern hatten am 30. Juni 2017 801 Männer und 390 Frauen eine Führungsposition inne. In Bad Kissingen gibt es zwei Beförderungsämter (Richter), die 2017 mit Männern besetzt waren. Rebekka Übler: Das Ungleichgewicht lasse sich darauf zurückführen, dass für höchste Beförderungsämter in der Regel nur Richter/innen mit längerer Dienstzeit und höherem Alter in Betracht kämen. "Aufgrund der Altersstruktur betraf dies bisher im Verhältnis deutlich weniger Frauen."

Handwerkskammer: Frauen sind rar im Handwerk

Im Handwerk macht die Frau sich noch rar. Bei den in der Handwerksrolle registrierten Einzelunternehmen in Unterfranken beträgt der Anteil weiblicher Inhaberinnen rund 27 Prozent. "Das entspricht 3 860 Unternehmerinnen", sagt Daniela Hartmann, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit in der Handwerkskammer Unterfranken.

Geschäftsführerinnen von Gesellschaften sind in ihrer Statistik nicht berücksichtigt.

Niedriger fällt die Zahl bei den Auszubildenden aus. "Im unterfränkischen Handwerk liegt der Anteil weiblicher Lehrlinge bei rund 20 Prozent", teilt Hartmann mit. Um das weibliche Interesse am Handwerk zu fördern gibt es etwa den Girls-Day.

Heiligenfeld: Ausgewogene Verhältnisse

In den Heiligenfeld Kliniken herrscht in der Führungsetage Ausgewogenheit.

Kai Fraass, Pressesprecher der Heiligenfeld Kliniken, sagt: Wir haben eine frauengeprägte und vollwertig frauenakzeptierte Führungskultur in unserem Unternehmen." Das zeige sich beim Blick in die Führungsetage des Unternehmens. "Insgesamt arbeiten bei uns 95 Führungskräfte, davon sind 49 Frauen und 46 Männer."

Geplant sei dies nicht gewesen. Fraass erklärt: "Es kann sich jeder, der Interesse an einem Job bei uns hat, bewerben." Die Entscheidung zugunsten eines Kandidaten falle dann nicht aufgrund seines Geschlechts. "Die Personen, die wir einstellen haben uns fachlich überzeugt."

Mediengruppe Oberfranken: Eine Frau auf sechs Männer

In der Mediengruppe Oberfranken (MGO), zu der auch die Saale-Zeitung gehört, sitzt in der Geschäftsführung eine Frau sechs Männern gegenüber. Eine Führungsstufe darunter ist das Verhältnis fünf Frauen zu 16 Männern. Wiederum eine darunter - beispielsweise auf Redaktionsleiter-Ebene - stehen 19 Frauen 36 Männern gegenüber. Walter Schweinsberg, Sprecher der Geschäftsführung: "Bei der MGO sind Frauen auf allen Führungsebenen willkommen. Die spezifischen Eigenschaften von Frauen leisten einen wesentlichen Beitrag zu unserem Führungserfolg. Es gibt keine Unterschiede in der Bezahlung zwischen Frauen und Männern in Führungspositionen. Wir versuchen durch eine Reihe von Maßnahmen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen. Wenn gerade in höheren Führungspositionen bei der MGO Frauen unterrepräsentiert sind, liegt das auch an der mangelnden Verfügbarkeit geeigneter Kandidatinnen."

Polizei: 6 Chefs, 0 Frauen

In Bad Kissingen, Hammelburg und Bad Brückenau hat die Bayerische Polizei Inspektionen. Die Inspektionsleiter und ihre Stellvertreter sind derzeit durch die Bank Männer, 6:0 also.

In ganz Bayern beträgt der prozentuale Anteil der Männer im Polizeivollzugsdienst 72,47 Prozent, der der Frauen 27,52 Prozent. Wie Michael Siefener aus dem Münchner Innenministerium weiter mitteilt, sind Führungspositionen bei der Bayerischen Polizei zu 91,04 % durch Männer und zu 8,96 % durch Frauen besetzt (Stichtag 1. Mai 2018). Seit 1990 gibt es Frauen im uniformierten Dienst.

"Der Frauenanteil hat sich in den letzten Jahren kontinuierlich erhöht", so Siefener. Mit dem Blick auf Frauen in Führungspositionen sei zu beachten, dass bei der Polizei das Aufstiegsprinzip gilt. Das heißt, bis zur 4. Qualifikationsebene (früher höhere Dienst) müssen BeamtInnen in der 3. Qualifikationsebene (gehobener Dienst) zwei Ausbildungsqualifizierungen durchlaufen. "So ist bei einem Einstieg in der 2. Qualifikationsebene bis zum Erreichen der Vierten eine durchschnittliche Dienstzeit von 25 Jahren notwendig, die Zeit der Ausbildung nicht mitgerechnet."

Landratsamt: Gleichstand in Chefetage

Vier Abteilungen hat das Landratsamt Bad Kissingen: Zentrale Angelegenheiten; Kommunale und soziale Angelegenheiten, Sicherheit und Ordnung, Bauen und Umweltschutz. Die Juristen, die diese Posten besetzen, teilt die Regierung von Unterfranken zu. Hier ist das Verhältnis mit zwei Männer und zwei Frauen homogen.

Anders sieht es eine Stufe niedriger auf Sachgebietsebene aus. Hier stehen zwei Frauen 16 Männer gegenüber.

Wie konnte das passieren? Ist das Landratsamt vielleicht familienunfreundlich, was die Arbeitszeiten angeht? Melanie Hofmann, Sprecherin im Landratsamt: "Im Gegenteil. Teilzeit ist möglich, allerdings kommt es auf das Sachgebiet an. Homeoffice geht sehr häufig, dazu haben wir ein flexibles Gleitzeitmodell, das es erlaubt, Kinder erst zur Schule zu bringen und dann zu stechen." Die Erwägung, im Landratsamt Kinderbetreuung möglich zu machen, wurde ad acta gelegt, der Bedarf war nicht da. "Wir sind stetig bemüht, dem Ungleichgewicht entgegenzuwirken."

Der Altersdurchschnitt der Sachgebietsleiter liege bei über 45 Jahren. "Als diese Kollegen ihre Qualifikation erworben haben, waren weniger Frauen berufstätig, somit haben sich weniger Frauen qualifiziert und konnten, als die entsprechenden Besetzungen anstanden, nicht berücksichtigt werden." In den nächsten fünf Jahren werde sich der Altersdurchschnitt ändern, da viele alte Chefs in Rente gingen. "So wird sich sicher am Landratsamt auch der Frauenanteil ändern." Das sei eine gesellschaftliche Entwicklung, die Zeit brauche.

Labor LS: 76 Prozent sind Frauen

Mehr als drei viertel der Belegschaft des Labors LS in Großenbrach sind weiblich. Genauer beziffert: Von rund 500 Mitarbeitern sind 76 Prozent Frauen. Die Führungspositionen des Labors sind zu etwa 60 Prozent mit Frauen besetzt. Enrico Ott, der Personalmanager bei LS, kann zu dem 1987 gegründeten Unternehmen einen interessanten Fakt nennen: "Es sind noch Mitarbeiterinnen an Bord, die schon von Anfang an dabei waren." Die Geschichte der Frauen im Labor reicht allerdings noch weiter zurück. Bereits vor der Gründung von LS arbeiteten einige der Mitarbeiterinnen bereits mit den Firmengründern Dr. Leimbeck und Prof. Dr. Sonnenschein zusammen.



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