Bad Kissingen

Kreis Bad Kissingen: Der weite Weg zur Haltestelle

Für viele Einwohner im Landkreis Bad Kissingen ist die nächste gut bediente ÖPNV-Haltestelle zu weit von der eigenen Wohnung entfernt.
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Grafik: Dagmar Klumb, Quelle:  Indikatoren und Karten zur Raum- und Stadtentwicklung. INKAR. Ausgabe 2019. Hrsg.: Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) - Bonn 2018. © 2019 Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, Bonn
Grafik: Dagmar Klumb, Quelle: Indikatoren und Karten zur Raum- und Stadtentwicklung. INKAR. Ausgabe 2019. Hrsg.: Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) - Bonn 2018. © 2019 Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, Bonn

Der öffentliche Busverkehr im Landkreis Bad Kissingen: Das sind 466 Haltestellen, die sieben Betreiber mit insgesamt 37 Buslinien bedienen. 3,5 Millionen Fahrgäste wurden so im vergangenen Jahr befördert, 705 225 Gäste waren allein im Stadtbusverkehr in der Großen Kreisstadt unterwegs. Wer wissen will, ob der öffentliche Busverkehr damit gut oder schlecht aufgestellt ist, der kann zum Beispiel Dieter Stepner fragen. Stepner ist Referent für Verkehrsplanung bei dem Planungsbüro Kobra Nahverkehrsservice und arbeitet aktuell am Bad Kissinger Nahverkehrsplan für die kommenden Jahre.

"Was die Abdeckung mit Haltestellen angeht, ist der Landkreis gut aufgestellt", berichtet er unlängst im Wirtschaftsausschusses des Kreistags. Die Haltestellen seien gut gelegen. Die meisten wichtigen Einrichtungen wie etwa Schulen, Krankenhäuser, Pflegeheime oder Geschäfte der Nahversorgung (Lebensmittelmärkte) haben mindestens eine Haltestelle im Umkreis von höchstens 700 Metern. Der Takt, in dem die Haltestellen angefahren werden, genügt in den meisten Fällen den Mindestanforderungen, die in der Leitlinie zur Nahverkehrsplanung in Bayern zugrundegelegt sind. "Die Grenzwerte werden nur vereinzelt unterschritten", sagt Stepner.

Lücken im ländlichen Bayern

Wenn es darum geht, wie nah sich die nächste gut angebundene Haltestelle in Wohnungsnähe befindet, schaut das Bild allerdings anders aus. Das Bundesinnenministerium hat im aktuellen Deutschlandatlas den Zugang zu Haltestellen bewertet. Das Ministerium schreibt zusammenfassend, dass unter anderem die ländlichen Regionen in Bayern hier Lücken aufweisen. Die Abdeckung in den Landkreisen Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld wird in der niedrigsten Kategorie bewertet. Weniger als 15 Prozent der Bevölkerung haben eine Haltestelle in der Nähe, die täglich 20 Mal und häufiger angefahren wird (Stand: 2018). Die angrenzenden Kreise in Hessen und Thüringen stehen da deutlich besser da.

Kilometerlange Wege zum Bus

Wie es um die Haltestellen-Abdeckung in den kreisangehörigen Kommunen bestellt ist, zeigen aktuelle Daten des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (siehe Grafik). Hier fällt auf, dass die Situation am besten ist in den Städten Bad Kissingen, Bad Brückenau und Hammelburg, außerdem in Nüdlingen, im Bundeswehrstandort Wildflecken sowie im Bundespolizeistandort und Bahnverkehrsknotenpunkt Oerlenbach. In diesen Orten hat die große Mehrheit der Einwohner im Schnitt wenige hundert Meter bis zu einer Haltestelle zu laufen, die mindestens zehn Mal täglich bedient wird. In den übrigen Kommunen haben nur wenige Einwohner - oft nur jeder vierte Einwohner - so eine Haltestelle in Wohnungsnähe. Die Mehrheit hat Strecken von deutlich mehr als einem Kilometer bis zur Bushaltestelle oder zum Bahnhof zurückzulegen.

Angebot zuletzt ausgebaut

Michael Schäder ist am Landratsamt für den ÖPNV zuständig. Der öffentliche Nahverkehr werde im ländlichen Raum und damit auch in Bad Kissingen zum Großteil durch die Belange der Schülerbeförderung bestimmt. "Aus diesem Grund haben wir in den letzten Jahren verstärkt Fahrten außerhalb der Schulanfangs- und endzeiten angeboten", berichtet er im Kreiswirtschaftsausschuss. Unter der Woche zwischen 6 bis 19 Uhr ist die Hauptbedienzeit, an Wochenenden, Feiertagen und in den Ferien " ist das Angebot ausgedünnt".

Dennoch: "Das Angebot ist nicht so schlecht, wie das der ein oder andere sagt". Schäder weist auf die Anstrengungen von Landkreis und Kommunen hin, die in den vergangenen Jahren zu Verbesserungen im ÖPNV geführt haben. Dazu gehören flexible Angebote wie Ruf- und Bürgerbusse, die neuen Freizeitlinien zum Kreuzberg und zum Ellertshäuser See, die Mobilitätsapp "Wohin du willst" sowie die ÖPNV-Offensive. Die hat dazu geführt, dass Kurgäste im Landkreis umsonst, Schüler entweder umsonst oder vergünstigt und Senioren vergünstigt Bus fahren können. 102 000 Kurgäste haben das Angebot 2018 in Anspruch genommen. "Das sind hervorragende Zahlen. Das ist ein Angebot, das sich sehen lässt", freut er sich. Um die Attraktivität weiter zu steigern, werden aktuell 30 Busse des Kreisomnibusbetriebs (KOB) mit Wlan ausgestattet. Langfristig ist ab Sommer 2022 geplant, dass der Landkreis Bad Kissingen mit den Landkreisen Rhön-Grabfeld, Haßberge sowie Stadt und Kreis Schweinfurt dem Verkehrsverbund Mainfranken (Würzburg, Kitzingen, Main-Spessart) beitritt.

Von der CSU-Fraktion gibt es in der Sitzung viel Lob für das Erreichte, allerdings werden auch stärkere Anstrengungen bei der Vermarktung angemahnt. "Wir haben ein gutes Angebot, es wäre schade, wenn es ungenutzt bleibt", meint zum Beispiel Sandro Kirchner. Johannes Wegner (Grüne) mahnt an, die Attraktivität weiter zu steigern etwa mit einem dichteren Haltestellennetz und einer höheren Taktung. Mehr zum Nahverkehrsplan hier.

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